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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wasserkalb - Wasserleitungen.

kurze, flossenartige Hinterbeine und geteilte Augen, mit denen sie gleichzeitig in das Wasser und in die Luft sehen können. Sie treiben sich scharenweise auf Süß- und Salzwasser kreisend umher und nehmen beim Tauchen eine am Hinterleibsende haftende Luftblase mit sich ins Wasser. Die Larven haben gefiederte Fortsätze an den Hinterleibsringen, fressen ebenfalls saugend und verpuppen sich außerhalb des Wassers in einem ovalen, zugespitzten Kokon. Eine dritte Familie umfaßt die Tasterhörnigen (Palpicornia Latr.), welche durch ihre sehr lang gestreckten Kiefertaster charakterisiert sind; diese schwimmen unbeholfen, nähren sich von Vegetabilien, nehmen beim Atmen über Wasser mit der seidenartigen Behaarung der Fühlerkeule und der Brust Luft auf, besitzen eine sehr große, ballonartige Tracheenblase, welche auch als Schwimmblase fungiert, und umhüllen die Eier mit einem birnförmigen, in eine gekrümmte Röhre ausgezogenen Kokon, welcher auf der Oberfläche des Wassers zwischen Pflanzen schwimmt. Hierher gehört der schwarze Kolbenwasserkäfer (Hydrophilus piceus L.), 4,8 cm lang, länglich-eiförmig, grünlich pechschwarz, glänzend, mit rostfarbenen, an der Keule braunen Fühlern und beim Männchen mit beilförmigem, blattartig zusammengedrücktem fünften Gliede der Vordertarsen, findet sich häufig in stehenden und fließenden Gewässern. Er nährt sich wahrscheinlich von Algen. Die Larven verlassen den Kokon nach der ersten Häutung und verpuppen sich in feuchter Erde. Zu dieser Familie gehört auch Hydrous caraboides (s. Tafel »Käfer«), welcher nur 1,7 cm lang wird. Vgl. Erichson, Genera Dyticeorum (Berl. 1832).

Wasserkalb (Gordius L.), Gattung der Fadenwürmer, charakterisiert durch den gegabelten Schwanz des Männchens. Die Geschlechtsöffnung liegt an der Teilungsstelle, beim Weibchen an der Schwanzspitze. Die 34 Arten finden sich in allen Erdteilen, leben im geschlechtsreifen Zustand frei im süßen Wasser und legen die Eier in schnurförmigen Strängen ab. Die Embryonen bohren sich in Insektenlarven ein, kapseln sich ein und verharren in diesem Zustand, bis der Wirt von Schwimmkäfern, Libellenlarven etc. gefressen wird. In der Leibeshöhle dieser letztern entwickeln sie sich weiter, wandern aus und werden im Wasser geschlechtsreif. G. aquaticus Duj., in ganz Europa, wird 89 cm lang, 0,5-1 mm dick.

Wasserkastanie, s. Trapa.

Wasserkerbel, s. v. w. Oenanthe Phellandrium.

Wasserkies, s. Markasit.

Wasserkissen, aus weichem, vulkanisiertem Kautschuk hergestelltes und mit Wasser gefülltes Kissen, welches bei Kranken zur Verhütung des Aufliegens (s. d.) benutzt wird. Vgl. Hydrostatisches Bett.

Wasserkolk, s. Vomitus.

Wasserkopf, s. Gehirnwassersucht; hitziger W., s. Gehirnhautentzündung, S. 12.

Wasserkraftmaschinen, s. Wassermotoren.

Wasserkran, Vorrichtung auf Eisenbahnen zum Speisen der Lokomotiven mit Wasser. Ein Brunnen mit Pumpwerk, ein hoch stehendes Reservoir und eine Rohrleitung, auf großen Stationen auch ein Vorwärmer bilden die Wasserstation, von welcher der W. ein Teil ist. Derselbe befindet sich als drehbares Knierohr am Wasserstationsgebäude, oder er steht als Säule mit drehbarem Arm frei und ist in diesem Fall durch unterirdische Rohrleitung mit dem Reservoir verbunden.

