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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Weaver; Web.; Webb.; Webe; Weben

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Weaver - Weben.

Weaver (spr. uihwer), Fluß in der engl. Grafschaft Cheshire, fließt an Northwich vorbei und ergießt sich in das Mersey-Ästuar.

Web., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für Friedrich Weber, geb. 1752 zu Göttingen, gest. 1823 als Professor der Botanik und Medizin in Kiel (Entomolog und Botaniker).

Webb., bei botan. Namen für P. B. Webb, geb. 1793 zu Milford House in der Grafschaft Surrey, gest. 1854 zu Paris (Flora Spaniens und der Kanarischen Inseln).

Webe, früher beim Leinwandhandel in Hamburg eine Länge von 72 Hamburger Ellen.

Weben (hierzu Doppeltafel »Webstühle«), die Herstellung von Geweben (s. d.), erfolgt auf dem Webstuhl dadurch, daß man diejenigen Fäden, welche die Länge des Gewebes bilden (Kettenfäden), in einer der Breite des Zeugs entsprechenden Zahl als Kette (Zettel, Werft, Schweif, Anschweif) auf eine Länge von etwa 1,5-2,5 m horizontal ausspannt und dann quer hindurch rechtwinkelig zu den Kettenfäden einen andern Faden (Schußfaden, Schuß, Eintrag, Einschlag, Einschuß) in der Art einschießt, daß bei jedem Durchgang ein Teil der Kettenfäden über und der andre Teil unter demselben liegt. Um dies zu erreichen, wird der eine Teil der ausgespannten Kette in die Höhe gehoben, der andre Teil gesenkt und durch den hierdurch entstandenen Raum der Schußfaden vermittelst eines schiffchenartigen Werkzeugs (Schütze, Weberschütze, Weberschiffchen) hindurch gebracht (Einschießen, Eintragen). Der infolge der Kettenteilung gebildete Raum heißt das Fach und besteht aus Oberfach und Unterfach, je nachdem derselbe von den gehobenen oder gesenkten Fäden begrenzt wird. Nach dem Eintragen eines Schußfadens muß dieser mit großer Regelmäßigkeit an den vorhergehenden angeschoben (Schlagen, Anschlagen) und endlich nach und nach das fertige Gewebe aufgewickelt sowie die stetig nachfolgende Kette abgewickelt werden. Wie die schematische Darstellung eines gewöhnlichen Webstuhls (Fig. 1) erkennen läßt, ist die Kette in einem zu dem herzustellenden Zeug ausreichenden Vorrat auf eine Walze A A (Kettenbaum, Garnbaum) aufgewickelt, während das bereits in Gewebe übergeführte Ende an einer zweiten Walze B B (Zeug-, Brust-, Waren-, Leinwandbaum etc.) befestigt wird, so daß durch Drehung des Zeugbaums das Gewebe auf- und die Kette zugleich abgewickelt wird. Um dabei die letztere genügend gespannt zu erhalten, ohne die zur Fachbildung erforderliche Nachgiebigkeit aufzuheben, ist um den Kettenbaum eine mit Gewichten belastete Schnur C zur Bremsung desselben geschlungen (Rutschgewicht). Zum Drehen des Zeugbaums dient entweder nur ein eingesteckter Pflock, der von Zeit zu Zeit vom Weber wie ein Hebel in Bewegung gesetzt wird, oder bei bessern Webstühlen eine nach jedem Einschlagen von dem Webstuhl aus in Thätigkeit tretender Weberegulator. Ein Sperrrad mit Sperrklinke verhindert das Zurückdrehen des Zeugbaums. Der in der Brusthöhe des vor dem Webstuhl sitzenden Webers angebrachte Zeugbaum wird durch das Aufrollen des Gewebes immer dicker und dadurch dem Weber bald so hinderlich, daß man gewöhnlich das Zeug auf einen unten im Webstuhl liegenden Baum (Unterbaum) aufwickelt und den Brustbaum nur zur Führung benutzt (Streichbaum); in gleicher Weise ordnet man auch den Kettenbaum unten im Webstuhl an und führt die Kette ebenfalls über einen Streichbaum.

