Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Washington-Expedition; Washingtonia; Washingtoninseln; Washingtonit; Washita; Wasielewski

411

Washington-Expedition - Wasielewski.

wendete daher alle Kraft auf die Organisation und Disziplinierung der Truppen, auf Befestigung der Küste und Herstellung einer Flottille und bewahrte dem ungeduldigen Drängen des Volkes gegenüber unerschütterliche Ruhe und Selbständigkeit. Sein erster Erfolg war, daß er den General Howe zur Räumung Bostons nötigte (17. März 1776). Als der auf 35,000 Mann verstärkte Feind im August New York besetzte, ging W. nach einer Reihe unglücklicher Gefechte aus einer festen Stellung in die andre in das nördliche Gebirge zurück. Hunger, Kälte und Seuchen rafften einen Teil seiner Streitkräfte dahin, ein andrer Teil verließ nach Ablauf der immer nur auf ein Jahr festgesetzten Dienstzeit die Fahnen. Mit dem Rest von 2000 Mann mußte W. mitten im Winter bis über den Delaware zurückweichen. Auf seinen Betrieb beschloß der Kongreß, das Heer auf mehr als 100 Bataillone zu bringen, die bis zum Ende des Kriegs dienen sollten, und zugleich übertrug man dem Feldherrn eine fast unbeschränkte Gewalt auf sechs Monate. Jetzt ging W. über den Delaware, machte 26. Dez. einen glücklichen Überfall auf die Engländer bei Trenton und schlug dieselben 3. Jan. 1777 bei Princetown, unterlag jedoch 11. Sept. der feindlichen Übermacht am Brandywinefluß und 3. Okt. bei Germantown und mußte sich in die Einöde von Valley Forge zurückziehen. Doch harrte er unerschüttert durch alles Mißgeschick auf seinem Posten aus, bis das Bündnis mit Frankreich ihm erlaubte, wieder angriffsweise vorzugehen, die Engländer unter Clinton bei Monmouth (28. Juni 1778) zu schlagen und, verstärkt durch 6000 Franzosen unter Rochambeau, 18. Okt. 1781 die 7000 Mann starke englische Armee unter Cornwallis in Yorktown zur Kapitulation zu zwingen, worauf im November 1782 der provisorische Friede zu stande kam. Nachdem die Engländer 25. Nov. 1783 New York geräumt, entließ W. die Reste seines Heers, legte seine Bestallung in die Hände des Kongresses nieder und zog sich als einfacher Pflanzer nach Mount Vernon zurück. Staatsbelohnungen, die ihm öfters geboten wurden, schlug er aus, und ein Geschenk an Grundeigentum, das ihm sein Heimatsland Virginia gab, nahm er nur unter der Bedingung an, es zum Besten öffentlicher Schulen zu verwenden. Im Mai 1787 von Virginia zu der Versammlung aller Staaten in Philadelphia gesandt, ward er hier zum Vorsitzenden und Leiter der Beratungen, aus welchen 17. Sept. 1787 die Verfassung der Vereinigten Staaten von Nordamerika hervorging, und, als im April 1789 diese Verfassung in Wirksamkeit trat, einstimmig zum Präsidenten der neuen Bundesregierung erwählt. Inmitten des heftigen Parteikampfes, der die Union gewaltsam zu zerreißen drohte, ordnete er die Staatsschuld, die Landesverteidigung, den Verwaltungsorganismus und das öffentliche Unterrichtswesen und legte den Grund zu dem großartigen Straßen- und Kanalsystem der Union. Nach außen beobachtete er strenge Neutralität und machte dadurch die Wiederaufnahme des Handelsverkehrs mit England möglich. Nach Ablauf seiner Amtsjahre 1793 zum zweitenmal gewählt, hatte er besonders nach außen eine schwierige Stellung wegen des Verhältnisses der Union zu dem revolutionären Frankreich. Er gab aber dem Verlangen der Demokraten nach Unterstützung Frankreichs, England gegenüber, keineswegs nach, sondern schloß vielmehr einen sehr vorteilhaften Handelsvertrag mit England und verwies die Agenten