Wasserkrebs (Noma, Wangenbrand), eine eigentümliche Form des Brandes, welcher die Wangen und Nasengegend befällt und oft kolossale Zerstörungen anrichtet, wird fast ausschließlich bei Kindern beobachtet, welche unter schädlichen Einflüssen, bei unzureichender oder verdorbener Kost, in schlechten Wohnungen elend und kachektisch geworden sind, oder bei solchen, welche kurz vorher schwere Krankheiten überstanden haben und durch dieselben in hohem Grad geschwächt worden sind. Am allerhäufigsten tritt der W. nach überstandenen Masern und Scharlach auf. In nördlichen Ländern, namentlich in Holland, ist die Krankheit weit häufiger als im Süden, scheint übrigens niemals epidemisch aufzutreten. In den seltenen Fällen, wo der W. in Genesung ausgeht, werden die brandigen Massen abgestoßen, das Geschwür reinigt sich, und an Stelle des Substanzverlustes bildet sich ein erst weiches, dann fest und fibrös werdendes Narbengewebe. Fast immer bleiben Verwachsungen im Mund und oft die furchtbarsten Entstellungen des Gesichts zurück. Während sich meist ohne alle Schmerzen der Brand auf der innern Wangenfläche zu entwickeln beginnt, schwellen Wange und Lippen an, und die teigige Geschwulst breitet sich über die benachbarte Gegend aus. Meist am fünften oder sechsten Krankheitstag zeigt sich der Brand auch äußerlich am Gesicht und schreitet in den folgenden Tagen schnell nach allen Richtungen hin vorwärts. Bald liegen dann die Kräfte vollständig danieder, meist stellen sich Durchfälle ein, der Durst ist kaum zu löschen, die Haut erscheint kühl und trocken, der Puls klein und unfühlbar; das Kind geht endlich an Erschöpfung zu Grunde. Die Behandlung ist vorzugsweise eine allgemeine, kräftigende Diät, womöglich Aufenthalt in südlicherm Klima (Nizza, Meran), erst dann kann man von der örtlichen Behandlung, von Ätzungen mit dem Glüheisen, dauernden Erfolg erhoffen.

Wasserkresse, s. Nasturtium.

Wasserkunst, Anlage von Kaskaden und Springbrunnen oder Anstalt, in welcher durch Pumpwerke etc. Wasser gehoben wird, namentlich im Bergbau und bei Wasserleitungen.

Wasserkuppe, s. Rhön.

Wasserkur, s. Kaltwasserkuren.

Wasserlack (Wasserfirnis), Lösung von Schellack und Borax in Wasser, s. Schellack.

Wasserläufer (Totanus Bechst.), Gattung aus der Familie der Schnepfen, Vögel mit langem, vorn zugespitztem, geradem oder ganz leicht aufwärts gebogenem Schnabel, das Schwanzende überragenden Flügelspitzen, kurzem Schwanz und kleiner, den Boden nicht berührender Hinterzehe. Zwölf in wasserreichen Gegenden der kalten und gemäßigten Zone weitverbreitete Arten, wandern im Herbst südlich. Der Waldwasserläufer (T. glareola Temm.), 22 cm lang, oberseits dunkelbraun mit rostgelben Flecken, im Sommer mit weißen Federrändern, am Bürzel weiß, der Schwanz gebändert, am Hals dunkel gestreift, unterseits weiß, mit schwarzem Schnabel und grünlichgelbem Fuß, findet sich in ganz Europa und in Asien, weilt bei uns von April bis September, lebt hauptsächlich im Wald und brütet häufig an der Nord- und Ostseeküste. Die Eier s. Tafel »Eier II«, Fig. 9.

Wasserleitungen, Anlagen zur Versorgung der Städte mit gutem, reinem Wasser, wurden in großartigem Maßstab schon von den Alten, namentlich von den Römern, ausgeführt (s. Aquädukt). An die Stelle der damaligen, gewöhnlich bedeckten, gemauerten Kanäle sind jetzt fast ausschließlich Röhrenfahrten getreten, und nur noch wenige Städte, wie Marseille und New York, erhalten gegenwärtig ihr Wasser