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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wiese; Wiesel

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Wiese - Wiesel.

stoffen ist. Eine Ernte von nur 15-20 Ztr. Heu entzieht dem Boden 31,5 kg Kali, 22,5 kg Kalk, 10 kg Bittererde, 15 kg Phosphorsäure, 60 kg Kieselerde etc., also weit größere Mengen als die Mehrzahl der landwirtschaftlichen Kulturpflanzen. Als Dünger empfehlen sich alle mineralischen, gepulverten, leicht aufzustreuenden Dungmittel, vor allen Kompost. Man fertigt jetzt besondern Wiesendünger und verwendet als beste Mischungen Kalisalze, Asche und Phosphate; je nach Boden und Lage kann bloße Erde und selbst Sand schon genügen. Vortrefflich ist der Kloakeninhalt für Wiesen; er muß jedoch noch mit etwas Kali und Phosphat gegeben werden, weil man sonst zwar ein massenhaftes Wachstum, aber ein Gras von ungenügender Beschaffenheit für das Vieh erhält. Die Pflege der Wiesen erstreckt sich auf die Unterhaltung der Wässerungsanlagen, die richtige, umsichtige Leitung des Wässerns selbst, das Ebnen der Maulwurfshügel, Ameisenhaufen u. dgl., das Ausputzen der Gräben und die passende Verwendung der ausgehobenen Erde, auf Übereggen oder Überwalzen, die Entfernung aller Wurzelstöcke und Triebe von in der Nähe gepflegten Bäumen oder Hecken, das Zurückschneiden derselben, das Vertilgen der etwa auskommenden Unkräuter u. dgl. m. Die Ernte wird jetzt vielfach mittels Mähmaschinen und Heuwender bewirkt. Der Ertrag der Wiesen ist sehr verschieden: gute Wässerungswiesen können bei reicher Düngung pro Hektar bis 400 Ztr. Trockenfutter geben und selbst mehr, mit flüssigem Dünger öfters berieselte Wiesen hat man schon bis zu 800 Ztr. und darüber gebracht. Gute natürliche Wiesen geben bis 120 Ztr.; solche mit unter 60 Ztr. Ertrag sollten gar nicht mehr als Wiesen belassen werden, wenn sie anderweitig nutzbar zu machen sind. Die berühmten Wässerungswiesen in der Lombardei schätzt man bis zu 320 Ztr., die nicht minder berühmten siegenschen Kunstwiesen bis zu 160 Ztr. Ertrag. Ohne Düngung sinkt der Ertrag auf 80 Ztr. und weniger. Vgl. Lengerke, Anleitung zum praktischen Wiesenbau (2. Aufl., Prag 1844); Hanstein, Die Familie der Gräser (Wiesbad. 1857); Haffer, Wiesenkunde (Berl. 1858); Patzig, Der praktische Rieselwirt (4. Aufl., Leipz. 1862); Petersen, Beschreibung der neuen Methode des Wiesenbaues (Schlesw. 1868); Vincent, Der rationelle Wiesenbau (3. Aufl., Leipz. 1870); v. Saint-Paul, Über Wiesenmelioration und Kompostbereitung (3. Aufl., Königsb. 1871); Hector, Lehrbuch des rationellen Wiesenbaues (Leipz. 1876); Braasch, Die Petersensche Wiesenbaumethode (das. 1879); Möller, Der Petersensche Wiesenbau (Berl. 1885); Toussaint, Die W., deren Technik etc. (Bresl. 1885); Fuchs, Der Petersensche Wiesenbau (Berl. 1885); Dünkelberg, Der Wiesenbau (2. Aufl., Braunschw. 1877); Meyn, Geschichte und Kritik des Wiesenbaues (Heidelb. 1876); Derselbe, Grundzüge des Wiesenbaues (das. 1880).

Wiese, Nebenfluß des Rheins im südlichen Baden, entspringt am Feldberg, durchfließt das romantische, industriereiche Wiesenthal, in welchem eine Eisenbahn von Basel bis Todtnau hinaufgeht, und mündet nach einem Laufe von 82 km unterhalb Basel. Die wichtigste Stadt an derselben ist Lörrach.

