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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wasserblei - Wasserfall.

Wasserblei, s. v. w. Molybdänglanz, fälschlich auch für Graphit gebraucht.

Wasserbleiocker, s. Molybdänocker.

Wasserblüte, die gleichmäßige Färbung, welche das Wasser an der Oberfläche stehender Gewässer zeitweise annimmt, und welche auf dem Erscheinen zahlloser mikroskopisch kleiner Algen beruht, die das Wasser gleichmäßig erfüllen. Gewöhnlich ist sie von lebhaft spangrüner Farbe und rührt dann meist von Polycystis ichthyoblabe Ktz., P. aeruginosa Ktz., Anabaena flos aquae Ktz., A. circinalis Rbh. u. a. her. Rote W. bringt Clathrocystis roseopersicina Cohn hervor. Auch Meerwasser wird durch gewisse rot gefärbte Bakterien gerötet.

Wasserbock, s. Antilopen, S. 639.

Wasserbremse, Vorrichtung zur Verlangsamung der Bewegung von Maschinenteilen behufs Vermeidung starker Stöße, besteht in einem einseitig geschlossenen, mit Wasser gefüllten Cylinder, in welchem sich ein Kolben mit geringem Spielraum bewegt, so daß sich das Wasser zwischen Kolben und Cylinder hindurchzwängen muß und dadurch auf die Bewegung des Kolbens und mittelbar auf diejenige des mit dem Kolben verbundenen Maschinenteils verzögernd einwirkt.

Wasserbrotwurzel, s. v. w. Colocasia esculenta.

Wasserbruch (Hydrocele, Hodenwassersucht), krankhafte Ansammlung wässeriger Flüssigkeit in den Scheidenhäuten des Samenstrangs und der Hoden. Die dadurch hervorgerufene bedeutende Geschwulst der Hoden wird durch ihre Schwere lästig und verursacht ein empfindliches Ziehen. Als Ursache können Hodenerschütterungen beim Reiten und Entzündungen der Hoden und Nebenhoden nachgewiesen werden. Die Behandlung bezweckt entweder nur eine vorübergehende Heilung durch Entleerung der Flüssigkeit mittels des Trokars (Punktion) oder eine Radikalheilung. Bei letzterer kommt es darauf an, in der ausgedehnten Hülle der Hode eine solche Entzündung hervorzurufen, daß nach Entleerung des Wassers die Scheidenhäute der Hoden miteinander verwachsen, so daß eine Wiederansammlung des Wassers unmöglich wird. Man bedient sich dazu der Einspritzung von Jodtinktur oder reiner Karbolsäure. Bei hartnäckigen Fällen, die auch durch wiederholte Jodinjektion nicht verschwinden, ist die Operation durch Schnitt notwendig.

Wasserbuche, s. Platane.

Wasserburg, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Oberbayern, in fruchtbarer Gegend und reizender Lage am Inn und an der Linie Rosenheim-Eisenstein der Bayrischen Staatsbahn, hat eine gotische Kirche, ein altes Schloß (jetzt Zuchthaus für weibliche Sträflinge), ein altertümliches Rathaus, ein Waisenhaus, eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, ein Amtsgericht, ein Forstamt, Bierbrauerei, Hopfenbau und (1885) 3265 kath. Einw. Unweit davon eine alkalisch-erdige Mineralquelle (St. Achaz-Bad) mit Badeanstalt, gegen Unterleibsleiden empfohlen. W. war früher Sitz eigner Grafen.

