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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wien

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Wien (Kirchen).

Donau führen zwei große Straßenbrücken: die Franz Josephs-Brücke in der Richtung von der Taborstraße gegen Floridsdorf (vollendet 1875) und die Rudolfsbrücke in der Verlängerung der Praterstraße und Schwimmschulallee mit der Richtung gegen Kagran (1028 m lang, 1876 vollendet). Außerdem führen über die Donau drei große Eisenbahnbrücken der Nordwestbahn, Nordbahn (auch für Fußgänger) und der Staatseisenbahn (letztere bei Stadlau), ferner über den Donaukanal die Brücke der Donauuferbahn (bei Nußdorf), die Brücke der Wiener Verbindungsbahn (Kettenbrücke) und der Staatseisenbahn (bei Simmering).

Kirchliche Bauwerke.

W. hat über 50 katholische, eine griechisch-unierte, 3 griechisch-nichtunierte und 3 protestantische Kirchen, 3 öffentliche und mehrere Privatsynagogen und zahlreiche Kapellen. Unter den 20 Kirchen der innern Stadt ist die Domkirche zum heil. Stephan, obwohl ein Turm unvollendet ist, doch eins der ausgezeichnetsten Bauwerke dieser Art. Den ersten Grund zu dieser Kirche legte Heinrich II. Jasomirgott 1144; ihre gegenwärtige Gestalt erhielt sie unter Rudolf IV. und Albrecht III. Sie ist eine in Form eines lateinischen Kreuzes aufgeführte dreischiffige Hallenkirche, 108 m lang, im Innern 27 m hoch, im Kreuzschiff 70 m breit, und umschließt einen Flächenraum von 3240 qm. Das Dach ist mit glasierten farbigen Ziegeln gedeckt. Von den vier Türmen des Doms sind die zwei zu beiden Seiten der Fassade stehenden, die sogen. Heidentürme, 64 m hoch. Von den beiden andern, an den Enden des Kreuzschiffs befindlichen Türmen wurde der nördliche 1579 mit einem schließenden Aufsatz versehen und hat im ganzen eine Höhe von 65 m. Der Bau des südlichen Turms wurde unter der Leitung Wenzels von Klosterneuburg begonnen, von Hans Prachatitz fortgesetzt und von Anton Pilgram 1433 vollendet. 1859 wurde die Turmspitze abgetragen und 1864 durch einen von Fr. Schmidt vollendeten Neubau ersetzt. Gegenwärtig ist der Turm 139 m hoch. In demselben hängt eine 198 metr. Ztr. schwere Glocke, welche 1711 aus eroberten türkischen Kanonen gegossen ward. Die Turmspitze ist mit einem vergoldeten Kreuz und Adler geschmückt. Die Giebel an der Außenseite des Doms wurden 1853-56 von Ernst stilgemäß ausgebaut. Den Haupteingang ins Innere bildet das sogen. Riesenthor, ein interessanter Rest des ältesten Baues, im romanischen Stil. An der Südfronte befindet sich das Singerthor mit dem Grabmal von Otto Nithart Fuchs, dem durch Anastasius Grün bekannten »Pfaffen vom Kahlenberg«, an der Nordseite das Bischofsthor. Unter den Türmen sind zwei Kapellen angebaut, die Tauf- und Barbarakapelle; zu beiden Seiten des Riesenthors befinden sich zwei mit schönen Rosenfenstern ausgestattete Kapellen, die Kreuz- und Eligiuskapelle. Unter den Altären zeichnen sich der 1657 von Jakob Bock vollendete Hochaltar von schwarzem Marmor mit Altarblatt der Steinigung des heil. Stephanus von Tobias Bock, der alte deutsche Flügelaltar im rechten Seitenchor und die neuen gotischen Altäre im linken Seitenchor, in der Tauf- und in der Barbarakapelle aus. Ein Meisterwerk der Plastik ist die 1430 von A. Pilgram vollendete gotische Kanzel. Als ausgezeichnete Holzarbeiten sind die Chorstühle zu erwähnen. Unter den zahlreichen Grabmonumenten verdienen hervorgehoben zu werden: der Sarkophag des Kaisers Friedrich III., von Nikolaus Lerch aus rotem Marmor gearbeitet und mit Statuetten, Reliefs und Ornamenten aller Art reich ausgestattet; das Grabmal des Prinzen Eugen und des Feldmarschalls Emanuel von Savoyen in der Kreuzkapelle, das Grabmal Albrechts III. und seiner Gemahlin Elisabeth u. a. Unter dem Chor befindet sich die Kaisergruft, in welcher seit Ferdinand II. die Eingeweide der verstorbenen Mitglieder des Kaiserhauses beigesetzt werden. Auch ziehen sich unter der Kirche und weiter unter dem Platz, welcher im vorigen Jahrhundert noch Friedhof war, umfangreiche Katakomben hin, welche 34 große Gewölbe bilden. Der Stephansdom wird, nachdem die Wiederherstellung der Außenseite vollendet ist, seit 1881 auch im Innern stilgemäß restauriert, zu welchem Behuf sich ein Dombauverein gebildet hat. Der alte hölzerne Dachstuhl soll durch Eisenkonstruktion ersetzt werden. (Vgl. Tschischka, Der St. Stephansdom zu W., Wien 1832; Perger, Der Dom zu St. Stephan, Triest 1854.