des französischen Direktoriums, die das Volk zur Empörung gegen ihn aufzureizen suchten, aus dem Gebiet der Union, wofür man ihn mit den schonungslosesten Anklagen überhäufte. Als seine zweite Amtsperiode zu Ende ging, verbat er sich die abermalige Wiederwahl, legte sein Amt mit einer herrlichen Ansprache an die Nation im März 1797 für immer nieder und zog sich wieder nach Mount Vernon zurück. Als aber 1798 der Krieg mit Frankreich ernstlich drohte, bewog ihn der neue Präsident, Adams, die Stelle eines Oberfeldherrn nochmals anzunehmen. Trotz seines Alters nahm er die Organisation eines neuen Heers und die Herstellung umfassender Verteidigungsanstalten mit Energie in die Hand, und die ehrfurchtgebietende Stellung, welche Amerika mit rascher Entschiedenheit einnahm, bewog die Franzosen, in Unterhandlungen zu treten. W. starb 14. Dez. 1799 in Mount Vernon, ohne Kinder zu hinterlassen. In seinem Testament gab er seinen Sklaven die Freiheit. W. sind in den Vereinigten Staaten zahlreiche Denkmäler errichtet worden, unter denen die sitzende Kolossalstatue im Park des Kapitols zu Washington von H. Greenough, die Reiterstatuen in Richmond von Th. Crawford, in Boston von Th. Ball, auf dem Union-Square in New York von H. K. Brown und in Philadelphia von dem Berliner Siemering die hervorragendsten sind. W. ist in allem Zeitenwechsel dem Amerikaner das große Vorbild eines treuen Republikaners geblieben. In seinem Charakter waren jene Eigenschaften ausgeprägt, welche die thatkräftige, rücksichtslose Entschiedenheit mit der ruhigen, gerechten Mäßigung vermitteln. Ruhig im überlegen, feurig im Ausführen, standhaft im Unglück, standhafter noch im Glück, tapfer auf dem Schlachtfeld, scharfsinnig in der Wahl seiner Ratgeber, fern von Neid und Selbstsucht, aufrichtig, auch den heftigsten Parteiangriffen gegenüber nie vom Boden des Rechts weichend, pflichtgetreu, sich selbst beherrschend, gegen andre mild und nachsichtig, frei von allem Hochmut, den Armen hilfreich, als Bürger wie als Mensch gleich vortrefflich, vor allem aber der Freiheit mit Leib und Seele ergeben, steht W. als einer der größten Männer aller Zeiten da. Washingtons Schriften (amtliche und private Papiere) wurden gesammelt herausgegeben von Sparks (»Washington's writings«, neue Ausg. 1855, 12 Bde., mit Biographie; deutsch bearbeitet von F. v. Raumer, Leipz. 1839, 2 Bde.) und von W. C. Ford (New York 1888 ff., 14 Bde.). Seine Biographie schrieben außerdem Marshall (3. Aufl., Philad. 1832, 2 Bde.), Bancroft (Bost. 1851), Redding (Lond. 1835, 2 Bde.), Edmonds (3. Aufl., das. 1839, 2 Bde.), W. Irving (deutsch von Bülau, Leipz. 1855-60, 5 Bde.), Headley (New York 1856), Venedey (Freiburg 1861), Everett (New York 1861), Pardo (deutsch, Gotha 1885), Townsend (New York 1887), Lodge (Bost. 1889, 2 Bde.), Scudder (das. 1889). Vgl. Baker, Bibliotheca Washingtoniana (Philad. 1889).

Washington-Expedition (1881), s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen, S. 257.

Washingtonia, s. Wellingtonia.

Washingtoninseln (Revolutionsinseln), jetzt nur noch selten gebrauchte Bezeichnung für die nördliche, von dem Amerikaner Ingraham 1791 entdeckte Gruppe der Markesas (s. d.).

Washingtonit, s. Titaneisenerz.

Washita (spr. uoschitáh), Nebenfluß des Red River im nordamerikan. Staat Louisiana, in den er nach einem Laufe von 800 km mündet. Er ist für Dampfer bis nach Camden (480 km) schiffbar. In seinem untern Lauf heißt er Black River.

Wasielewski, Wilhelm Joseph von, Violinspieler und Musikschriftsteller, geb. 17. Juni 1822 zu