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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wickrath; Wiclif; Wid; Widafinken; Widar; Widder; Widderpunkt; Widderschiff; Widdīn

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Wickrath - Widdin.

Gabriotto und Reinhard«, worin zwei edle Liebespaare an dem Unterschied ihres Standes zu Grunde gehen; der »Knabenspiegel« (Straßb. 1554); die »Geschichte des verlornen, aber reuig wiederkehrenden Sohns«; der »Irrereitende Pilger« (das. 1556); »Von guten und bösen Nachbauern« (das. 1556), eine alltägliche Familiengeschichte, ohne innere Konflikte, nur mit äußern Gefahren, die glücklich überwunden werden. Auch die anonym erschienene Geschichte vom »Ritter Galay aus Schottland« (Straßb. 1539 u. öfter) gilt neuerdings für ein Werk Wickrams. Noch hat er ein Fastnachtsspiel: »Der treue Eckart« (1538), und ein Schauspiel: »Tobias« (Straßb. 1551), verfaßt und ältere Schauspiele für die Fastnachtslustbarkeiten neu bearbeitet. Vgl. Stöber, Jörg W., Volksschriftsteller etc. (Mülhaus. 1866); Scherer, Die Anfänge des deutschen Prosaromans und Jörg W. (Straßb. 1877).

Wickrath, Flecken im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Grevenbroich, an der Niers und der Linie Aachen-Neuß der Preußischen Staatsbahn, 73 m ü. M., hat eine kath. Kirche, ein Landgestüt, Baumwoll- und Leinweberei, Färberei, Gerberei und (1885) 5188 Einw.

Wiclif (Wicliffe, Wiclef, Wycliff, spr. ŭícklĭf), John, engl. Kirchenreformator, genannt Doctor evangelicus, geboren spätestens 1330 zu Spreswell in Yorkshire, erscheint 1361 als Vorstand des Balliol College zu Oxford; während er hier als Doktor der Theologie das Recht hatte, theologische Vorlesungen zu halten, übernahm er ein geistliches Amt zuerst 1361 zu Fillingham in Lincolnshire, 1368 zu Ludgershall in Buckinghamshire und 1374 zu Lutterworth in Leicester. Im gleichen Jahr sandte ihn der König mit andern nach Brügge, um dort mit dem päpstlichen Nunzius wegen der Beschwerden zu unterhandeln, die gegen den päpstlichen Stuhl rücksichtlich der seitens der Kurie von der Besetzung kirchlicher Ämter in England bezogenen Provisionen erhoben worden waren. Nicht minder groß ist sein Einfluß auf die Zusammenstellung aller kirchlichen Beschwerden gewesen, welche 1376 das »gute Parlament« vorzutragen hatte. Ein deshalb vom Papst 1377 gegen ihn eingeleiteter Prozeß verlief bei dem großen Ansehen, welches W. an der Universität und im Volke genoß, 1378 im Sande. Dadurch kühn gemacht, erklärte sich W. von nun an offen nicht bloß gegen den politischen Einfluß des Klerus überhaupt, sondern bekämpfte auch das päpstliche »Antichristentum«, mißbilligte Bilder-, Heiligen-, Reliquiendienst und das Priestercölibat, verwarf die Transsubstantiationslehre und die Ohrenbeichte und verbreitete durch von ihm gebildete Reiseprediger evangelische Grundsätze im Volk. Dafür setzten die Bettelmönche im Verein mit der Hierarchie 1381 die Verwerfung seiner Lehre durch die Universität und durch eine 1382 zu London tagende Synode durch. W. aber führte trotzdem sein Pfarramt ruhig fort und vollendete seine früher begonnene Übersetzung der Bibel aus der Vulgata in die Landessprache. Er starb 31. Dez. 1384. Das Konzil zu Konstanz erklärte ihn 4. Mai 1415 für einen Ketzer, verdammte 45 Artikel von ihm und befahl, seine Gebeine zu verbrennen, was 1428 geschah. Gleichzeitig suchte man die Wiclifiten, die man als Lollharden (s. d.) brandmarkte, durch Feuer und Schwert auszurotten; aber in einzelnen Familien erhielten sich Wiclifs Ansichten bis zur Reformation. Auch in Deutschland und Böhmen verbreiteten sie sich durch Huß und Hieronymus von Prag. Von den gedruckten unter seinen zahlreichen Schriften sind hervorzuheben: der »Trialogus« (neueste Ausg. von Lechler, 1869), ein Gespräch zwischen der Wahrheit, der Lüge und der Theologie; »De otio et mendacitate« (gegen die Bettelmönche); »De officio pastorali« (hrsg. von Lechler, Leipz. 1863); »De Christo et suo adversario antichristo« (hrsg. von Buddensieg, Gotha 1880); »Tractatus de ecclesia« (hrsg. von Loserth, Lond. 1886). Einen Neudruck seiner Bibelübersetzung besorgte Forshall: »The holy Bible in the earliest English Versions made by J. W. and his followers« (Oxf. 1850, 4 Bde.). Gesammelt erschienen: »Selected English works of W.« (hrsg. von Th. Arnold, das. 1869-71, 3 Bde.); »The English works of J. W. hitherto unprinted« (hrsg. von Matthew, das. 1880); »J. Wiclefs lateinische Streitschriften« (hrsg. von Buddensieg, Leipz. 1883); »Sermones« (hrsg. von der Wiclif Society in London durch Loserth und Matthew, 1887 ff., 4 Bde.). Vgl. Lechler, Johann von W. und die Vorgeschichte der Reformation (Leipz. 1873, 2 Bde.); Buddensieg, J. W. und seine Zeit (Halle 1885); Vattier, John W. (Par. 1886); Loserth, Huß und W. (Prag 1884).

