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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Waukesha; Wausau; Wauters; Wavellīt; Wavertree; Wavre; Wawre; Waxholm; Waxweiler; Weadar; Wealdenformation; Wearmouth

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Waukesha - Wearmouth.

Waukesha (spr. ŭahkischa), Stadt im nordamerikan. Staat Wisconsin, 30 km westlich von Milwaukee, mit Gerichtshof, Gefängnis, Industrieschule für verwahrloste Knaben und (1880) 4613 Einw.

Wausau (spr. ŭahsah), Stadt im nordamerikan. Staat Wisconsin, am obern Wisconsinfluß, mit Sägemühlen, Holzhandel und (1885) 8810 Einw.

Wauters, Emil, belg. Maler, geb. 29. Nov. 1846 zu Brüssel, genoß vier Jahre lang den Unterricht von Portaels, ging dann nach Paris, wo er sich Gérôme anschloß, und von da nach Italien und Deutschland. Nachdem er durch ein Bild: die schöne Edith, den Leichnam Haralds auf dem Schlachtfeld von Hastings findend, die Aufmerksamkeit des Direktors van Soust auf sich gezogen, sandte ihn auf dessen Veranlassung die Regierung zur Eröffnung des Suezkanals nach Ägypten, von wo er eine große Anzahl von Skizzen und eine Reihe von Genrebildern mitbrachte. Seine darauf entstandenen großen Geschichtsbilder: Maria von Burgund, um das Leben ihrer Räte Hugonet und d'Himbercourt flehend; der Wahnsinn des Hugo van der Goes (1871), wurden für das Museum in Lüttich und das königliche Museum in Brüssel angekauft. Im Auftrag der Stadt Brüssel malte er für das Rathaus: Maria von Burgund, die Privilegien der Stadt Brüssel beschwörend (1876). Seine Geschichtsbilder zeichnen sich durch wohl abgerundete Komposition, feine Charakteristik und glänzende Färbung aus. Noch hervorragender ist er im Bildnis, wobei er sich bisweilen, aber in durchaus modern-selbständiger Auffassung, an Velazquez anschließt. Mit feinem Geschmack im Arrangement verbindet er eine Kunst der Charakterisierung, welche das Wesen der Dargestellten völlig zu erschöpfen weiß. W. ist Mitglied der Akademien zu Berlin und München und besitzt die große goldene Medaille der Berliner Ausstellung.

Wavellīt (Lasionit), Mineral aus der Ordnung der Phosphate, dessen kleine, rhombische Kristallnadeln meist in halbkugeligen oder nierenförmigen Zusammenhäufungen in Gesteinsklüften auftreten oder, dieselben ganz erfüllend, Platten mit sternförmig-strahliger Anordnung der Kristalle bilden. Es ist selten rein weiß, meist grau, gelblich bis strohgelb, grünlichgrau bis lichtgrün, selten blau, durchscheinend und glasglänzend. Härte 3,5-4, spez. Gew. 2,3-2,5. W. ist wasserhaltiges Aluminiumphosphat der Formel 2 Al_{2}P_{2}O_{8} + H_{6}Al_{2}O_{6} + 9 H_{2}O. W. kommt nur auf Klüften, insbesondere von Sandstein, Thon- und Kieselschiefer, aber auch von Eisensteinen, Granit, Glimmerschiefer, vor. Ausgezeichnete Fundorte sind: Langenstriegis bei Frankenberg in Sachsen, Cerhovic in Böhmen, Jordansmühl in Schlesien, Amberg in Bayern, Barnstaple in Derbyshire, Steamboat in Pennsylvanien etc.

Wavertree (spr. ŭäwwertrih), Stadt in Lancashire (England), dicht bei Liverpool, mit (1881) 11,157 Ew.

Wavre (spr. wāwr), Stadt in der belg. Provinz Brabant, Arrondissement Nivelles, an der Dyle und der Eisenbahn Löwen-Charleroi, hat eine höhere Knabenschule, Baumwollmanufakturen, Papierfabrikation, Gerberei, Brauerei und (1888) 7432 Einw. Bei W. 18. Juni 1815 siegreiches Gefecht der Preußen unter Thielmann gegen die Franzosen unter Grouchy, wodurch diese verhindert wurden, Napoleon I. bei Waterloo zu Hilfe zu kommen.

