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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Weiße; Weiße Frau

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Weiße - Weiße Frau.

burg waren die Tragödien: »Crispus«, »Mustapha und Zeangir«, »Rosamunde«, die Lustspiele: »Die Haushälterin«, »Der Mißtrauische gegen sich selbst« und die »Neue Weiberschule« sowie eine Übersetzung des Tyrtäos und die »Amazonenlieder« (1760) entstanden. Nach Antritt seines Steueramtes verfaßte W. noch eine Reihe von Tragödien und Komödien und die von Hiller komponierten Singspiele: »Lottchen am Hof«, »Die Jagd«, »Die Liebe auf dem Land« und »Der Erntekranz«. Für sein eignes Haus hatte er seit 1765 »Lieder für Kinder« gedichtet, die ungemeinen Beifall fanden. In gleichem Maß ward solcher der pädagogischen Zeitschrift Weißes: »Der Kinderfreund« (1776-82, 4 Bde.) zu teil, welcher sich der »Briefwechsel der Familie des Kinderfreunds« (1783-92, 12 Bde.) anschloß. Diese letztern Veröffentlichungen steigerten Weißes Popularität zu einer seltenen Höhe, ähnlich der frühern Gellerts; sie riefen einen massenhaften Briefwechsel nach allen Gegenden Deutschlands hervor, den W., in pädagogischen Angelegenheiten um Rat angegangen, mit unablässigem Eifer führte. Seit 1790 wohnte er auf dem ihm als Erbteil zugefallenen Rittergut Stötteritz. Er starb 16. Dez. 1804. Weißes vielseitige schriftstellerische Thätigkeit war an sich in keiner Weise bedeutend, hat aber mittelbar, besonders auf dem dramatischen Gebiet, einen erheblichen und zum Teil wohlthätigen Einfluß ausgeübt. Freilich kam er als Dramatiker nur wenige Schritte über die nüchterne Nachahmung der französischen Korrektheit und Rhetorik hinaus; aber selbst Lessing, welcher in der »Dramaturgie« den beschränkten Standpunkt und die Äußerlichkeit Weißes energisch betonte, mochte ihm nicht alles Verdienst um die Hebung der deutschen Bühne absprechen. Weißes Lyrik ist bei aller Gewandtheit trivial, am meisten die einst hoch gerühmten »Kinderlieder«, deren Altklugheit mit echter Kinderpoesie auch nicht einen Blutstropfen gemein hat. Minder verfehlt sind die sonstigen pädagogischen Schriften des Dichters, und nicht ohne Grund hat Weißes »Kinderfreund« sowie dessen Fortsetzung lange Zeit hindurch sich populär erhalten. Seine »Selbstbiographie« erschien Leipzig 1807. Vgl. Iphofen, Lebensgeschichte Chr. Fel. Weißes (Freiberg 1806); Minor, Chr. F. W. und seine Beziehungen zur deutschen Litteratur des 18. Jahrhunderts (Innsbr. 1880).

2) Christian Ernst, Rechtslehrer, Sohn des vorigen, geb. 19. Nov. 1766 zu Leipzig, studierte daselbst und in Göttingen die Rechte, habilitierte sich 1788 an ersterer Universität, machte sich dann 1790-92 in Wetzlar, Regensburg und Wien mit dem praktischen Staatsrecht vertraut, wurde 1796 Professor der Rechte in seiner Vaterstadt, 1800 zugleich Oberhofgerichtsassessor, 1805 Professor des Lehnrechts, 1809 Beisitzer der Juristenfakultät und 1813 Professor des Kriminalrechts. Er starb 6. Sept. 1832 in Stötteritz. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben: »Geschichte der kursächsischen Staaten« (Leipz. 1802-12, 7 Bde.; Bd. 5-7 auch u. d. T.: »Neueste Geschichte des Königreichs Sachsen seit dem Prager Frieden«); »Lehrbuch des sächsischen Staatsrechts« (das. 1824-27, 2 Bde.). Auch redigierte er das »Museum für die sächsische Geschichte, Litteratur und Staatskunde« (Leipz. 1794-96, 3 Bde.), fortgesetzt als »Neues Museum für die sächsische Litteratur und Statistik« (1800-1807, 4 Bde.).

