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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wied; Wiedehopf; Wiedemann

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Wied - Wiedemann.

Wied, altes Dynastengeschlecht, das seinen Namen von der Grafschaft W. (s. d.) führt, leitet sich von Meffrit (gestorben um 1129) ab. Seine Enkelin Theodora vermählte sich mit Bruno I., Grafen von Isenburg, und brachte, als das Wiedsche Grafengeschlecht 1243 im Mannesstamm erlosch, Wied an ihren Sohn Bruno II. von Isenburg-W. Als auch diese Linie 1462 im Mannesstamm ausstarb, brachte die Erbtochter Anastasia den väterlichen Besitz ihrem Gemahl Dietrich von Runkel, aus dem Haus Leiningen-Westerburg, zu, der nun der Stifter des gegenwärtigen Hauses W. wurde. Nach dem Tode des Grafen Friedrich (1698) entstanden die beiden Linien W.-Runkel und W.-Neuwied. Jene besaß die obere Grafschaft an der Lahn und wurde 1791 in den Fürstenstand erhoben; diese erhielt die untere Grafschaft W. und schon 1784 die Reichsfürstenwürde. Beide hatten eine Stimme im westfälischen Grafenkollegium. Karl Ludwig Alexander, aus der Linie W.-Runkel, verlor durch den Lüneviller Frieden die Grafschaft Kriechingen und die Herrschaften Saarwellingen und Rollingen auf dem linken Rheinufer, wurde aber 1803 mit den kurkölnischen Ämtern Neuerburg und Altenwied und der Kellnerei Vilmar entschädigt. Er starb 9. März 1824. Sein Bruder und Erbe Friedrich Ludwig, österreichischer Generalfeldmarschall, starb schon 28. April 1824 kinderlos. Seine Besitzungen fielen an W.-Neuwied, welche Linie nun unter dem Namen W. sämtliche Lande vereinigte. Auf den Stifter dieser Linie, den Grafen Friedrich Wilhelm, war 1737 Johann Friedrich Alexander, auf diesen 1791 Friedrich Karl gefolgt. Dieser trat das Fürstentum 1802 an seinen Sohn Johann August Karl ab. Unter diesem erfolgte die Mediatisierung 1806 durch die Rheinbundsakte, und das Gebiet kam an Nassau und das Großherzogtum Berg, später an Preußen. Sein Bruder, Prinz Maximilian Alexander Philipp, war der berühmte Reisende (s. den folg. Artikel). Nach dem Tode des Fürsten (24. April 1836) folgte sein Neffe Wilhelm Hermann Karl, geb. 22. Mai 1814, der sich als philosophischer Schriftsteller bekannt machte und 5. März 1864 starb, und diesem sein Sohn, Fürst Wilhelm, geb. 22. Aug. 1845, seit 18. Juli 1871 mit der Prinzessin Marie der Niederlande vermählt; seine älteste Schwester ist die Königin Elisabeth von Rumänien (s. Elisabeth 10). Vgl. Reck, Geschichte der Häuser Isenburg, Runkel und W. (Weim. 1824).

Wied, 1) Maximilian Alexander Philipp, Prinz von, geb. 23. Sept. 1782 zu Neuwied, widmete sich mit Vorliebe naturwissenschaftlichen Studien und trat im Mai 1815, begleitet von den Naturforschern Freireiß und Sellow, eine naturwissenschaftliche Reise nach Brasilien an, worin er bis zur Grenze von Minas Geraës vordrang, und brachte im Sommer 1817 sehr bedeutende Sammlungen nach Europa zurück. Er veröffentlichte: »Reise nach Brasilien in den Jahren 1815-17« (Frankf. 1819-22, 2 Bde. mit Atlas); »Abbildungen zur Naturgeschichte Brasiliens« (Weim. 1823-31, 15 Lfgn.) und »Beiträge zur Naturgeschichte von Brasilien« (das. 1824 bis 1833, 4 Bde.). 1833 bereiste er die Vereinigten Staaten bis zum obern Missouri. Die Resultate dieser Expedition, auf der ihn einige treffliche Maler begleiteten, erschienen unter dem Titel: »Reise durch Nordamerika« (Kobl. 1838-41, 2 Bde. mit 81 Kupfern). Daneben beschäftigten W. fortwährend zoologische Studien. Er starb 3. Febr. 1867 in Neuwied. Vgl. Wirtgen, Zum Andenken an Prinz M. zu Wied (Neuwied 1867).

