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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wetter (Ursachen des Witterungswechsels).

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Wetter'

einem Ort stattfindenden Charakter des Wetters (Witterungscharakter). Um den Zusammenhang zwischen der Windrichtung und den übrigen meteorologischen Elementen eines Orts aufzufinden, stellt man aus den Beobachtungen für einen bestimmten Zeitabschnitt, z. B. für einen Monat, die Werte zusammen, welche die Temperatur, die atmosphärische Feuchtigkeit, der Luftdruck, die Bewölkung, die Regenmenge etc. bei den verschiedenen Windrichtungen erhalten. Die Mittel aus denjenigen Werten, welche derselben Windrichtung entsprechen, ergeben Zahlen, durch welche die durchschnittliche Größe der verschiedenen meteorologischen Elemente bei den verschiedenen Winden bestimmt sind. Durch derartige Betrachtungen ist ein Ausdruck für den Witterungscharakter gewonnen, welcher den verschiedenen Winden an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Jahreszeit zukommt. Die so gefundenen Zahlenresultate, welche man auch graphisch darzustellen pflegt, nennt man Windrosen und zwar barometrische, thermometrische, gewöhnliche etc., je nachdem sie für die einzelnen Windrichtungen den mittlern Barometerstand, die Mitteltemperatur, die Häufigkeit ihres Auftretens etc. angeben.

