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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wansee; Wansen; Wanst; Wanstead; Wantage; Wanten; Wantschau; Wanzen

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Wansee - Wanzen.

ben. Der Großfürst ernannte ihn nach seiner Thronbesteigung 1881 zum Kriegsminister. W. vollendete die unter Miljutin begonnene Militärreorganisation und verstärkte die Wehrkraft des Reichs erheblich.

Wansee, s. Wan.

Wansen, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Ohlau, an der Ohlau, hat eine neue evangelische und 2 kath. Kirchen, ein ansehnliches Rathaus (früher Jagdschloß der Erzbischöfe von Breslau), ein Amtsgericht, Zigarren- und Lederfabrikation, Tabaks- und Gurkenbau und (1885) 2294 meist kath. Einw.

Wanst, s. v. w. Pansen; in der Jägersprache der Magen der Hirsche, Rehe, Sauen.

Wanstead (spr. ŭánnstedd), Stadt in der engl. Grafschaft Essex, beim Eppinger Wald, mit öffentlichem Park und (1881) 4448 Einw.

Wantage (spr. ŭánntidsch), uralte Stadt in Berkshire (England), im Thal des »weißen Pferdes«, mit (1881) 3488 Einw.; Geburtsort Alfreds d. Gr., dem daselbst 1877 ein Denkmal gesetzt wurde, und des Bischofs Butler. Auf dem Ashdown, im S., wo der Sachsenkönig die Dänen schlug, befinden sich zahlreiche Erdwerke.

Wanten, zum stehenden Gut gehörige, stärkere Taue, welche den Masten ihre seitliche Stützung gewähren. Die untern Enden der W. werden mit Hilfe der Jungfern an den Seiten des Schiffs befestigt und in Spannung erhalten.

Wantschau, Stadt, s. Wentschou.

