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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wasserpocken; Wasserpolaken; Wasserpolizei; Wasserprobe; Wasserrabe; Wasserrad

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Wasserpocken - Wasserrad.

(Vallisneria, Hydrilla, Elodea) bewirken im Wasser schwimmende Pollenmassen die Befruchtung; bei einer Minderzahl endlich (Najas, Zostera, Ceratophyllum) erfolgt die Befruchtung unter Wasser innerhalb der geschlossenen Blüte. Die in der Regel schwimmfähigen Früchte der W. reifen selten in der Luft, viel häufiger unter Wasser, besitzen oft eine sehr feste innere Steinschale und bisweilen eigentümliche, zum Festhalten im Schlamm dienende Ankerorgane, die bei Trapa in Form von vier starken Stacheln ausgebildet sind. Die geographische Verbreitung der W. ist eine sehr ausgedehnte, jedoch halten sie sich vorwiegend an die Wasserstraßen der Tiefländer und steigen nur mit wenigen Arten in die Hochgebirge auf. Die im Meer wachsenden W., die sogen. Seegräser, von welchen zur Zeit 27 Arten aus den Familien der Hydrocharitaceen und Najadeen bekannt sind, zeigen höchst eigenartige Verbreitungsverhältnisse, die mit der Entstehung der gegenwärtigen Meeresküsten zusammenhängen.

Unter den ausländischen, durch kulturgeschichtliche Beziehungen merkwürdigen W. stehen die Seerosen oder Nymphäaceen obenan, zu welchen die Lotosblumen Ägyptens und der Gangesländer gehören. Gegenwärtig wachsen in Ägypten Nymphaea coerulea Sav., mit blauen Blumen und ganzrandigen Blättern, und Nymphaea Lotos L. (s. Tafel, Fig. 3), die weißblütig und gezahntblälterig ist. Beide Arten finden sich auf den altägyptischen Denkmälern häufig dargestellt; auch wurden die Mumien der spätern römisch-griechischen Zeit bisweilen mit Kränzen von Lotosblumen geschmückt Samen und Rhizome beider Arten wurden in alter Zeit gegessen, während dies jetzt nach Schweinfurth nur noch bei den Anwohnern des obern Nilgebiets geschieht. Das Vorkommen des rosablütigen indischen Lotos, des Nelumbium speciosum Willd. (s. Tafel, Fig. 2), im alten Ägypten ist durch monumentale Darstellungen und durch die Schilderung von Herodot, der ihre Frucht treffend mit einem Wespennest vergleicht, unzweifelhaft bezeugt. Gegenwärtig ist jedoch diese herrliche, bei den Indern in uralter Verehrung stehende und von den Dichtern des Orients besungene Pflanze gänzlich aus Ägypten verschwunden und auf die wärmern Teile Asiens und Nordostaustraliens beschränkt; ihr am weitesten nach Westen vorgerückter Standort liegt am Kaspischen Meer: jedoch kommt eine ihr sehr nahe verwandte Art (N. Buchii Ett.) fossil auch in Europa vor. Eine vierte, wegen der Riesendimensionen ihrer Blätter und Blüten allgemein bewunderte Seerosenart, die Victoria regia Lindl. (s. Tafel, Fig. 8), ist im tropischen Amerika zwischen dem 15.° südl. Br und dem 6.° nördl. Br. einheimisch und wird in unsern Gewächshäusern aus Samen alljährlich neu aufgezogen, während sie in ihrem Vaterland ausdauert; auch ihre Samen werden als »Wassermais« von den Eingebornen gegessen. Andre auffallende Formen der W. bilden die zu den Najadeen gehörigen Aponogeteen, welche durch eigentümliche, zwei oder dreiteilige Blütenähren ausgezeichnet sind und sich mit ca. 23 Arten im tropischen und subtropischen Afrika, Asien und Australien verbreiten; unsre Tafel bringt Aponogeton distachyus und Ouvirandra fenestralis (letztere durch höchst zierliche, gitterartige Durchlöcherung ihrer Blattspreite bemerkenswert) zur Anschauung (Fig. 1 u. 4). Bekanntere Gewächshauspflanzen aus der Gruppe der W. sind ferner die zu den Marantaceen gezählten Thalia-Arten, die im tropischen Amerika und auch in den Südstaaten Nordamerikas vorkommen; die in Sümpfen Südcarolinas und weiter westwärts verbreitete Thalia dealbata Fras. (s. Tafel, Fig. 7) hat langgestielte, herzförmige Wurzelblätter, einen weißlich bepuderten, aufrechten Blütenstand und kleine, violette Blüten. Die frei im Wasser schwimmende, zu den Araceen gehörige Pistia Stratiotes L. (s. Tafel, Fig. 6) bewohnt die wärmern Gebiete von Amerika, Asien und Afrika und wird bei uns bisweilen ihrer niedlichen Blattrosetten wegen in Aquarien gezogen. Als Uferpflanze schließt sich den W. endlich auch die Papyrusstaude (Papyrus antiquorum Willd., s. Tafel, Fig. 5) an, die ihre Heimat im tropischen Afrika hat und außerdem in Syrien und auf Sizilien vorkommt. Bekanntlich diente das Mark ihrer bis 3 m hohen Halme als Rohmaterial für die Papierbereitung der alten Ägypter, von denen sie kultiviert und auch als hieroglyphisches Symbol benutzt wurde, während sie gegenwärtig aus Ägypten verschwunden ist. Weiteres in den Spezialartikeln »Nymphaea«, »Nelumbium«, »Papyrus«. Bezüglich der einheimischen Arten vgl. Schenk, Die Biologie der W. (Bonn 1885).