Von den übrigen Kirchen der innern Stadt sind folgende hervorzuheben: Die Hofpfarrkirche zum heil. Augustin (1339 vollendet, 1783 umgebaut), enthaltend eins der vorzüglichsten plastischen Kunstwerke Wiens, das Mausoleum der Erzherzogin Christine von Canova (s. Tafel »Bildhauerkunst VI«, Fig. 19), in der Totenkapelle die Grabmäler des Kaisers Leopold II. (von Zauner), des Feldmarschalls Daun und des Arztes van Swieten. In der anstoßenden Loretokapelle werden die Herzen der verstorbenen Mitglieder des kaiserlichen Hauses in silbernen Urnen aufbewahrt. Die Hofpfarrkirche zu St. Michael (1220 begonnen, zu Anfang des 15. Jahrh. umgebaut), mit schlankem gotischen Turm, enthält Gemälde von Bock, Unterberger, Schnorr u. a. und außen eine Sandsteingruppe: Christus am Ölberg, von 1494. Die Minoritenkirche (italienische Nationalkirche, 1330 vollendet) hat ein gotisches Portal, ein Monument Metastasios und Raffaellis Mosaikkopie des Abendmahls von Leonardo da Vinci. Die Kirche Maria Stiegen (Maria am Gestade), welche aus dem 9. Jahrh. herstammen soll, erhielt ihre gegenwärtige Gestalt zu Anfang des 15. Jahrh. und ist eins der schönsten gotischen Baudenkmäler; sie besteht aus einem ältern, dreiseitig geschlossenen Chor, woran das einschiffige Langhaus in stumpfem Winkel ansetzt, und hat einen 57 m hohen, in eine durchbrochene Steinkuppel ausgehenden Turm und schöne Glasmalereien. Die Pfarrkirche zu St. Peter (1702 erbaut) ist nach dem Beispiel der Peterskirche in Rom ein Kuppelbau mit elliptischem Grundriß und hat ein Hauptportal aus grauem Marmor. Die kleine Kirche zu St. Ruprecht ist 1436 angeblich auf dem Platz einer aus dem 11. Jahrh. stammenden Pfarrkirche erbaut. Andre Kirchen der innern Stadt sind: die Pfarrkirche der Benediktinerabtei Schotten, von Heinrich II. Jasomirgott gegründet, mit den Grabmälern des Stifters und des Grafen Rüdiger von Starhemberg, Verteidigers Wiens gegen die Türken 1683, und neuem Hochaltar von Ferstel; die Universitäts- oder Jesuitenkirche, ein reicher, 1631 vollendeter Bau im Jesuitenstil; die Dominikanerkirche (1639 erbaut); das Kirchlein des Deutschen Ordens; die Kapuzinerkirche, welche die kaiserliche Gruft enthält, worin seit Kaiser Matthias alle Glieder des kaiserlichen Hauses beigesetzt werden, darunter die prachtvollen Grabdenkmäler der Kaiserin Maria Theresia und Franz' I. (auch Napoleons I. Sohn, der Herzog von Reichstadt, ruht in dieser Gruft). Von den 36 Kirchen in den Vorstadtbezirken sind folgende die ausgezeichnetsten: die Karlskirche auf der Wieden (1716-37 unter Karl VI. nach Aufhören der Pest von Fischer von Erlach erbaut), mit imposanter ovaler