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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wiesenknopf - Wiesner.

September und Oktober und wandert, wohl größtenteils laufend, bis Mittelafrika. Er bevorzugt ebene Gegenden, wo Wiesen und Getreidefelder miteinander wechseln, begibt sich nach der Heuernte auf letztere und nach der Getreideernte in Gebüsche. Er ist mehr Nacht- als Tagvogel, läßt besonders abends seinen schnarrenden Schrei hören, hält sich sehr versteckt, läuft ungemein schnell, schlüpft durch das dichteste Gras und Getreide, fliegt schnell, aber nur auf kurze Strecken, und läßt sich nur schwer zum Auffliegen bringen. Andern Vögeln gegenüber zeigt er sich herrschsüchtig und raublustig; er nährt sich von Sämereien, Insekten, Würmern, würgt aber auch gern junge Vögel, plündert Nester und frißt Mäuse. Er nistet im Gras, das Weibchen legt im Juni 7-9, auch 12 gelbliche oder grünlichweiße, gelbrot, braun oder blaugrau gefleckte Eier, welche es allein in drei Wochen ausbrütet. Dabei sitzt es so fest auf den Eiern, daß es oft von der Sense erschlagen wird. Seines Fleisches halber wird der W. in Spanien und Griechenland eifrig gejagt. Das Volk glaubt, daß er die Wachteln beherrsche oder führe; doch hat er nichts mit den Wachteln gemein und wandert nicht genau zu derselben Zeit wie diese. In der Gefangenschaft wird er leicht zahm und gehört zu den unterhaltendsten Vögeln.

Wiesenknopf, s. Sanguisorba.

Wiesenknöterich, s. Polygonum.

Wiesenkönigin, s. Spiraea.

Wiesenkresse, s. Cardamine.

Wiesenleder, s. Oedogonium.

Wiesenlerche, s. Pieper.

Wiesenlieschgras, s. Phleum.

Wiesenlolch, s. Lolium.

Wiesenmangold, s. Menyanthes.

Wiesenmergel, s. Torf, S. 758.

Wiesensafran, s. Colchicum.

Wiesenschaumkraut, s. v. w. Cardamine pratensis.

Wiesenschmätzer (Pratincola Koch), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel, der Familie der Drosseln (Turdidae) und der Unterfamilie der Steinschmätzer (Saxicolinae), kleine, etwas plump gebaute Vögel mit verhältnismäßig kurzem, rundem, dickem, am Grund etwas breiterm Schnabel, mittellangen Flügeln, in welchen die dritte Schwinge die längste ist, kurzem Schwanz und hohen, schlanken Läufen. Das Braunkehlchen (Braunellert, Kohlvögelchen, Krautlerche, P. rubetra Koch), 14 cm lang, 21 cm breit, oberseits schwarzbraun, rostgrau gefleckt, unterseits rostgelblichweiß, am Kinn, neben dem Vorderhals, über den Augen und auf der Flügelmitte weiß, mit dunkelbraunen Augen, schwarzem Schnabel und Füßen, findet sich in Europa und Westasien, besucht im Winter Afrika und Indien und weilt bei uns von Ende April bis Ende September meist auf bebautem Land, auf Wiesen mit Bächen und niederm Gebüsch, nach der Brutzeit auf Kartoffel- und Krautfeldern, ist sehr munter und beweglich, hüpft und fliegt gewandt, ist wenig gesellig, aber doch verträglich und singt fleißig und recht hübsch. Es nährt sich von Insekten, nistet auf Wiesen im Gras und unter einem Busch und legt Ende Mai 5-7 hell blaugrüne, zuweilen gelbrot punktierte Eier (s. Tafel »Eier I«, Fig. 55), welche vom Weibchen in 13-14 Tagen ausgebrütet werden. Für die Gefangenschaft eignet es sich nicht. Seltener ist in Deutschland das etwas größere Schwarzkehlchen (P. rubicola Koch), welches oberseits und an der Kehle schwarz, unterseits rostrot, am Bürzel und Unterbauch weiß ist und auf dem Flügel und an den Halsseiten einen weißen Fleck besitzt. Es bewohnt die gemäßigten Länder Europas und Asiens nördlich bis zur Breite Südschwedens, geht im Winter bis Innerafrika und Indien und weilt bei uns vom März bis November auf Wiesen und an Flußufern; es legt grünlichblaue, braun gefleckte Eier (s. Tafel »Eier I«, Fig. 54).