2) Hermann, Graf von, Kurfürst und Erzbischof von Köln, s. Hermann 3).

Wiedehopf (Upupa L.), Gattung aus der Ordnung der Klettervögel und der Familie der Hopfe (Upupidae), gestreckt gebaute Vögel mit sehr langem, dünnem, hohem, oben flach gewölbtem, seitlich zusammengedrücktem, schwach gebogenem, spitzem Schnabel, kurzen, ziemlich kräftigen Füßen mit kurzen, stumpfkralligen Zehen, großen, breiten, stark abgerundeten Flügeln, mittellangem, gerade abgestutztem Schwanz und einer Federhaube auf dem Kopf. Der gemeine W. (Kotvogel, Kuckucksknecht, Kuckucksküster, Upupa Epops L., s. Tafel »Klettervögel«) ist 29 cm lang, 45 cm breit, auf der Oberseite lehmfarbig, auf den Flügeln schwarz und gelblichweiß quergestreift, an der Unterseite hoch lehmgelb, an den Bauchseiten schwarz gefleckt; die Federhaube ist dunkel rostgelb, jede einzelne Feder an der Spitze schwarz; der Schwanz ist schwarz mit weißem Bande; das Auge ist dunkelbraun, der Schnabel schwarz, die Füße bleigrau. Der W. bewohnt Mittel- und Südeuropa, Nordafrika und Nordasien, weilt bei uns von Ende März bis Anfang September und findet sich im Winter in ganz Afrika und Indien. Er bevorzugt baumreiche Ebenen, wo Felder und Wiesen miteinander abwechseln, und Viehweiden, lebt einsam oder in Familien, nährt sich von Insekten und besonders von deren Maden, welche er namentlich aus Kothaufen hervorzieht, auch durch Hämmern und Meißeln nach Art der Spechte zu erlangen sucht. In Afrika siedelt er sich in Dörfern, selbst in Städten an, bei uns aber ist er scheu und sehr vorsichtig. Er schreitet auf dem Boden gewandt einher, fliegt ruckweise und trägt den Schopf gewöhnlich spitz nach hinten gelegt. Weil sein Schnabel lang, die Zunge aber sehr kurz ist, muß er die Nahrung emporwerfen und auffangen. Sein Nest steht gewöhnlich in Baumhöhlen, besonders in Weiden (daher der Name), auch in Mauerlöchern, Felsritzen oder auf dem Boden, er brütet nur einmal und legt 4-7 schmutzig grünlichweiße oder gräuliche, in der Regel weiß punktierte Eier (s. Tafel »Eier I«, Fig. 12), welche das Weibchen allein in 16 Tagen ausbrütet. Da die Alten den Kot der Jungen nicht fortzuschaffen vermögen, so verbreitet das Nest bald einen abscheulichen Gestank, und die Vögel tragen diesen auch nach der Brutzeit noch eine Zeitlang an sich. In der Gefangenschaft wird der W. sehr zahm und schreitet auch zur Fortpflanzung. Seit dem Altertum wurde er in Dichtung und Sage gerühmt und gebrandmarkt. Nach Älian erinnert er sich sehr wohl der Zeit, da er ein Mensch gewesen, im Koran erscheint er unter dem Namen Hudhud (sein Paarungsruf) als Bote und Genoß des Salomo. Sein Fleisch ist wohlschmeckend, wird aber von Juden und Mohammedanern nicht gegessen.

Wiedemann, 1) Ferdinand Johann, Sprachgelehrter, geb. 18. März (a. St.) 1805 zu Hapsal in Esthland, studierte auf der Universität zu Dorpat, wurde 1830 Lehrer am Gymnasium zu Mitau, 1837 Oberlehrer der griechischen Sprache am Gymnasium zu Reval und lebt gegenwärtig als Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (seit 1857) in Petersburg. Von seinen Schriften nennen wir: »Versuch einer Grammatik der tscheremissischen Sprache« (Reval 1847); »Grammatik der wotjakischen Sprache« (das. 1851); »Livische Grammatik nebst Sprachproben und Wörterbuch« (Petersb. 1861); »Versuch über den werro-esthnischen Dialekt« (das. 1864); »Grammatik der ersa-mordwinischen Sprache« (das. 1865); »Esthnisch-deutsches Wörterbuch« (das. 1869); »Über