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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wiedertäufer; Wiedervergeltungstheorie; Wieding; Wiedm.; Wiegendrucke; Wiegm.; Wiegmann; Wiehe

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Wiedertäufer - Wiehe.

Wiedertäufer (Anabaptisten), christliche Sekte, welche die Einwilligung des gläubigen Täuflings zur Vorbedingung der Taufe macht, daher die Kindertaufe verwirft und bei den ihr Beitretenden die Taufhandlung wiederholt. Schon lange vor der Reformation bestritten mehrere reformatorische Sekten die Kindertaufe; im Zeitalter der Reformation fand sich in der gemeinsamen Opposition gegen die Kindertaufe alles zusammen, was radikaler als die Reformatoren zu Werke zu gehen und das subjektive Prinzip, von welchem diese selbst ausgegangen waren, einseitig und konsequent bis ans Ende zu verfolgen unternahm. Diese besonders in der Schweiz, Deutschland und Holland auftauchenden W. waren meist religiöse und politische Schwärmer und verbanden mit der Forderung der Wiedertaufe auch die der Aufrichtung eines Reichs Christi auf Erden, Einführung der Gütergemeinschaft, Glauben an ihre Offenbarungen u. dgl. Mit derartiger »Geisttreiberei« versuchten es in Deutschland 1521 die sogen. Zwickauer Propheten (»himmlische Propheten«) in Sachsen, an deren Spitze Nikolaus Storch aus Zwickau, Markus Stübner und Thomas Münzer (s. d.) standen. Letzterer entzündete in Sachsen, Franken und Thüringen den Bauernkrieg (s. d.), so daß die Sache der W. durch die Schlacht bei Frankenhausen (15. Mai 1525) hier ihr vorläufiges Ende fand. Dagegen traten in Bayern um 1527 als W. auf Joh. Hutter, Jak. Kürsner und Siegmund Sallin in Augsburg und fanden ungeachtet der Verfolgungen viele Anhänger. In der Schweiz wurde ein besonders harter Kampf geführt, in welchem die W. dem von Zwingli in Bewegung gesetzten weltlichen Arm unterlagen. In den Niederlanden wirkte David Joriszoon (s. d.), in Westfalen, Holstein und Ostfriesland Melchior Hoffmann und Melchior Rinck. Kaiser Karl V. gab schon 1528 den Befehl, daß alle W. mit Gewalt unterdrückt werden sollten, und seitdem wurden ihrer unzählige enthauptet, ertränkt oder verbrannt. Dadurch steigerte sich aber nur der Fanatismus der Verfolgten, welche man Stäbler (Baculares, Stablaru) nannte, weil sie meinten, ein Christ dürfte keine Waffen, sondern nur einen Stab tragen. Am schlimmsten trieben ihr Wesen die aus Holland vertriebenen W. seit 1533 in Münster, wo der protestantische Geistliche Rothmann und die Bürger Knipperdolling und Krechting, zu denen sich noch Johann von Leiden (s. d.), Gerrit Kippenbroek von Amsterdam und Matthys gesellten, ein neues Staatswesen mit einem Zionskönig an der Spitze, mit Gütergemeinschaft, Vielweiberei u. dgl. einführten und ein blutiges Regiment handhabten, bis endlich durch mehrere protestantische Fürsten im Verein mit dem Bischof die Stadt eingenommen und durch die Hinrichtung der Anführer dem neuen Reich 24. Juni 1535 ein blutiges Ende gemacht wurde. Vgl. Hast, Geschichte der W. (Münst. 1835); Hase, Neue Propheten (2. Aufl., Leipz. 1860); Cornelius, Geschichte des Münsterschen Aufruhrs (das. 1855-1860, 2 Bde.); Derselbe, Die niederländischen W. während der Belagerung Münsters 1534-35 (Münch. 1869); Keller, Geschichte der W. und ihres Reichs zu Münster (Münst. 1880); Bouterwek, Zur Litteratur und Geschichte der W. (Bonn 1864). Eine neue, dem stürmischen Charakter der ersten direkt entgegengesetzte Periode in der Geschichte der W. beginnt mit Ubbo Philipps, welcher, früher katholischer Priester in Leeuwarden, 1534 ein Haupt der W. geworden war u. seinen Bruder Dirk, David Joriszoon u. Menno (s. d.) zu Geistlichen der Sekte geweiht hatte. Letzterer stiftete eine Gemeinde Gottes, deren Mitglieder seit 1570 nach ihm Mennoniten genannt wurden, jetzt aber, nach Vereinigung der prädestinatianischen Apostolen und der arminianischen Galenisten, gewöhnlich Taufgesinnte (Doopsgezinden) sich nennen. Weiteres s. Mennoniten.