Wasserpocken, s. v. w. Windpocken.

Wasserpolaken, poln. Slawen in Preußisch- und Österreichisch-Schlesien, deren Dialekt durch Aufnahme tschechischer und slowakischer sowie slawisierter deutscher Worte auch dem Polen schwerverständlich ist.

Wasserpolizei, s. Wasserrecht.

Wasserprobe, s. Ordalien.

Wasserrabe, s. Kormoran.

Wasserrad (hierzu Tafel »Wasserräder«), Motor zur Ausnutzung einer Wasserkraft durch ein gleichförmiges rotierendes Schaufel- oder Zellenrad, welches, wenn auf horizontaler Welle sitzend, ein vertikales, wenn auf vertikaler Welle, ein horizontales W. genannt wird. Letzteres pflegt man auch Turbine zu nennen, während für ersteres die Bezeichnung W. schlechthin gebräuchlich ist. Streng ist diese Unterscheidung nicht, da auch Turbinen mit horizontaler Welle ausgeführt werden und auch andre Übergangsformen vorkommen. Von allen Wasserrädern verlangt man, daß sie die zu Gebote stehende, von Wassermenge und Gefälle abhängige Wasserkraft möglichst vollständig nutzbar machen und eventuell auch bei wechselndem Wasserstand gleich vorteilhaft arbeiten. Man versteht dabei unter Wassermenge das mehr oder weniger veränderliche Wasservolumen, welches pro Sekunde einen Querschnitt des Baches oder Flusses passiert, und welches man durch genaue Aufnahme eines Querprofils und der in demselben stattfindenden mittlern Stromgeschwindigkeit, d. h. Wasserweg pro Sekunde, ermittelt; unter Gefälle den Höhenunterschied zwischen Ober- und Unterwasserspiegel, welche beide durch die nutzungsberechtigte Stromlänge bestimmt sind. Gibt man die Wassermenge in Litern durch die Zahl Q an, so wiegt dieselbe auch Q Kilogramm, und die mechanische Arbeit, welche sie verrichten kann, wenn das Gefälle H Meter beträgt, ist pro Sekunde H. Q Meterkilogramm oder H . Q / 75 Pferdekräfte. Hiernach würde eine Wassermenge von 500 Lit. bei 6 m Gefälle eine theoretische Arbeitsleistung von 500 . 6 / 75 = 40 Pferdekräften verrichten können, wenn das W. so vollkommen wäre, diese ganze Arbeitsstärke nutzbar zu machen. Letzteres ist aber nie der Fall, sondern das Verhältnis der nutzbar gemachten zu der theoretischen Arbeitsstärke, d. h. der Wirkungsgrad des Wasserrades, ist immer ein echter Bruch, welcher zwischen 0,3 und 0,8 schwankt.