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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Widerstandsbewegungen; Widerthon; Widmann; Widmanstättensche Figuren; Widnes; Widnmann; Widor; Widsy; Widukind

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Widerstandsbewegungen - Widukind.

Widerstandsbewegungen (duplizierte Übungen), heilgymnastische Methode, bei welcher zwei Personen in der Weise miteinander arbeiten, daß die eine den Bewegungen der andern einen bezwingbaren Widerstand entgegensetzt.

Widerthon, Laubmoosgattung, s. Polytrichum; roter W. (Farn), s. Asplenium.

Widmann, Joseph Viktor, schweizer. Dichter, geb. 20. Febr. 1842 zu Nennowitz in Mähren, kam frühzeitig in die Schweiz, wo sein Vater 1845 Pfarrer zu Liestal wurde, studierte in Heidelberg und Jena Theologie, betrieb daneben mit großem Eifer philosophisch-litterarische Studien, wurde 1866 Pfarrhelfer zu Frauenfeld, 1868 Direktor der großen »Einwohner-Mädchenschule« zu Bern und ist seit 1880 litterarischer Redakteur des Berner »Bund«. Als Dichter hat er sich im Drama wie in der Epik und Lyrik versucht und sowohl nach der ernst reflektierenden als der leicht spielenden humoristischen Richtung hin Phantasie, Kraft der Charakteristik, Adel der Gesinnung sowie eine ungemeine Leichtigkeit der Sprachbehandlung erwiesen. Wir nennen davon: »Erasmus von Rotterdam«, ein Schwank (anonym, Winterth. 1865); »Iphigenie in Delphi«, Drama (das. 1865); »Der geraubte Schleier«, dramatisiertes Märchen (das. 1866); die Trauerspiele: »Arnold von Brescia« (Frauenf. 1867), »Orgetorix« (das. 1867), »Die Königin des Ostens« (Zürich 1879) und »Önone« (das. 1880); die epischen Dichtungen: »Buddha« (Bern 1869) und »Kalospinthechromokrene oder der Wunderbrunnen von Is« (unter dem Namen Ludovico Ariosto Helvetico, Frauenf. 1873); die Komödie »Das Festgedicht« (Bern 1873); ferner »Mose und Zipora«, Idyll (Berl. 1874); »An den Menschen ein Wohlgefallen«, Pfarrhausidyll (2. Aufl., Zürich 1877); »Rektor Müslins italienische Reise« (das. 1881); »Aus dem Fasse der Danaiden«, Erzählungen (das. 1884); »Spaziergänge in den Alpen« (Frauenf. 1885); »Jenseits des Gotthard« (das. 1888) und »Die Patrizierin« (Bern 1888). W. hat auch mehrere Operntexte geschrieben (für H. Götz, Brüll u. a.).

Widmanstättensche Figuren, s. Meteorsteine.

Widnes, schmutzige Stadt in Lancashire (England), am Mersey, 16 km oberhalb Liverpool, wo derselbe von einem großartigen Eisenbahnviadukt überspannt wird. W. hat Seifensiedereien, Dünger- und chemische Fabriken und (1881) 24,935 Einw.

Widnmann, Max, Bildhauer, geb. 16. Okt. 1812 zu Eichstätt, bildete sich an der Münchener Akademie unter Eberhard und Schwanthaler und studierte von 1836 bis 1839 in Rom. 1839 nach München zurückgekehrt, entfaltete er eine umfangreiche Thätigkeit auf dem Gebiet der monumentalen und idealen Plastik und seit 1849 auch eine Lehrthätigkeit als Professor an der Kunstakademie. Für München schuf er die Statuen von Orlando di Lasso (1848) und Westenrieder auf dem Promenadeplatz, die Statue Rauchs an der Glyptothek, die Denkmäler von Schiller (1863) und Goethe (1869), das von zwei Pagen begleitete Reiterstandbild Ludwigs I. (1862) und die Kolossalfiguren des Kastor und Pollux für die Kunstakademie, für Würzburg das Denkmal des Bischofs Julius und für Mannheim die Bronzestatuen Dalbergs und Ifflands. Glücklicher als in seinen monumentalen Werken, denen es an Kraft des Ausdrucks, Größe der Auffassung und gleichmäßig gediegener Durchbildung fehlt, ist er in Büsten, Statuetten und Idealfiguren.

