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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Weber

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Weber (Karl Maria von).

gerichtsrat und Generaladvokat des Kassationshofs zu Darmstadt und 1832 Generalstaatsprokurator. Er starb 12. Sept. 1839 in Kreuznach. Obwohl er schon als Jüngling in der Komposition sowie im Klavier-, Flöten- und Violoncellspiel Hervorragendes leistete, widmete er sich doch später vorwiegend der Musiktheorie und hat sich durch seine Arbeiten auf diesem Gebiet: »Versuch einer geordneten Theorie der Tonsetzkunst« (Mainz 1817; 3. Aufl., das. 1830-32, 2 Bde.), in der »Allgemeinen Musiklehre« (3. Aufl., das. 1831) sowie in der 1824 von ihm begründeten Musikzeitung »Cäcilia« einen geachteten Namen erworben. Unter seinen Kompositionen, welche sich durch Streben nach Einfachheit und ausdrucksvoller Deklamation auszeichnen, befinden sich drei Messen, ein Tedeum (1812), eine Missa funebris, den Manen der Sieger bei Leipzig von 1813 gewidmet, und eine große Zahl ein- und mehrstimmiger Gesänge.

18) Karl Maria Friedrich Ernest von, Komponist, wurde 18. Dez. 1786 zu Eutin in Holstein geboren, wo sein Vater Franz Anton von W. (der Oheim von Mozarts Gattin Konstanze) Musikdirektor war. Bald nach der Geburt Karl Marias legte dieser jedoch seine Stelle nieder, um als Schauspieldirektor die Welt zu durchziehen. 1798, während eines längern Aufenthalts in Salzburg, starb die Mutter des jungen W., die der zarte und kränkliche Knabe über alles geliebt, und nun übernahm eine Schwester des Vaters mit diesem seine Erziehung. Alle schon früher angestellten Bemühungen, den Knaben zu etwas Besonderm in der Kunst heranzubilden, waren erfolglos geblieben, bis er 1796 nach Hildburghausen kam und hier den geregelten Unterricht des Kammermusikus Heuschkel genoß, von welcher Zeit an sich sein Talent in so überraschender Weise entfaltete, daß sich 1797 der Vater entschloß, den Knaben der Leitung des damals hochberühmten Kontrapunktisten Michael Haydn in Salzburg zu übergeben. Da jedoch die Strenge dieses Unterrichts dem ungeduldig strebenden Schüler keineswegs zusagte, so wurde bald darauf der Aufenthalt in Salzburg aufgegeben und nach München übergesiedelt, wo W. vom Hoforganisten Kalcher in der Komposition und von Vallesi (Wallishauser) im Gesang Unterricht erhielt; gleichzeitig beschäftigte er sich auf das eifrigste mit der damals gerade von Senefelder erfundenen Lithographie, um womöglich seine Kompositionen selbst drucken zu können, und da er, früher schon im Zeichnen und Kupferstechen geübt, eine wesentliche Verbesserung dieses Verfahrens entdeckt zu haben glaubte, bestimmte er seinen Vater, mit ihm (1800) nach Freiberg in Sachsen überzusiedeln, wo das hierzu nötige Material bequemer zu beschaffen sein würde. Das Mechanische dieser Beschäftigung wurde ihm indessen bald zuwider; er wendete sich wieder mit allem Eifer der Tonkunst zu und komponierte die Oper »Das Waldmädchen«, welche zuerst 24. Nov. 1800 in Chemnitz, bald darauf in Freiberg zur Aufführung kam, W. aber in einen Federstreit mit der Kritik verwickelte, der ihm den Aufenthalt in Freiberg verleidete. 