Wid, Fluß in Bulgarien, entspringt aus zwei Quellarmen, dem Schwarzen und dem Weißen W., am Nordabhang des Balkans oberhalb Teteven, fließt unweit Plewna (Plewen) vorbei und mündet nach einem Laufe von 130 km oberhalb Nikopoli, Islasch gegenüber, in die Donau.

Widafinken, s. Witwenvögel.

Widar, genannt der Schweigsame, in der nord. Mythologie ein Ase, Sohn Odins und der Riesin Grid, gerüstet mit Schwert und großem Eisenschuh, war nach Thor der mächtigste der Götter und half diesen in mancher Gefahr. Nach dem Ausspruch der Nornen tritt er beim Weltuntergang als Rächer seines Vaters Odin auf, indem er den Fenrirwolf (s. d.) besiegt und tötet, und überlebt selbst, wie Wali (s. d.), den Weltuntergang.

Widder, das Männchen des gemeinen Hausschafs, s. Schaf, S. 379.

Widder, 1) das erste Sternzeichen des Tierkreises: ♈; 2) Sternbild zwischen 24⅔-50° Rektaszension und 10-28⅔° nördlicher Deklination, nach Heis mit 80 dem bloßen Auge sichtbaren Sternen, darunter einem zweiter Größe, α oder Hamal.

Widder, Kriegsmaschine der Alten, s. Aries.

Widder, hydraulischer, s. Hydraulischer Widder.

Widderpunkt, s. Frühlingspunkt.

Widderschiff, s. Panzerschiff, S. 661.

Widdīn, Kreishauptstadt in Bulgarien, am rechten Ufer der Donau unweit der serbischen Grenze, Sitz eines griechischen Bischofs, hat eine früher wichtige, jetzt aufgelassene Citadelle auf einer niedrigen Anhöhe, doppelte Umwallung, 4 Thore nach der Landseite, 5 nach dem Wasser hinaus, 3 Kasernen, 2 Hospitäler, Industrie in Gold- und Silberfiligran, Sattelzeug etc., Fischerei, Handel und (1887) 14,772 Einw., darunter viele Mohammedaner. Die Kaufleute sind meist Juden und Bulgaren. - W. ist das altrömische Bononia. 1801 wurde der Hospodar Michael Sutsos von Paswan Oglu bei W. geschlagen. Von hier aus begann Omer Pascha im Oktober 1853 mit dem Übergang über die Donau und der Besetzung von Kalafat die Feindseligkeiten gegen die Russen; in der folgenden Zeit fanden dann in der Umgegend mehrere Gefechte zwischen den Türken und Russen statt, namentlich 6. Jan. und 19. April 1854. Im Krieg 1877-78 war W. von 10,000 Türken besetzt, wurde von den Rumänen belagert und nach dem Friedensschluß auch besetzt. Die Stärke des Ortes lag in der Erschwerung des Angriffs durch flaches, sumpfiges