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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wedd.; Wedda; Weddell; Weddeschat; Wedekind; Wedel; Wedel-Jarlsberg

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Wedd. - Wedel-Jarlsberg.

Diese Einsicht zu verleihen, ist der Zweck des Wedântasystems, und es erreicht denselben, indem es (monistisch) das wahrhaft Seiende für ein einziges und unveränderliches Wesen, dagegen die Vielheit und Mannigfaltigkeit jeder Art (idealistisch) für bloßen (trügerischen) Schein, also auch die Verschiedenheit des Einzelnen vom Urwesen sowie dessen Selbständigkeitsexistenz als Individuum für eine scheinbare (erträumte; »Traum der Maja«) ansehen lehrt. »Ich bin tât (das)« ist das Resultat des Denkens; der Weise vereinigt sich mit dem Urwesen Brâhma, ist keiner Seelenwanderung unterworfen und kehrt nach dem (irdischen) Tod unmittelbar in Brâhmas Schoß zurück. Seinem Ursprung nach ist das W. jünger als die Sânkh'yas und schließt sich an die jüngern Erzeugnisse der Wedenlitteratur, die Upanischads, an; dargestellt ist es am bündigsten in dem Brâhma-Sûtra, und der Philosoph Sankarâdschârya im 7. und 8. Jahrh. n. Chr., der Begründer der »Advaita« (s. d.) genannten Sekte, gehört seiner Schule an. Vgl. Indische Religion und Philosophie.

Wedd., bei botan. Namen Abkürzung für H. A. Weddell (s. d.).

Wedda (Vedda, Beda), die ziemlich unvermischten Reste der drawidischen Urbevölkerung von Ceylon, welche in den Waldregionen des sogen. Weddaratta, im O. Ceylons, östlich von der Mahavali Ganga, namentlich aber in den Distrikten Batticaloa und Badulla sowie in dem Distrikt von Nilgala und den Wäldern von Bintenne wohnen.

Weddell, Hugh Algernon, Botaniker, geb. 22. Juni 1819 zu Dorchester in Südengland, von wo seine Eltern nach Boulogne sur Mer übersiedelten, studierte Medizin in Paris, wandte sich dann aber der Botanik zu und ging 1843 als Arzt und Botaniker mit der französischen Expedition des Grafen Castelnau nach Brasilien, trennte sich jedoch nach einiger Zeit von derselben, durchreiste dann allein die westlichen Gegenden Brasiliens und widmete in der Umgebung des Titicacasees den Chinarindenbäumen eine besonders eingehende Untersuchung. Nachdem er 1847 Arequipa am Stillen Ozean erreicht hatte, ging er nochmals über die Kordilleren ins Innere nach La Paz zurück. Eine Frucht dieser Reisen war die Entdeckung der Cinchona Calisaya, welche die bis auf die neueste Zeit am höchsten geschätzte Fieberrinde liefert. Nach seiner Heimkehr schrieb W. »Histoire naturelle des Quinquinas« (Par. 1849; deutsch, Wien 1865), das erste eigentlich wissenschaftliche Werk über die Cinchonen und ihre Rinden. Einige Pflänzchen der Calisaya, in Paris aus Samen gezogen, welchen W. mitgebracht hatte, wurden 1851 nach Java gesandt. Mittlerweile hatte W. am Pariser Museum Stellung gefunden; er bearbeitete die Ausbeute seiner Reise in der »Chloris andina« (Par. 1855-64, 2 Bde.) und einer Monographie der Urtikaceen (das. 1856). 1856 bereiste er die Pyrenäen, deren Flechtenflora er mit Nylander durchforschte, und 1861 siedelte er nach Poitiers über. Die inzwischen in Indien durchgeführte Kultur der Chinabäume veranlaßte W. 1870, eine Übersicht der darauf bezüglichen Resultate seiner Forschungen in den »Notes sur les Quinquinas« (deutsch von Flückiger, Basel 1870: engl. von Markham) zusammenzustellen. Im deutsch-französischen Krieg nahm W. als Arzt und Soldat teil an der Landesverteidigung und legte dadurch den Keim zu der Herzkrankheit, welcher er 1877 erlegen ist.

Weddeschat, s. Satzung.