Wasserdicht, undurchdringlich für Wasser, werden Gewebe, Leder, Mauern etc. gemacht, indem man sie mit hierzu geeigneten Stoffen überzieht oder imprägniert. Wasserdichte Gewebe werden am häufigsten mit Kautschuk (s. d.) dargestellt. Man überzieht die Gewebe zuerst mit einer Lösung von Kautschuk in Leinöl, trocknet sie dann 12 Stunden bei 60°, gibt drei Anstriche mit Leinöl, welches mit Glätte, Umbra und vegetabilischem Schwarz gekocht worden war, und erwärmt die Gewebe auf 45°. Die auf beiden Seiten überzogenen Gewebe widerstehen etwa vier Jahre der Witterung. Derartige Fabrikate sind aber nicht nur w., sondern auch luftdicht und deshalb zu Kleidungsstücken nicht gut verwendbar. Sollen leinene Gewebe nur w., aber durchdringlich für Luft hergestellt werden, so tränkt man sie mit einer Lösung von schwefelsaurer Thonerde und bestreicht sie dann mit einem Pinsel mit einer Lösung von Harzfettseife. Zuletzt wird in Wasser gespült und gerollt. Man kann auch mit schwefelsaurer Thonerde und Kupfervitriol tränken und dann ein Bad aus Wasserglas und Harzfettseifenlösung geben, oder man tränkt mit genügend konzentrierter und 1/40 doppeltchromsaures Kali enthaltender Leimlösung, trocknet und läßt das Licht auf das Gewebe einwirken. Bei groben Stoffen gibt man einen Zusatz von Kreide, Thon etc. Baumwollene Gewebe werden 4 Stunden in einer Lösung schwefelsaurer Thonerde durchgearbeitet und dann getrocknet. Wollene Gewebe siedet man mit Alaunlösung, dann mit weißer Sodaseife an und trocknet sie in geheizten Räumen. Noch besser bürstet man das Gewebe auf der Rückseite mit einer heißen Lösung von Alaun, Hausenblase und Seife, dann wird es getrocknet, gegen den Strich gebürstet und zuletzt mit einer in reines Wasser getauchten Bürste überfahren, um ihm den Glanz zu nehmen.

Wasserdosten, Pflanzengattung, s. Eupatorium.

Wasserdrossel, s. Wasserstar.

Wassereidechse, s. Varan.

Wasserelster, s. v. w. Austerndieb.

Wasserfaden, s. Conferva.

Wasserfall, der durch den Widerstand der obersten Gesteinsschichten auf einer Strecke verursachte Fall fließenden Wassers über eine Felswand in die Tiefe. Verwittert das Gestein am Fuß des Falles leichter als das obere, so wird die Felswand im Lauf der Zeit überhängend; wenn die überhängenden Teile hinabstürzen, beginnt die Unterwaschung am Fuß der Felsen von neuem, und der W. bewegt sich so langsam thalaufwärts. Der Niagarafall hat z. B. auf diese Weise 12 km aufwärts zurückgelegt. Sind dagegen die obern Gesteinsschichten weniger hart, so werden sie sich allmählich abschleifen und der W. sich bei regelmäßigem Flußbett in eine Stromschnelle verwandeln. Der Fall geschieht häufig in mehreren aufeinander folgenden Abstürzen. Von der Größe der Wassermasse und der Großartigkeit der Umgebung hängt die Schönheit des Wasserfalls ab. Die berühmtesten Fälle finden sich in den Alpen, wie Gießbachfall (300 m), Staubbachfall (287 m), Tosafall (150 m), Reichenbachfälle (oberster 90 m), Pissevache (84 m), Handeckfall (60 m), Krimmler Fall (350 m), Schwarzbachfälle bei Golling (82 m), Gasteiner Fälle (80 m), ferner im Norden der Alpen der Rheinfall (21 m); in Norwegen Rjukanfoß (245 m), Feigumfoß (200 m), Vöringsfoß (145 m), Sarpfoß (20 m); in Schweden Trollhättafälle (33 m) und Elfkarlebyfall (15 m); in Italien Fall des Teverone (96 m), des Velino (27 m); in Amerika sind die berühmtesten von allen die Niagarafälle (50 und 48 m), ferner Montmorencyfall (Kanada, 82 m), die Großen Fälle des Missouri (26 m), Yosemitefälle (Kalifornien); die Sieben Wasserfälle des Paraná (17 m), die Wasserfälle des Sipotuba (132 m) und des San Francisco (80 m), sämtlich in Südamerika; in Afrika die Victoriafälle des Sambesi. Künstliche Wasserfälle finden sich zu Marly bei Versailles und zu St.-Cloud, bei dem Lustschloß Loo in Geldern, auf Wilhelmshöhe bei Kassel u. a. O. Vgl. auch Fluß, S. 410.