1801 ging die Familie, um mancherlei geschäftliche Angelegenheiten zu ordnen, wieder nach Salzburg, und hier schrieb W. unter Michael Haydns Augen seine zweite Oper: »Peter Schmoll und seine Nachbarn«. Das nächstfolgende Jahr füllte eine Kunstreise nach Norddeutschland aus. Zu Anfang 1803 begab sich W. nach Augsburg, wo sein »Peter Schmoll« gegeben wurde, und im Juni nach Wien. Hier setzte er seine theoretischen Studien unter des Abts Vogler Anleitung mit Eifer fort, bis er im November 1804 einem Ruf als Theaterkapellmeister nach Breslau folgte. Bald nach seiner Ankunft begann er die Komposition der Oper »Rübezahl«, die aber unvollendet blieb, da ihm die Zeit zu eignen Arbeiten spärlich zugemessen war, er auch in seinem Beruf mit mancherlei Intrigen und Widerwärtigkeiten zu kämpfen hatte. So wurde von dieser Arbeit nichts weiter bekannt als die Ouvertüre, welche in einer später vorgenommenen Umarbeitung unter dem Titel: »Ouvertüre zum Beherrscher der Geister« erschien. Im Mai 1806 verließ W. diesen Wirkungskreis wieder und ging im Herbst als Kapellmeister (mit dem Titel Musikintendant) nach Karlsruhe in Schlesien an den Hof des Prinzen Eugen von Württemberg. Doch auch hier sollte seines Bleibens nicht lange sein, denn der Prinz sah sich infolge der Kriegsereignisse genötigt, im Februar 1807 Theater und Kapelle aufzulösen. W., der sich inzwischen zu einem bedeutenden Klaviervirtuosen herangebildet hatte, versuchte es nun mit einer Kunstreise; da aber auch diese unter den obwaltenden Umständen wenig Ersprießliches bot, nahm er die vom Prinzen Ludwig, dem Bruder Eugens, ihm angetragene Stelle eines Hofsekretärs bereitwillig an. Mit diesem kam er nach Stuttgart und schrieb hier die Oper »Sylvana« (eine Umarbeitung der Oper »Das Waldmädchen«), die Kantate »Der erste Ton« und mehrere Klavier- und Orchesterstücke. In dieser Stellung verblieb W., bis er mit seinem Vater, der, wie es scheint, ohne sein Verschulden des Unterschleifs angeklagt war, im Februar 1810 des Landes verwiesen wurde. Er ging nun zunächst nach Mannheim, dann nach Darmstadt, wo er bei Vogler zum zweitenmal Unterricht nahm (in Gemeinschaft mit Meyerbeer und Gänsbacher), führte 16. Sept. 1810 in Frankfurt a. M. die »Sylvana« und in Darmstadt sein jüngstes Werk, die Operette »Abu Hassan«, auf und unternahm hierauf (1811) eine neue Kunstreise, die ihn zuerst nach Norddeutschland, dann in die Schweiz führte. 1812 kam er wieder nach Deutschland. Ein längerer Aufenthalt in Berlin brachte ihn mit dem Fürsten Radziwill, mit Tiedge, Brentano und dem Zoologen Lichtenstein in engern Verkehr. Im Frühjahr d. J. traf ihn die Kunde von dem in Mannheim erfolgten Dahinscheiden seines Vaters. W. verließ nun Berlin und folgte zunächst einer Einladung des Herzogs von Gotha, ging sodann auf kürzere Zeit nach Weimar, wo er mit Goethe und Wieland persönlich bekannt wurde, trat im Neujahrskonzert 1813 in Leipzig als Komponist und Klavierspieler mit ungemeinem Erfolg auf und schloß für einige Zeit sein Wanderleben, indem er, nach nicht geringen innern Kämpfen, die Leitung der neuorganisierten Oper in Prag übernahm, in welcher Stellung er auch seine materiellen Verhältnisse vollständig regeln zu können hoffte. W. wirkte hier auf das ersprießlichste; in diese Zeit fällt die Komposition von Körners Freiheitsliedern »Leier und Schwert«, das erste Werk, wodurch W. seine Popularität anbahnte. Mißhelligkeiten veranlaßten ihn indessen, schon 1816 aus seinem Prager Wirkungkreis wieder auszuscheiden. Er machte hierauf abermals eine Kunstreise, und während seines Aufenthalts in Berlin kamen die Unterhandlungen zum Abschluß, wonach er zur Gründung einer Deutschen Oper nach Dresden berufen wurde. Am 18. Jan. 1817 trat er diese neue Stellung an und löste die hiermit verbundene, durch die Gegenpartei von der Italienischen Oper, an deren Spitze der Kapellmeister Morlacchi, Polledro und der Kirchenkompositeur Schubert standen, äußerst schwierig gemachte Aufgabe aufs glänzendste, ohne jedoch anfangs an der Stätte seines