Wedekind, 1) Anton Christian, verdienter Geschichtsforscher, geb. 14. Mai 1763 zu Visselhövede in Hannover, studierte zu Helmstädt und Göttingen die Rechte, ward dann Advokat in Hannover, 1793 Amtsschreiber in Lüneburg, unter der französischen Herrschaft Präfekturrat des Departements der Elbmündungen und Unterpräfekt des Bezirks Lüneburg, 1815 Amtmann daselbst, verwaltete von 1816 bis 1820 die Schulanstalt im Michaeliskloster (die nachmalige Ritterakademie) daselbst und ward 1831 Oberamtmann an dieser Anstalt. Er starb hier 14. März 1845. Seine litterarische Thätigkeit wurde vornehmlich durch die ihm übertragene Anordnung des reichhaltigen Klosterarchivs seit 1797 geweckt und genährt. Er veröffentlichte unter anderm: »Welthistorische Erinnerungsblätter« (2. Aufl., Lüneb. 1845); »Handbuch der Welt- und Völkergeschichte« (das. 1814, 2. Aufl. 1824); »Chronologisches Handbuch der neuern Geschichte« (das. 1816, 2 Bde.), welches den Zeitraum von 1740 bis 1816 umfaßt, und »Noten zu einigen Geschichtschreibern des deutschen Mittelalters« (Hamb. 1821-37, 3 Bde.). W. gründete auch eine Preisstiftung, welche unter der Verwaltung der königlichen Societät der Wissenschaften in Göttingen von 10 zu 10 Jahren drei Preise, jeden von 1000. Thlr. in Gold, für die besten Bearbeitungen von Gegenständen der deutschen Geschichte verteilen soll.

2) Georg Wilhelm, Freiherr von, Forstmann, geb. 28. Juli 1796 zu Straßburg, studierte seit 1812 in Göttingen und Dreißigacker, wurde 1816 Mitglied des Oberforstkollegiums, 1821 Oberforstrat in Darmstadt, trat 1852 in den Ruhestand und starb 22. Jan. 1856 in Darmstadt. Er schrieb: »Versuch einer Forstverfassung im Geiste der Zeit« (Leipz. 1821); »Anleitung zur Forstverwaltung« (Darmst. 1831); »Anleitung zur Betriebsregulierung etc. der Forste« (das. 1834); »Die Fachwerksmethoden« (Frankf. 1843); »Encyklopädie der Forstwissenschaft« (Stuttg. 1848). Auch gab er die »Beiträge zur Kenntnis des Forstwesens in Deutschland« (mit Laurop, Leipz. 1819-1821), die »Allgemeine Forst- und Jagdzeitung« (Frankf. 1847-55) und die »Neuen Jahrbücher der Forstkunde« (Mainz 1828-37 u. 1850) heraus.

Wedel, der Schwanz des Elch-, Rot- und Damwildes. Das hinterste Ziemer (Rückenstück), an welchem man den W. beläßt, heißt Wedelziemer. In der Botanik (Frons) die Blätter der Farne, Cykadeen und Palmen.

Wedel, Stadt in der preuß. Provinz Schleswig Holstein, Kreis Pinneberg, an der Wedeler Au und der Linie Altona-W. der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, Schiffahrt und (1885) 1871 Einw. In der Nähe die Pulverfabrik Tinsdel.

Wedel-Jarlsberg, Johann Kaspar Hermann, Graf von, Statthalter von Norwegen, geb. 21. Sept. 1779 zu Montpellier als der älteste Sohn des dänischen Ministers Anton, Grafen von W., der damals den Gesandtschaftsposten am Londoner Hof bekleidete, ward in England erzogen, studierte in Kopenhagen die Rechte und Staatswissenschaften, daneben Philologie, trat 1800 in dänische Dienste und wurde Amtmann in Buskerud bei Drammen. Nach dem Tod seines Vaters erbte er die Grafschaft Jarlsberg am Meerbusen von Christiania. Im Krieg mit Schweden 1808-1809 bildete und führte er ein eignes Freikorps. Als der Kieler Friede 1814 Norwegen von Dänemark trennte, erklärte er sich als Mitglied des ersten außerordentlichen Storthings in Christiania für eine Vereinigung mit Schweden und ward, nachdem dieselbe zu stande gekommen, vom König zum norwegischen Staatsrat und Chef des Finanz-, Handels- und Zolldepartements ernannt. 1822 wegen