Zur Auf- und Abbewegung der Kettenfäden zum Zweck der Fachbildung stehen je nach der Kompliziertheit der Gewebe verschiedene Vorrichtungen in Gebrauch. Für glatte und geköperte Gewebe dienen fast ausschließlich Schäfte und Tritte (zusammen Geschirr, Werk genannt). Die Schäfte bestehen aus zwei parallelen Latten E E, zwischen welchen Schnüre (Litzen, Helfen, franz. lisses) gespannt sind, die in der Mitte Schleifen oder kleine Ringe (Maillon, Auge) aus Metall oder Glas besitzen, durch welche die Kettenfäden hindurchgezogen sind. Diese Schäfte hängen vertikal beweglich im Webstuhl, gewöhnlich an Schnüren oder Riemen, welche über die Rollen R R laufen. Unten im Webstuhl liegen sodann die einarmigen Hebel H H (Tritte), welche durch Schnüre mit den Schäften verbunden sind. Indem nun der Weber abwechselnd auf den einen und den andern Hebel tritt, bewegen sich die Schäfte auch abwechselnd auf und ab, nehmen die betreffenden Kettenfäden mit und erzeugen somit das Fach. Zum W. der leinwandartigen Zeuge sind nur zwei Schäfte erforderlich, in welche die Fäden 1, 3, 5, 7, 9 etc. und 2, 4, 6, 8 etc. eingezogen werden; für dreibändigen Köper gebraucht man 3 Schäfte mit 3 Tritten, weil immer ein Drittel der Kette für sich bewegt werden muß, für 4-, 5-, 6bindigen Köper 4, 5, 6 Schäfte mit 4, 5, 6 Tritten etc. (daher 3-, 4-, 5-, 6schäftiger Köper). - Die Weberschütze S ist (Fig. 2 u. 3) ein Behälter aus hartem Holz oder Stahl, der an beiden Enden c c spitz ausläuft, im Innern eine mit Garn bewickelte, auf einer Achse (Seele) drehbare Spule a oder einen zum Aufstecken von Kötzern (s. Spinnen, S. 150) geeigneten Dorn trägt und entweder direkt mit der Hand (Handschütze) oder der sogen. Peitsche (Schnellschütze) abwechselnd links und rechts durch das Fach geschleudert wird, wobei sich der bei b austretende Faden abwickelt. Zur leichtern Bewegung laufen die Schnellschützen häufig auf Rollen d d. Die Peitsche besteht (Fig. 5) aus der Schnur B mit dem Griff H und den zwei Lederstücken T T (Treiber, Vogel) und wird in der Weise gehandhabt, daß der Weber mittels des Handgriffs H abwechselnd den rechten oder linken Treiber gegen die in einen der sogen. Schützenkasten L L fliegende Schütze schnellt, wodurch diese in den Stand gesetzt wird, auch durch sehr breite Gewebe hindurchzufliegen.

Nachdem der Schußfaden eingetragen ist, muß derselbe gerade gestreckt und an den vorhergehenden angeschoben werden. Zu dieser Arbeit dient der Kamm F (Riet, Blatt, Rietblatt), der (Fig. 4) aus zwei parallelen, durch Querhölzer c zu einem Rahmen vereinigten Doppelstäben b b besteht, zwischen welchen in vollständig gleichem Abstand eine entsprechend große Anzahl dünner Stäbchen a (Riete, Rohre, Zähne) aus gespaltenem Rohr oder plattgewalztem Draht befestigt sind, deren Zwischenräume die Kettenfäden aufnehmen. Dieses Blatt bildet zugleich einen wesentlichen Teil R der Lade (Fig. 5), welche aus dem Klotz K (Ladenklotz), den Schwingen S, dem Prügel P zusammengefügt, mittels zweier Spitzen Z, auf dem Webstuhl schwingend aufgehängt ist. Von dem Weber nach vorn bewegt, bewirkt die Lade die richtige Lage des Schußfadens, indem dieser vor dem Rietblatt hergetrieben (geschlagen, angeschlagen) wird. Dabei dient das Rietblatt zugleich zur Führung und Parallelhaltung der Kettenfäden, während der Klotz an seiner obern Fläche (Bahn) eine sichere Unterlage für die durchfliegende Schütze bildet (Schützenbahn). Damit das Gewebe überall gleich breit und ohne Längsfalten ausfällt, wird dasselbe durch besondere Breithalter G G