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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wechtlin; Weckelsdorf; Weckherlin; Weckholder; Weda

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Wechtlin - Weda.

besonders beliebten Staatspapieren hält, die er zu einem nach dem letzten Börsenkurs sich richtenden Preis verkauft oder, wenn sie ihm angeboten werden, ankauft.

Wechtlin, Johannes, deutscher Maler und Holzschneider, geboren um 1485, wurde 1514 Bürger in Straßburg i. E. und war dort bis um 1520 thätig. Von seinen Gemälden hat sich nichts erhalten. Seine künstlerische Bedeutung liegt in Clairobscur- oder Farbenholzschnitten, deren Technik er in Deutschland am weitesten ausgebildet hat. Sein Stil ist von Dürer und H. Baldung beeinflußt.

Weckelsdorf, Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Braunau, an der Eisenbahnlinie Chotzen-Halbstadt, besteht aus den Gemeinden Ober- und Unter-W. und Markt-W., hat ein Schloß, Weberei, Bleicherei und (1880) 2812 Einw. Dabei interessante Sandsteinfelsengebilde (s. Adersbacher Felsen).

Weckherlin, 1) Georg Rudolf, Dichter, geb. 15. Sept. 1584 zu Stuttgart, studierte in Tübingen die Rechte, machte 1604 Reisen in Deutschland sowie seit 1605 in England und Frankreich und wurde 1610 Sekretär des Herzogs Johann Friedrich von Württemberg in Stuttgart. Als 1620 nach der Katastrophe, welche den Pfalzgrafen Friedrich, Eidam Jakobs I., seines Kurfürstentums verlustig machte, in London zum Zweck der Unterhandlung mit dem Kaiser und den Fürsten in Deutschland eine deutsche Kanzlei errichtet ward, erhielt W. eine Anstellung bei derselben. Seitdem lebte er in angenehmen Verhältnissen in London, von den beiden Königen, denen er diente, Jakob I. und Karl I., vielfach ausgezeichnet und in politischen Angelegenheiten mit wichtigen Missionen nach Schottland, Irland, den Niederlanden, Italien und Spanien etc. betraut. Er starb 1653 in London, nachdem der Dreißigjährige Krieg in der Heimat ihn des väterlichen Erbes und seiner Schriften beraubt hatte. Die letzte (dritte) Ausgabe seiner »Geistlichen und weltlichen Gedichte« hatte er noch selbst veranstaltet (Amsterd. 1648). Weckherlins Dichtungen, deren sämtliche Ausgaben sehr selten geworden, sind besonders darum litterarhistorisch merkwürdig, weil in ihnen eine Anzahl ausländischer, vorzüglich romanischer, Formen zuerst der deutschen Poesie zugeführt erscheinen, und weil sie den Dichter in einer eigentümlichen Stellung zu den metrischen Neuerungen, welche sich während der Zeit seines Schaffens in der deutschen Dichtung vollzogen, zeigen. Bei seinem Auftreten kannte W. noch kein höheres Gesetz für den deutschen Versbau als das der Silbenzählung, bei welchem er auch, als Opitz mit seinen reformatorischen Bestrebungen schon fast allgemein durchgedrungen war, in der Theorie wenigstens hartnäckig beharrte. Seine Poesien stellen daher namentlich in früherer Zeit ein interessantes Ringen des meist körnigen, tüchtigen poetischen Geistes mit der harten und Ungelenken Form dar. Die Mehrzahl derselben besteht aus lyrischen Stücken, darunter eine Anzahl von bearbeiteten Psalmen, Oden, Sonetten, Trink- und Liebesliedern, welch letztere verhältnismäßig am besten den lyrischen Ton treffen. Unter seinen zu jener Zeit sehr beliebten Preisgedichten auf historische Personen erwarb ihm ein Poem in Alexandrinern auf Gustav Adolfs Tod besondern Beifall. Auch einige Schriften in Prosa hat W. verfaßt. Sie stammen aus seiner Stuttgarter Zeit und geben Schilderungen verschiedener Hoffeste, die zur Feier fürstlicher Familienereignisse veranstaltet waren. Eine Auswahl von Weckherlins Gedichten gab Gödeke heraus (Leipz. 1873, mit Biographie). Vgl. Conz, Nachrichten von dem Leben und den Schriften Weckherlins (Ludwigsb. 1802); Höpfner, Weckherlins Oden und Gesänge (Berl. 1865).