Wiese, Ludwig, hervorragender Pädagog, geb. 30. Dez. 1806 zu Herford in Westfalen, studierte zu Berlin Theologie, Philosophie und Philologie und wurde 1830 Lehrer am Friedrich Wilhelms-Gymnasium in Berlin, 1831 Konrektor am Gymnasium zu Klausthal, 1833 Prorektor zu Prenzlau, 1838 Professor am Joachimsthalschen Gymnasium zu Berlin, von wo er längere Studienreisen nach Italien, England, Süddeutschland unternahm. 1852 berief ihn Minister v. Raumer als Referent für das evangelische Gymnasial- und Realschulwesen in das preußische Unterrichtsministerium. 1867 mit der Neuordnung des höhern Schulwesens der neuen preußischen Landesteile betraut, wurde er 1868 Vorsitzender der Bundesschulkommission (seit 1871 Reichsschulkommission); auch ward ihm 1871 die Organisation des höhern Schulwesens in Elsaß-Lothringen überwiesen. Als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat schied er Michaelis 1875 freiwillig aus dem Staatsdienst und lebt seitdem in Potsdam. Er veröffentlichte außer einigen Programmarbeiten und Vorträgen (z. B. »Die Bildung des Willens«, 4. Aufl., Berl. 1879; »Geschichte und Bildung der Frauen«; »Über den Mißbrauch der Sprache«): »Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung« (das. 1864-73, 3 Tle.); »Verordnungen und Gesetze für die höhern Schulen in Preußen« (das. 1867-68, 2 Tle.; 3. Aufl. von Kübler, 1886-88); »Deutsche Briefe über englische Erziehung« (das. 1852, 3. Aufl. 1877; Bd. 2, 1876; ins Englische übersetzt von Arnold, 1854); »Pädagogische Ideale und Proteste« (das. 1884); »Lebenserinnerungen und Amtserfahrungen« (das. 1886, 2 Bde.).

Wiesel (Hermännchen, Hermchen, Putorius vulgaris Rich.), Raubtier aus der Familie der Marder (Mustelida) und der Gattung Iltis (Putorius Cuv.), 15,5 cm lang, mit 4,5 cm langem Schwänzchen, ist ungemein schlank gebaut, vom Kopf bis zum Schwanz fast überall gleich dick; die Beine sind kurz und dünn, die Sohlen der zarten Pfoten zwischen den Zehenballen behaart und die Zehen mit scharfen Krallen bewaffnet. Die breiten, abgerundeten Ohren stehen seitlich und weit hinten; die schief liegenden Augen sind klein, aber feurig. Das Gebiß ist im Verhältnis zur Größe des Tiers kräftig. Vor und über den Augen stehen lange Schnurren. Die Spur zeigt Figur 1. Der Pelz ist rötlichbraun, der Rand der Oberlippe und die ganze Unterseite sowie die Innenseite der Beine sind weiß. In den gemäßigten und südlichen Gegenden ändert die Farbe nicht bedeutend ab, in den nördlichen dagegen ist das W. im Winter weißbraun gefleckt. Dasselbe findet sich in ganz Europa und Nordasien, im Gebirge, in buschlosen Ebenen und in Wäldern, wohnt in hohlen Bäumen, Steinhaufen, altem Gemäuer, unter hohlen Ufern, in Maulwurfsgängen etc., im Winter in Schuppen und Scheuern, Kellern, unter Dachböden etc. Es ist ebenso blutgierig wie mutig und kühn und geht besonders des Nachts seiner Nahrung nach, die in Mäusen, Maulwürfen, jungen Hamstern und Ratten, Eidechsen, Blindschleichen, Ringelnattern, selbst Kreuzottern, aber auch jungen Hasen, Kaninchen, Hühnern, Tauben und andern Vögeln und ihren Eiern besteht. Häufig begnügt es sich, seiner Beute den Kopf zu zerbeißen und das Gehirn zu verzehren. Es wird ihm überall eifrig, bei seiner List und Schnelligkeit aber häufig vergeblich nachgestellt. Es kann selbst an senkrechten, etwas rauhen Wänden hinanklettern. In die Enge getrieben, sucht es dem Menschen ins Gesicht zu springen und kann, in größerer Zahl vereint, ihm gefährlich werden. Im Mai oder Juni wirft das Weibchen 5-7 blinde Junge. Diese lassen sich zähmen, aber sie erliegen meist sehr schnell. In manchen Gegenden gilt das W. als ein äußerst gefährliches Tier, dessen Biß wie schon der Atem oder selbst der Blick Krankheit

^[Abb.: Fig. 1. Spur des Wiesels.]