Wanzen (Heteroptera), Insektengruppe aus der Ordnung der Halbflügler, Insekten, deren beide Flügelpaare in der Ruhe dem Rücken horizontal aufliegen, wobei die Hinterflügel von den vordern bedeckt sind; letztere decken sich nur mit ihrem hintern häutigen Teil und grenzen mit dem innern Felde der vordern hornigen Hälfte an das Schildchen. Der Schnabel entspringt an der Spitze des Kopfes und ist in der Ruhe gewöhnlich gegen die Brust zurückgeschlagen. Die meisten W. entwickeln bei der Berührung einen charakteristischen unangenehmen Geruch, der durch eine von Drüsen im Brustkasten abgesonderte Flüssigkeit erzeugt wird. Die Larven der W. erscheinen wegen des Mangels der Flügel, welche sehr bald als lappenartige Stumpfe über die Körperseiten heraustreten, breiter und plumper als die vollkommenen Insekten, sind auch meist anders gefärbt, führen aber dieselbe Lebensweise und häuten sich mehrere Male, ehe sie fortpflanzungsfähig werden. Die Eier werden an Blätter und andre Pflanzenteile gruppenweise angeklebt, sind meist kugelförmig, mit rippenartigen Erhebungen, auch bunt gefärbt etc. und oben mit einem Deckelchen versehen. Man teilt die W. in Landwanzen (Geocores) und Wasserwanzen (Hydrocores, Halobatidae). Letztere sind in Farbe und Form ziemlich eintönig, bewohnen stehende Gewässer beider Erdhälften, nähren sich von allerlei Wassertieren, welche sie mit dem Schnabel anstechen und aussaugen, fliegen nachts umher und stechen empfindlich. Hierher gehört der gemeine Rückenschwimmer (Notonecta glauca L.), welcher 1,5 cm lang, grünlichgelb, auf dem Schildchen schwarz, unterhalb braun ist, trefflich auf dem Rücken schwimmt, die zum Atmen erforderliche Luft zwischen den dichten Bauchhaaren auffängt und nach Verbrauch derselben wieder an die Oberfläche kommt. Zum Rudern dienen ihm die kräftigen elastischen Hinterbeine. Er legt im Frühjahr zu einer Scheibe zusammengeklebte Eier an Wasserpflanzen oder auf den Boden und überwintert als vollkommenes Insekt. Die Landwanzen zerfallen in Schreit-, Haut-, Blind-, Lang-, Rand- und Schildwanzen. Die Schreitwanzen (Reduvini Burm.) schreiten auf Bäumen und Sträuchern langsam einher, leben an Ufern oder auf dem Wasser, nähren sich von andern Insekten oder sind auf Blutnahrung von Menschen und Säugetieren angewiesen. Zu den Hautwanzen (Membranacei Latr.) gehört die Buckelwanze (Tingis affinis L., s. Tafel »Halbflügler«), welche unter Feldbeifuß oder an Graswurzeln gesellig lebt; sie ist braun mit glashellen, braun geäderten Hautsäumen und sternförmigem Fleck auf jeder Flügeldecke; ferner die gemeine Rindenwanze (Aradus corticalis L., s. Tafel »Halbflügler«), mit rostfarbigem Körper, der mit lehmgelben Granulationen bedeckt ist, und zackig schwarz gesäumtem Hinterleib, lebt unter Eichen- und Buchenrinde; die Bettwanze (Cimex lectularius L., s. Tafel »Halbflügler«); diese ist sehr platt, 5 mm lang, braunrot, braun behaart, flügellos, mit dreigliederigem, einer Kehlrinne anliegendem Schnabel, legt im März, Mai, Juli, September jedesmal etwa 50 walzenförmige Eier, ist in 11 Monaten erwachsen, saugt Blut, kann sehr lange hungern und wird dann durchsichtig wie Glas. Sie war schon den Alten bekannt, welche ihr Heilkräfte zuschrieben, erschien im 11. Jahrh. in Straßburg und im 16. Jahrh. auch in England. Sie ist gegenwärtig sehr verbreitet und lebt im Freien auf den verschiedensten warmblütigen Tieren (besonders Fledermäusen, Tauben), durch welche sie wohl ursprünglich den menschlichen Wohnungen zugeführt worden ist. In Wohnungen vertilgt man sie am sichersten und ohne Gefährdung der Bewohner durch energische Anwendung von Insektenpulver. In Wänden müssen alle Ritzen sorgfältig ausgekratzt und dann verstrichen werden. Die Blindwanzen (Wiesenwanzen, Capsini Burm.), kleine, zarte, an Körper und Deckflügeln weichhäutige W. von meist matter, unscheinbarer Färbung, leben besonders in den gemäßigten Zonen oft in großer Individuenzahl auf niedern Pflanzen, vorzüglich auf Wiesen. Manche werden durch Saugen der Säfte Kulturpflanzen schädlich, so die zweipunktige Wiesenwanze (grüne Fliege, Phytocoris bipunctatus F.), welche 8 mm lang, gelbgrün, auf dem Halsschild und dem Leder der Decken anliegend schwarz behaart, auf dem Hinterleibsrücken schwarz und auf dem Halsschild gewöhnlich mit zwei schwarzen Pünktchen gezeichnet ist. Sie legt im Herbst ihre Eier an verschiedene Pflanzen, besonders Kreuzblütler, und die Larve beschädigt im nächsten Jahr hauptsächlich Kopfkohl, Blumenkohl und Levkojen. Ebenso ist die Wiesenschmalwanze (P. pratensis L.) den Fuchsien, Hortensien, Lantanen, die grüne Schmalwanze (P. nasatus F.) den Rosen, besonders in Treibhäusern, schädlich. Die Langwanzen (Lygaeodes Burm.) leben meist unter Steinen, Laub oder Moos am Grunde der Baumstämme und nähren sich von toten Insekten und Pflanzensäften; zu ihnen gehört die flügellose Feuerwanze (Pyrrhocoris apterus L., s. Tafel »Halbflügler«), 9 mm lang, ohne Haut an den Flügeldecken und ohne Hinterflügel, mennigrot, an Kopf, Fühlern, Beinen, Thoraxscheibe, Schildchen schwarz, mit schwarzem Fleck auf den Deckflügeln; sie besitzt nur als Larve den Wanzengeruch, lebt besonders an Linden- und Rüsterstämmen und überwintert in verschiedenen Altersstufen. Die Randwanzen (Coreodes Burm.) sind besonders in Amerika vertreten und durch Größe und auffallende Bildung ausgezeichnet; sie leben auf Buschwerk und im Gras, stiegen auch im Sonnenschein und nähren sich von andern Insekten. Die Schildwanzen (Scutati Burm.), zahlreiche, vorwiegend in den Tropen heimische, zum Teil