Widor, Charles Marie, Komponist, geb. 22. Febr. 1845 zu Lyon, erhielt seine Ausbildung teils in seiner Vaterstadt, teils in Brüssel unter Fétis' und des Organisten Lemmens Leitung und kannte bereits 1860 eine Organistenstelle in Lyon bekleiden, welche er neun Jahre später, nachdem seine Leistungen auf der Orgel in weiten Kreisen Aufsehen erregt hatten, mit einer gleichen an der Kirche St. Sulpice zu Paris vertauschte. Seitdem hat er sich durch Vokal- und Instrumentalkompositionen aller Gattungen, namentlich durch seine Musik zu dem 1880 an der Pariser Großen Oper aufgeführten Ballett »La Korrigane«, auch als schaffender Künstler ausgezeichnet, daneben sich auch als Kritiker einen geachteten Namen erworben.

Widsy, Stadt im russ. Gouvernement Kowno, hat eine alte katholische und eine griechisch-russ. Kirche und (1885) 6111 Einw. (viele Juden).

Widukind (Wittekind), 1) der berühmtere Heerführer der Sachsen in ihren Kriegen gegen Karl d. Gr., stammte aus einer edlen Familie der westfälischen Sachsen und trat als Herzog der Sachsen zuerst auf, während Karl die Langobarden unterwarf. Schon hatte W. 774 die Eresburg genommen, als Karl erschien, die Sachsen wiederholt schlug und bis über die Weser vordrang, worauf die sächsischen Stämme sich unterwarfen. W. rettete sich durch die Flucht und erneuerte 776 den Aufstand. Als Karl wiederum mit überlegener Heeresmacht erschien und die Sachsen in Paderborn 777 zu einer Übereinkunft zwang, flüchtete W. zu den Dänen. Während Karl gegen Spanien zu Felde zog, fiel er verheerend in das fränkische Rheinland ein. Des Kaisers Rückkehr nötigte ihn zu neuer Flucht; aber 782 überfiel er im Süntelgebirge an der Weser das fränkische Heer, dessen Vernichtung Karl durch die Hinrichtung von 4500 gefangenen Sachsen bei Verden an der Aller rächte. Hierauf erhob sich das ganze Volk der Sachsen unter W. und Albion. Die Schlacht bei Detmold 783 blieb unentschieden, in der zweiten aber, an der Hase bei Osnabrück, wurde die Macht der Sachsen vernichtet, so daß auch W. und Albion die Hoffnung fernern Widerstandes aufgaben und Unterhandlungen anknüpften, infolge deren sie 785 in Karls Hoflager zu Attigny in der Champagne erschienen und die Taufe annahmen. Nach der Sage erhob Karl den W., der das schwarze Roß in seinem Schild in ein weißes verwandelte, zum Herzog der Sachsen und gab ihm das Land Engern zu eigen. W. herrschte mild und gerecht von seinem Schloß, Babilonie genannt, in der Nähe von Lübeck aus und fiel 807 im Krieg mit Gerold, Herzog von Schwaben, in hohem Alter. Widukinds Grab zu Engern wurde später von Karl IV erneuert und 1414 seine Gebeine nach Herford gebracht, von wo sie 1822 wieder nach Engern zurückgeführt wurden. Von W. leiten unter andern die Fürstenhäuser Braunschweig und Sardinien ihre Abstammung ab, welch letzteres wegen dieser Abstammung das weiße Roß im Wappen führt. Vgl. Diekamp, W. der Sachsenführer (Münst. 1877).

2) W. von Korvei, einer der ausgezeichnetsten deutschen Quellenschriftsteller, aus Sachsen, starb um 1004 als Mönch zu Korvei in Westfalen. Wir besitzen von ihm Annalen unter dem Titel: »Res gestae saxonicae«, in drei Büchern die Geschichte der Sachsen vor und unter König Heinrich I. und Otto I. enthaltend. Das Werk ist um 967 abgefaßt, nach einem einheitlichen Plan gearbeitet und in etwas gesuchter, Sallust nachgeahmter Sprache geschrieben. Der Gesichtskreis Widukinds ist etwas beschränkt; aber durchaus zuverlässig, unbefangen und wahrheitsliebend, liefert er unschätzbaren historischen Stoff. Benutzt haben dasselbe namentlich Thietmar und der Chro-^[folgende Seite]