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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wechselform - Wechselprozeß.

und verschont dann auch solche Gegenden nicht, wo es sonst ganz unbekannt ist. Es ist zwar keine ansteckende, d. h. von Kranken auf den Gesunden übergehende Krankheit; wohl aber scheint die Disposition dazu eine allgemeine und weder durch Alter noch Geschlecht, auch nicht durch sonstige Körperkonstitution bedingt zu sein. Wahrscheinlich entsteht die Krankheit durch belebte Infektionsstoffe, welche, aus dem Boden stammend und der Luft sich mitteilend, in den menschlichen Körper eindringen. Muß man sich in einer Gegend, wo das W. einheimisch ist, aufhalten, so nehme man soviel wie möglich die Lebensweise der Eingebornen an, trinke an der Weichsel Branntwein, im Banat Slibowitz und in Italien viel Limonade und schwarzen Kaffee, lege des Abends wärmere Kleidung an, schütze sich möglichst vor der Nachtluft, schlafe nie bei offenen Fenstern, vermeide den Aufenthalt in der Nähe von Sümpfen, aber auch alle Diätfehler und sonstigen Exzesse, genieße kein frisches Obst, keine rohe Milch etc., hüte sich vor Durchnässung und Erkältung, bade und schlafe nicht im Freien, besonders nach Sonnenuntergang. Was die Behandlung anbetrifft, so gilt das Chinin als souveränes und geradezu spezifisches Heilmittel. Außerdem bekämpft man das W. mit Arsenik, Salicylsäure, Antifebrin etc. Um Rückfällen sicher vorzubeugen, wechsele man nötigen Falls die Wohnung oder selbst den Aufenthaltsort. Merkwürdig ist, daß die Empfänglichkeit für das W. sich durch wiederholtes Überstehen der Krankheit vermehrt. Wird die Krankheit nicht gründlich geheilt, so verbindet sich mit der zunehmenden Vergrößerung der Milz eine bleibende Funktionsstörung dieses Organs; Schwäche und Blutarmut des Kranken steigern sich; in der Leber und den Nieren entwickeln sich allmählich bleibende Gewebsstörungen; es entsteht Unheilbares Siechtum mit schließlich tödlichem Ausgang (Malariakachexie). Während das gewöhnliche W. eine nicht gerade direkt lebensgefährliche Krankheit ist, kommen in heißen Ländern endemische oder epidemische Formen desselben vor, welche durch besondere Steigerung der Symptome, sei es seitens des Hirns oder des Darmkanals oder der Brustorgane, vielfach den Tod zur Folge haben; diese werden als perniziöses W. bezeichnet.

Wechselform, die förmliche Art und Weise, in welcher eine wechselmäßige Verpflichtung eingegangen wird. Dazu gehört die Herstellung des Wechsels (Kreationsakt) mit allen gesetzlichen Erfordernissen (s. Wechsel) und die Begebung der Wechselurkunde, d. h. die Aushändigung des Wechselbriefs an den Berechtigten seitens des Verpflichteten.

Wechselgetriebe, Mechanismen, mittels deren man bei Rotationsbewegungen Änderungen in der Geschwindigkeit hervorbringt. Sie bestehen aus Reibungs- oder Riemenräderwerken mit veränderlichen Radien. Fig. 1 zeigt ein solches W. mit Reibungsrädern, wie es z. B. in Sägemühlen zur Veränderung des Vorschubes des den zu zersägenden Holzblock gegen die Säge schiebenden Wagens, an Spinnmaschinen etc. gebraucht wird. Die Welle A B trägt ein cylindrisch abgedrehtes Rad T, welches in der Längsrichtung der Welle verschiebbar ist und mit einer bestimmten Kraft gegen die oben abgedrehte Oberfläche eines andern R gedrückt wird, so daß letzteres bei der Drehung von T mit herumgenommen wird, wenn die Welle A B umgedreht wird. Es wird nun hierbei R sich um so geschwinder drehen, je näher man T dem Mittelpunkt von R rückt, und umso langsamer je mehr T sich der Peripherie nähert. Ein sehr gebräuchliches W. mit Riemenrädern zeigt Fig. 2. Dasselbe besteht aus zwei abgestumpften Kegeln K und K¹, die mit ihren Achsen parallel und zwar so gelagert sind, daß das dickste Ende des einen dem dünnsten des andern gegenüberliegt. Über beide Kegel ist ein endloser Riemen gelegt, bei dessen seitlicher Verschiebung die Drehungsverhältnisse der beiden Kegel abgeändert werden. Nimmt man statt der Kegel zwei Reihen schmälerer Riemenscheiben mit nach entgegengesetzter Richtung abnehmendem Durchmesser, so erhält man die zum Betrieb von Drehbänken etc. in außerordentlich verbreitetem Gebrauch stehenden Stufenscheiben.

^[Abb.: Fig. 1. Wechselgetriebe mit Reibungsrädern. Fig. 2. Wechselgetriebe mit konischen Riemenscheiben.]

Wechseljahre, s. v. w. Klimakterische Jahre (s. d.).

Wechselklage, s. Wechsel.

Wechselklausel, s. Wechsel.

Wechselkurs, s. Kurs.

Wechsellagerung, s. Schichtung.

Wechselmakler (Wechselagenten, Wechselsensale), amtlich angestellte und vereidigte Vermittler für Wechselgeschäfte an den Börsen.

Wechselnehmer, s. Wechsel.

Wechselnote (ital. Cambiata, franz. Nota d'appogiature), s. v. w. Vorschlagsnote (Beispiel 1); auch ein Ton, der mit dem in den Akkord gehörigen abwechselt und eine Sekunde unter oder über diesem liegt (Beispiel 2); endlich eine Nebennote, von welcher eine Terz nach unten gesprungen wird (Beispiel 3): Die letztere Art der W. war schon im 16. Jahrh. im Gebrauch; vgl. Durchgangstöne. ^[Abb.: Notenzeile]

Wechselordnung, s. Wechselrecht.

Wechselplatz, Handelsplatz mit regelmäßigem Wechselverkehr, woselbst auch regelmäßige Notierung der Wechselkurse (s. Kurs) stattfindet.

Wechselprotest, s. Wechsel.

Wechselprozeß, das schleunige Verfahren, welches für Klagen aus einem Wechsel (s. d.) geordnet ist. Abweichend von den frühern Normen, kennt die deutsche Zivilprozeßordnung einen besondern W. nicht