Wiedervergeltungstheorie (Vergeltungstheorie), s. v. w. absolute Strafrechtstheorie (s. Strafrecht, S. 363).

Wieding, Karl Johann Friedrich Wilhelm, namhafter Prozessualist, geb. 7. Sept. 1825 zu Tondern, studierte in Kiel die Rechte, trat 1848 in die schleswig-holsteinische Armee, wurde 1850 Sekondeleutnant und vollendete nach dem Krieg seine Studien in Göttingen und Berlin. Nachdem er 1857 in Berlin den juristischen Doktorgrad erlangt hatte, habilitierte er sich daselbst als Privatdozent; 1861 folgte er einem Ruf als ordentlicher Professor der Rechte nach Greifswald, 1867 nach Kiel, wo er 1880 zum Rektor erwählt ward. Er starb daselbst 24. Okt. 1887. Seine bedeutendsten Schriften sind: »Die Transmission Justinians« (Leipz. 1859); »Der Justinianeische Libellprozeß« (Wien 1865); »Die Prätensionen auf die Herzogtümer Schleswig-Holstein« (Greifsw. 1865); »Zur Rechtsstellung und Verfassung der Christian Albrechts-Universität« (Kiel 1880).

Wiedm., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für C. R. W. Wiedemann, geb. 1770 zu Braunschweig, gest. 1840 als Professor der Arzneiwissenschaft in Kiel (Dipterolog).

Wiegendrucke, s. Inkunabeln.

Wiegm., bei naturwissenschaftl. Namen Abkürzung für A. Fr. Aug. Wiegmann, geb. 1802 zu Braunschweig, gest. 1841 als Professor der Zoologie in Berlin.

Wiegmann, 1) Rudolf, Architekt und Kunstschriftsteller, geb. 17. April 1804 zu Adensen bei Hannover, bildete sich beim Oberlandbaumeister Wedekind in Hannover und später unter Moller in Darmstadt; auch besuchte er die Universität Göttingen. 1828 ging er auf vier Jahre nach Italien, wo er unter anderm das Material zu zwei Schriften über antike Wandmalerei sammelte, die ihn in einen Streit mit Klenze verwickelten. 1839 wurde er Professor der Baukunst an der Akademie zu Düsseldorf und 1846 Sekretär der letztern. Er starb 18. April 1865. Von seinen Bauten sind eine Kapelle bei Lohausen und die Wiederherstellung der St. Salvatorkirche zu Duisburg im spätgotischen Stil (1847-52) erwähnenswert. Auch war W. als Architekturmaler in Aquarellen und Ölbildern thätig. Er schrieb: »Über die Konstruktion von Kettenbrücken« (Düsseld. 1839); »Über den Ursprung des Spitzbogenstils« (das. 1842); »Grundzüge der Lehre von der Perspektive« (das. 1846, 2. Aufl. 1877); »Geschichte der königlichen Kunstakademie zu Düsseldorf« (das. 1856).

2) Marie, geborne Hancke, des vorigen Gattin, Malerin, geb. 7. Nov. 1826 zu Silberberg in Schlesien, kam 1841 nach Düsseldorf, wo sie sich bei Stilke und Karl Sohn ausbildete. Poetische, echt weibliche Auffassung, Gefühl für Wahrheit und Schönheit und ein treffliches Kolorit zeichnen ihre Gemälde aus. Hervorzuheben sind davon: die Elfen, nach Uhland (1847); Damajanti, nach Rückert (1850); zwei Großmütter (1852), ein Wiedersehen, von ihren zahlreichen lebensvollen Bildnissen das von Karl Schnaase (1875, in der Berliner Nationalgalerie). Sie besitzt die kleine Medaille der Berliner Ausstellung.

Wiehe, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Eckartsberga, 141 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Schloß, ein Amtsgericht, Bier-^[folgende Seite]