Wiesenschnarrer, s. v. w. Wiesenknarrer.

Wiesenschwamm, s. Agaricus IV. und V.

Wiesenschwingel, s. Festuca.

Wiesensteig, Stadt im württemberg. Donaukreis. Oberamt Geislingen, unweit des Ursprungs der Fils, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß (Helfenstein), ein Revieramt, Fabrikation von Litzen, Messern und chirurgischen Instrumenten und (1885) 1280 Einw. Dabei die Ruinen der Burg Reußenstein auf schroffer Felskante am Neidlinger Thal und die Schwertelshöhle. - Die ehemalige gleichnamige Herrschaft, 96 qkm (1,75 QM.), deren Hauptstadt W. war, kam nach dem Aussterben der Grafen von Helfenstein (1627) an Bayern und Fürstenberg 1735 ganz an Bayern und 1806 an Württemberg.

Wiesent, Fluß im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, entspringt bei Steinfeld auf dem Frankenjura, fließt durch ein tiefes, felsenreiches Thal in großen Krümmungen, bildet den Mittelpunkt der höhlenreichen Fränkischen Schweiz bei Gößweinstein und Muggendorf, ist reich an Forellen, empfängt links die Püttlach und mündet bei Forchheim rechts in die Regnitz. An der W. fand 29. Aug. 1796 ein Gefecht zwischen den sich zurückziehenden Franzosen unter Jourdan und den Österreichern unter Erzherzog Karl statt.

Wiesenthal, s. Oberwiesenthal.

Wiesentheid, Flecken im bayr. Regierungsbezirk Unterfranken, Bezirksamt Gerolzhofen, 240 m ü. M., hat eine kath. Kirche, ein Schloß des Grafen von Schönborn-W., ein Amtsgericht u. (1885) 1276 Einw.

Wiesentrespe, s. Bromus.

Wiesentrespenschwingel, s. Bromus.

Wiesentuch, s. Oedogonium.

Wiesenwicke, s. Lathyrus.

Wiesloch, Stadt im bad. Kreis Heidelberg, an der Linie Mannheim-Konstanz der Badischen Staatsbahn, 125 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche (beide neuerdings restauriert), eine höhere Bürgerschule, ein Bezirksamt, ein Amtsgericht, eine Bezirksforstei, Tabaks- und Schuhfabrikation, Gerberei, Bierbrauerei, eine Schwefelquelle, ein Galmeibergwerk, Obst-, Wein-, Tabaks- und Hopfenbau, Kram- und Viehmärkte und (1885) 3318 meist evang. Einwohner. Hier Schlachten 27. April 1622 zwischen Mansfeld (Sieger) und Tilly und 16. Aug. 1633 zwischen Horn (Sieger) und Montecuccoli. 1689 wurde die Stadt fast ganz zerstört.

Wiesner, Julius, Botaniker, geb. 20. Jan. 1838 zu Tschechen bei Brünn, studierte daselbst und in Wien und widmete sich mit einer für einen Botaniker seltenen physikalisch-chemischen Vorbildung, die er sich als Eleve des physikalischen Instituts der Universität, am chemischen Laboratorium des polytechnischen Instituts und am physiologischen Institut erworben hatte, auch ausgerüstet mit technischen Kenntnissen, der Anatomie und Physiologie der Pflanzen. 1861 habilitierte er sich als Privatdozent für physiologische Botanik am polytechnischen Institut, und 1868 wurde er zum außerordentlichen Professor daselbst ernannt. 1870 folgte er einem Ruf an die Forstakademie Mariabrunn, und 1873 wurde er Professor der Anatomie und Physiologie der Pflanzen und Direktor des pflanzenphysiologischen Instituts an der Universität zu Wien. Auch hielt er bis 1880 Vorträge über technische Warenkunde an der technischen Hochschule. Wiesners