3) Christian Hermann, Philosoph, Sohn des vorigen, geb. 10. Aug. 1801 zu Leipzig, studierte daselbst, schloß sich der Hegelschen Philosophie an, welche er später mit dem theistischen Element der Schellingschen positiven Philosophie versetzte, wurde mit I. H. ^[Immanuel Hermann] Fichte (s. d. 2) einer der Gründer der neuen Theistenschule, 1846 ordentlicher Professor der Philosophie an der Universität seiner Vaterstadt, wo er 19. Sept. 1866 starb. Seine sehr zahlreichen Arbeiten erstreckten sich vornehmlich auf das ästhetische und religionsphilosophische, die spätesten auch auf das Gebiet der Evangelienkritik. Zu den erstern gehören sein der (dialektischen) Form nach streng im Hegelschen Geist entwickeltes, dem (theistisch gefärbten) Inhalt nach, von demselben sich losmachendes »System der Ästhetik als Wissenschaft von der Idee der Schönheit« (Leipz. 1830, 2 Bde.; das 1872 von Seydel unter demselben Titel herausgegebene Buch enthält Weißes letzte Kollegienhefte) und die nach seinem Tod von R. Seydel gesammelten, teilweise höchst geistreichen »Kleinen Schriften zur Ästhetik« (das. 1867) sowie die »Kritik und Erläuterung des Goetheschen Faust« (das. 1837). Seine religionsphilosophischen Ideen entwickelte W. in den Schriften: »Die Idee der Gottheit« (Dresd. 1833); »Die philosophische Geheimlehre von der Unsterblichkeit des menschlichen Individuums« (das. 1834); »Theodicee« (das. 1834); »Von der Auferstehung« (das. 1836); »Grundzüge der Metaphysik« (Hamb. 1835); »Die evangelische Geschichte, kritisch und philosophisch bearbeitet« (Leipz. 1838, 2 Bde.); »Über die Zukunft der evangelischen Kirche« (das. 1849, anonym); »Die Christologie Luthers« (das. 1852); »Philosophische Dogmatik oder Philosophie des Christentums« (das. 1855-62, 3 Bde.); »Die Evangelienfrage« (das. 1856) und »Psychologie und Unsterblichkeitslehre« (hrsg. von Seydel, das. 1869). Vgl. Seydel, Christ. Herm. W. (Leipz. 1866).

Weiße Frau, ein Gespenst, das nach der Volkssage in mehreren fürstlichen Schlössern Deutschlands, wie zu Berlin, Neuhaus in Böhmen, Ansbach, Baireuth, Kleve, Darmstadt, Altenburg etc., auch in London, Kopenhagen, Stockholm bei freudigen und traurigen Begebenheiten bei Nacht, oft aber auch mittags erscheinen und dadurch namentlich den Tod von Mitgliedern des Regentenhauses anzeigen soll. Sie gilt als Ahnmutter des Geschlechts, zeigt sich immer weiß gekleidet, mit verbundenem Untergesicht, wehendem Schleier, einem Schlüsselbund an der Seite und, wenn sie einen Todesfall anzeigt, mit schwarzen Handschuhen. Als geschichtliche Person, welche in der weißen Frau erscheint, gibt die Sage bald Bertha von Rosenberg, die Ahnfrau der Herren von Neuhaus und Rosenberg in Böhmen, welche im 15. Jahrh. lebte, bald die schuldbeladene Gräfin Agnes von Orlamünde, welche, um den Burggrafen Albrecht heiraten zu können, ihre zwei Kinder ermordet haben sollte, bald die bulgarische Prinzessin Kunigunde, welche erst mit Ottokar II. von Böhmen, dann mit einem Rosenberg vermählt war, bald eine Kurfürstin von Brandenburg an, welche, als ihr Gemahl ohne Absolution die Welt verließ, Skrupel wegen seines Seelenheils hatte und Gott bat, er möge gestatten, daß sie ihren Enkeln durch ihr Erscheinen den Tod verkünde. Zuerst soll sie 1486 auf der Plassenburg in Franken erschienen sein, in Baireuth 1677 und Napoleon I. 1812. Im Berliner Schloß will man sie 1598, 1619, 1667, 1688 und noch 1840 und 1850 gesehen haben. Vgl. Minutoli, Die w. F. (Berl. 1850); Kraussold, Die w. F. und der Orlamünder Kindermord (Erlang. 1866); Schrammen, Die Schicksals- oder Totenfrau im Haus der Hohenzollern (Köln 1888). Die Volkssage kennt aber auch noch andre weiße Frauen, die in Burgen und Bergen gewöhnlich als verwünschte Jungfrauen wohnen, sich zuweilen bei Sonnenschein