Im allgemeinen ergibt sich als Resultat dieser Untersuchungen, daß, wenn größere Teile der Erdoberfläche betrachtet werden, die Winde, welche von der Äquatorseite (auf der nördlichen Halbkugel also von der Südseite, auf der südlichen von der Nordseite) herkommen, sich durch hohe Temperatur, großen Feuchtigkeitsgehalt, starke Bewölkung, häufige Niederschläge und niedrigen Luftdruck auszeichnen, während die Winde, welche von der Polarseite (auf der nördlichen Halbkugel also von der Nordseite etc.) kommen, durch niedrige Temperaturen, geringen Feuchtigkeitsgehalt, klaren Himmel, seltene Niederschläge und hohen Luftdruck charakterisiert sind. Hierzu kommt noch der verschiedenartige Einfluß von Land und Wasser, welcher zur Folge hat, daß die Luftströme mehr Feuchtigkeit enthalten und sowohl häufigere als auch stärkere Niederschläge bewirken, wenn sie über größere Meere geweht haben (Seewinde), dagegen geringere Feuchtigkeit besitzen und daher auch weniger Niederschläge verursachen, wenn sie als Landwinde auftreten. In Bezug auf die Temperatur werden die Landwinde wegen der verschiedenen Wärmekapazität von Land und Wasser im Sommer wärmer und im Winter kälter als die Seewinde sein. Die wärmsten, dunstreichsten und Wolken und Regen erzeugenden Luftströme, welche von niedrigem Luftdruck begleitet werden, kommen wegen der angegebenen Eigenschaften der Winde und des verschiedenen Einflusses von Land und Wasser auf der nördlichen Halbkugel an den Westküsten der Kontinente, namentlich in Europa, als äquatoriale Seewinde aus SW. und an den Ostküsten aus SO., während die kältesten, trockensten und regenärmsten Luftströme mit meist heiterm Himmel, welche vom höchsten Luftdruck begleitet werden, polare Landwinde sind und daher an den Westküsten der Kontinente aus NO. und an den Ostküsten aus NW. wehen. Die Windrichtungen, welche in Bezug auf Temperatur, Feuchtigkeit, Luftdruck und Niederschlag die größten Gegensätze darbieten, sind hiernach auf der nördlichen Halbkugel an den Westküsten der Festländer die südwestlichen und nordöstlichen und an den Ostküsten die südöstlichen und nordwestlichen. Dies gilt besonders vom Winter, während im Sommer für die Temperatur die schon oben erwähnte Abweichung eintritt, daß die vom Land herkommenden Winde durchgängig die ↔ wärmsten sind. Die Veränderungen des Wetters (Witterungswechsel) haben ihre hauptsächlichen Ursachen in den Veränderungen des Luftdrucks und in dem Entstehen und Fortschreiten der sogen. barometrischen Minima oder Wirbel (s. Wind). Legt man durch das Zentrum eines in unsern Gegenden meistens in östlicher Richtung fortschreitenden Minimums (s. unten) eine Linie von SSW. nach NNO., so wird diese den Wirbel in zwei Hälften teilen, von denen die zur Rechten gelegene die Vorderseite des Wirbels (da der Wirbel sich nach O. hin bewegt) und die zur Linken die Rückseite desselben bildet. Auf der Vorderseite wehen (in Europa) die aus südlichern Gegenden herkommenden Winde und zwar auf der nördlichen Hälfte aus O. durch SO. bis S. und auf der südlichen Hälfte aus S. durch SW. bis W.; auf der Rückseite des Wirbels wehen dagegen die aus nördlichern Gegenden herstammenden Winde und zwar auf der nördlichen Hälfte aus O. durch NO. bis N. und auf der südlichen Hälfte aus N. durch NW. bis W. Diesen Windrichtungen entsprechend ist das W. auf der Vorderseite und Rückseite eines Wirbels gerade entgegengesetzt. Auf der erstern bringen die aus südlichern Gegenden kommenden Winde warme und feuchte Luft mit sich, die ihrer größern Leichtigkeit wegen die Neigung hat, nach obenhin abzufließen. Nachdem sie auf ihrem Weg nach nördlichern Gegenden bereits eine Abkühlung erfahren hat, wird diese durch die beim Aufsteigen der Luft erfolgte Ausdehnung noch vermehrt, und daher werdende Wasserdämpfe Wolken und Niederschläge zu bilden anfangen. Die bei der Kondensation der Wasserdämpfe frei werdende Wärme macht die ganze in die Höhe steigende Luftsäule leichter, wodurch der aufsteigende Luftstrom verstärkt und ein Fallen des Barometers verursacht wird. Umgekehrt verhält es sich auf der Rückseite eines Wirbels. Hier kommen die Winde aus nördlichern Gegenden und führen kalte und trockne Luft mit sich, die sich auf ihrem Weg nach südlichern Gegenden erwärmt und deshalb mehr Wasserdampf aufzunehmen im stande ist, wodurch Wolkenbildung und Niederschläge ausgeschlossen sind. Diese kalte und trockne Luft bildet keinen aufsteigenden Luftstrom, sondern führt die Luft dem in der Nähe des Wirbelzentrums befindlichen luftverdünnten Raum zu und bewirkt dadurch ein Steigen des Barometers. Da das Barometer auf der Vorderseite des Wirbels fällt und auf der Rückseite steigt, wird eine Fortbewegung des barometrischen Minimums (Zentrum des Wirbels) die Folge sein und zwar nach der Richtung hin, in welcher das Barometer am schnellsten gefallen ist. Daher ist die seitliche Bewegung des barometrischen Minimums keine wirkliche, sondern nur eine scheinbare, bei welcher sich dieses Minimum immer an aufeinander folgenden Stellen der Atmosphäre bildet und sein Fortschreiten daher mit der Bewegung einer Wasserwelle verglichen werden kann. Im allgemeinen wird also das W. auf der Rückseite des Wirbels, nachdem der Wind nach nördlichen Richtungen herumgegangen ist, klarer und der Niederschlag schwächer werden, während es auf der Vorderseite bei Winden aus südlichern Richtungen trüber und der Niederschlag stärker wird. Daher wird ein Umschlag im W. eintreten, wenn das Zentrum eines atmosphärischen Wirbels am Beobachtungsort selbst oder in größerer Nähe desselben vorübergeht. Trübe Witterung hört auf, wenn über den Beobachtungsort, welcher früher bei niedrigern Barometerstand den Einflüssen der Vorderseite des Wirbels unterworfen war, das Wirbelzentrum herübergeht und er bei höherm

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 568.