Wawre (Wawer), Dorf im russisch-poln. Gouvernement Warschau, an der Weichsel, nördlich von Warschau, historisch merkwürdig durch die Schlacht zwischen den Polen und Russen 19. und 20. Febr. 1831, in welcher namentlich Chlopicki für den Sieg die größten Anstrengungen machte, dem am 31. März 1831 wieder ein Gefecht bei W. folgte, das günstig für die Polen verlief.

Waxholm, Seestadt im schwed. Län Stockholm, auf der Insel Waxö, 1652 angelegt, mit Seebad und (1885) 1540 Einw. Außer den schon von Gustav I. angelegten Befestigungen auf der Insel Wermdö sind neue starke Festungswerke (Oskar Frederiksborg) auf Rindö entstanden.

Waxweiler, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Trier, Kreis Prüm, an der Prüm, hat eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, Gerberei und (1885) 769 Einw. Nahebei viele Säuerlinge.

Weadar (hebr.), s. Adar.

Wealdenformation (Weald, spr. ŭihld, Wälderformation), Zwischenbildung zwischen Jura- und Kreideformation, bald der erstern, bald der letztern zugerechnet, bald in zwei Abteilungen, eine untere jurassische (untere W., Purbeck) und eine obere kretaceïsche (obere, eigentliche W.), zerspalten. Die Bezeichnung stammt von dem »Weald« genannten, früher aus Wald bestehenden, jetzt angebauten Teil der englischen Grafschaften Kent, Surrey und Sussex. Die W. ist auf Südostengland, Nordfrankreich und Nordwestdeutschland beschränkt und besteht in ihrer untern Abteilung in England aus wenig mächtigen Kalken und Mergeln, meist Brackwasser- und Süßwassergebilden mit Gastropoden (Paludina, Planorbis), Pelekypoden (Cyrena, Unio) und Schalenkrebsen (Cypris, vgl. Tafel »Juraformation I«). Eine dünne Zwischenschicht ergab reiche Funde an Beuteltieren; andre Lagen (dirt beds) stellen vorweltliche Dammerde dar, voll von Cykadeen und Koniferen, deren Wurzelstöcke oft noch in dem ursprünglichen Boden eingewurzelt gefunden werden. Mächtiger (bis 500 m) ist der Purbeck in Deutschland, wesentlich eine Brackwasserbildung, aus Mergeln und Kalken bestehend, unter letztern der sogen. Serpulit, der von Röhren der Serpula coacervata ganz erfüllt ist. Gelegentlich kommen Gips- und Steinsalzeinlagerungen vor. Die obere Abteilung der W. besteht aus einem untern Sandstein (Deistersandstein, Hastingssand) und einem obern Thon (Wealdenthon, Wealdclay). In letzterm treten an einigen Punkten Deutschlands Schieferthone und Steinkohlenflöze auf, welche am Teutoburger Wald, am Wesergebirge, am Deister, Süntel und Osterwald abgebaut werden. Die Flora dieser Flöze und der sie begleitenden Schieferthone zeigt fast durchgehends noch jurassische Formen, vorwaltend Farne und Cykadeen, daneben Koniferen von tropischem Typus, während Dikotyledonen fehlen. Der englische Hastingssand umschließt nur vereinzelte Trümmer von Braunkohle, keine eigentlichen Kohlenflöze; dagegen enthält er Fische, Schildkröten, Iguanodon und Hylaeosaurus. In England und in Deutschland machen Thone mit dünnen Lagen eines sandigen Kalksteins, reich an Melana, Cyrenia, Cypris, in England auch an Iguanodonzähnen, den Beschluß der Süß- und Brackwasserbildungen, welchen rein marine Schichten der Kreideformation folgen. Vgl. Dunker und v. Meyer, Monographie der norddeutschen Wealdenbildungen (Braunschw. 1846); Credner, Über die Gliederung der obern Juraformation und der Wealdenbildung im nordwestlichen Deutschland (Prag 1863); Schenk, Die fossile Flora der W. (Kassel 1871); Struckmann, Die Wealdenbildungen der Umgegend von Hannover (Hannov. 1880).

Wearmouth (spr. ŭihrmöth), s. Sunderland.