2) August von, Landwirt, geb. 1794 zu Stuttgart, erlernte die Landwirtschaft in Hofwyl, wurde 1817 Administrator der württembergischen Domänen, 1837 Direktor der land- und forstwirtschaftlichen Lehranstalt zu Hohenheim, war von 1844 bis zum Anfall der hohenzollerischen Fürstentümer an Preußen Vorstand der Domänendirektion zu Sigmaringen und starb 18. Dez. 1868 in Stuttgart. W. erwarb sich um die Landwirtschaft vielfache Verdienste durch Einführung der mehrjährigen Kleegrasschläge in die Fruchtwechselwirtschaft, durch seine Bemühungen um Verbesserung des Pflugs, durch die Hebung der Viehzucht etc. Er schrieb: »Rindviehzucht Württembergs« (Stuttg. 1839); »Über englische Landwirtschaft« (3. Aufl., das. 1852) und »Die landwirtschaftliche Tierproduktion« (4. Aufl., das. 1865, 3 Bde.).

Weckholder, s. Wacholder.

Weda, bei den Indern der älteste Teil ihrer Litteratur, welcher sich sowohl durch den Inhalt als auch durch die Sprache nicht unwesentlich von der spätern Sanskritlitteratur unterscheidet. Der W. (»Wissenschaft«) liegt uns in den drei Stufen: Mantra (Gottesdienst), Brâhmana (Theologie) und Sûtra (eigentlich Faden, Band) vor, die den vier Teilen des W.: Rik, Sâman, Jadschus, Atharwan in gleicher Weise gemeinsam sind. Das Mantra, auch Samhitâ (»Sammlung«) genannt, der älteste Teil, enthält Hymnen und Sprüche, mit und ohne Beziehung auf rituelle Vorgänge, zum Teil in sehr alte Zeiten hinaufreichend. Die Brâhmana haben die Verbindung der Opferlieder mit der Opferhandlung zum Zweck, indem sie entweder das Lied oder den Spruch analysieren, oder diese Verbindung traditionell oder spekulativ begründen; sie sind für uns die älteste Quelle für Ritualvorschriften, sprachliche Erklärungen, Legenden und dogmatische Anschauungen. Sie gehören der Übergangsperiode aus der wedischen in die brahmanische Lebensauffassung an und reflektierten ursprünglich die Ansichten verschiedener Schulen; indessen haben sich im Kampf ums Dasein nur die Brâhmana der Schulen erhalten, die jedesmal mit ihrer Auffassung herrschend blieben. Die ersten Versuche philosophischer Systematisierung finden sich in den Teilen der Brâhmana, die den speziellen Namen Upanischad führen. Die Brâhmana-Litteratur heißt auch Çruti (»Gehör«), d. h. was Gegenstand des Vortrags, der Lehre ist. Die Sûtra endlich fassen die rituellen, exegetischen und traditionellen Ausführungen der Brâhmana, die sich in diesen immer nur auf einzelne Fälle beziehen, in ihrer Totalität systematisch zusammen und streben im Ausdruck nach äußerster, oft bis zur Dunkelheit gehender Knappheit. Man unterscheidet: Kalpa-Sûtra oder Çrauta-Sûtra, die nur das Opferritual behandeln; Grihja-Sûtra, welche die häuslichen Zeremonien bei Geburt, Hochzeit, Tod zum Gegenstand haben und auch die Anfänge indischer Rechtslitteratur enthalten; Prâtiçâkhja-Sûtra, die sich mit der Rezitation der Lieder und der Aussprache der Worte beschäftigen. An sie schließen sich eine Anzahl ähnlicher Erklärungsschriften an, wie die Anukramanî, Verzeichnisse von Dichtern, Metren und Gottheiten der einzelnen Lieder, die Itihâsa und Purâna mit Sagen über die Entstehung von Kultusformen, die Nighantu (Erklärungen schwieriger Wörter) und Nirukti (Auslegung), ein Kommentar dazu von Jâska, die älteste grammatische Arbeit.

Die Samhitâ des Rigweda enthält den Lieder-^[folgende Seite]