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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wietersheim; Wigalois; Wigamur; Wigan; Wigand

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Wietersheim - Wigand.

Hauptthätigkeit war der experimentellen Pflanzenphysiologie gewidmet, welche er mit strengen chemischen und physikalischen Untersuchungsmethoden zu bereichern suchte. Namentlich stellte er auch Untersuchungen an über die Beziehungen zwischen Licht und Vegetationsprozessen, über das Chlorophyll, über die Wachstumsgesetze und das Bewegungsvermögen der Pflanzen. Seine Arbeiten über die Organisation der Zellwand eröffneten wichtige neue Gesichtspunkte. Durch die anatomische Bearbeitung der technisch verwendeten Rohstoffe des Pflanzenreichs erwarb er sich auch um die wissenschaftliche Begründung der technischen Warenkunde hohe Verdienste. Seine Untersuchung alter Papiere lieferte wichtige Ergebnisse für die Geschichte der Technologie. Er schrieb: »Einleitung in die technische Mikroskopie« (Wien 1867); »Die technisch verwendeten Gummiarten, Harze und Balsame« (Erlang. 1869); »Mikroskopische Untersuchungen« (Stuttg. 1872); »Die Rohstoffe des Pflanzenreichs« (Leipz. 1873); »Die Entstehung des Chlorophylls in der Pflanze« (Wien 1877); »Die heliotropischen Erscheinungen im Pflanzenreich« (das. 1879-1880, 2 Tle.); »Das Bewegungsvermögen der Pflanzen« (das. 1881); »Elemente der wissenschaftlichen Botanik« (2. Aufl., das. 1885, 2 Bde.); »Die mikroskopische Untersuchung des Papiers« (das. 1887).

Wietersheim, Eduard von, sächs. Staatsmann, geb. 1789 als Sohn eines österreichischen Hauptmanns zu Luxemburg, studierte in Leipzig die Rechte, machte die Feldzüge von 1813 bis 1814 als Offizier beim sächsischen Heer mit und trat sodann in den sächsischen Staatsdienst. Als Kreishauptmann im vogtländischen Kreis in Plauen, dann des erzgebirglichen Kreises erwarb er sich namentlich durch Beförderung des Gewerbe- und Fabrikwesens große Verdienste. 1830 ward er zum Direktor der Kommerzdeputation und Brandversicherungskommission in Dresden und 1831 zugleich zum Präsidenten der interimistischen Landesdirektion ernannt. Als Regierungskommissar bei den konstitutionellen Landtagen seit 1831 bekundete er Beredsamkeit und Sachkenntnis. 1835 ward er zum Kreisdirektor in Dresden ernannt und erhielt gleichzeitig mit dem Charakter eines Wirklichen Geheimen Rats die Leitung der Abteilung für die gewerblichen Angelegenheiten im Ministerium des Innern. 1840 trat er als Minister des Kultus und Unterrichts in das Kabinett, in welcher Stellung er die königlich sächsische Akademie der Wissenschaften in Leipzig stiftete und das neue Reglement für die Gelehrtenschulen Sachsens etc. erließ. Nach seiner Entlassung 1848 behielt er noch eine Zeitlang die Aufsicht über die Kunstanstalten, zog sich aber 1853 auf sein Gut Neupouch bei Bitterfeld zurück, wo er 16. April 1865 starb. Er schrieb: »Die Demokratie in Deutschland« (Leipz. 1848); »Der Feldzug des Germanicus an der Weser 16 n. Chr.« (das. 1850); »Zur Vorgeschichte deutscher Nation« (das. 1852) und »Geschichte der Völkerwanderung« (das. 1858-64, 4 Bde.; neue Bearbeitung von F. Dahn, 1882). Vgl. v. Witzleben, Eduard v. W. (Leipz. 1866).

Wigalois, s. Wirnt von Gravenberg.

Wigamur (der Ritter mit dem Adler), der Held eines erzählenden ritterlichen Gedichts aus dem 13. Jahrh., das nach dem Muster von Wirnts »Wigalois« gedichtet ist, abgedruckt in Hagen und Büschings »Altdeutschen Gedichten« (Bd. 1). Vgl. Sarrazin, Wigamur (Straßb. 1879).

Wigan (spr. üiggän), Fabrikstadt in Lancashire (England), inmitten des Sohlen- und Eisenreviers, 25 km nordöstlich von Liverpool, mit (1881) 48,194 Einw. Baumwollwaren, gewürfelte Zeuge und Leinwand sind die wichtigsten Industrieprodukte; aber es gibt auch Eisen- und Messinggießereien, chemische Fabriken, Messerschmieden, Papier- und Kornmühlen.

Wigand, 1) Johannes, luther. Streittheolog, ein Hauptgegner der Richtung Melanchthons, in der Art des Heßhusius (s. d.) und Westphal (s. d. 1), mit welchen und gegen welche er in seinem wechselvollen Leben gefochten hat. Geboren 1513 zu Mansfeld, seit 1539 Luthers Schüler in Wittenberg, wirkte er bald als Professor der Theologie, bald als Prediger und Superintendent in Nürnberg, Wittenberg, Mansfeld, Magdeburg, Jena, Wismar, Braunschweig und Königsberg, wo er von Heßhusius 1575 zum Bischof von Pomesanien geweiht wurde und auch nach Vertreibung dieses seines alten Freundes 1577 Bischof von Samland wurde. Als protestantischer Doppelbischof ist er 21. Okt. 1587 gestorben.

2) Paul, Geschichtsforscher, geb. 20. Aug. 1786 zu Kassel, übernahm nach beendeten Rechtsstudien die Herausgabe der »Politischen Zeitung« in Kassel, gab sie aber 1807 infolge von Konflikten mit der französischen Behörde wieder auf, ward Prokurator zu Kassel, dann Friedensrichter zu Höxter und, als Höxter an Preußen kam, Assessor bei dem Land- und Stadtgericht daselbst. Infolge seiner »Geschichte der gefürsteten Reichsabtei Korvei« (Pyrmont 1819) erhielt er 1821 von der preußischen Regierung den Auftrag, die Urkundenschätze zu Korvei und einen Teil der Archive in Paderborn zu bearbeiten. Er hatte wesentlichen Anteil an der Stiftung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens (1824) und gründete als Organ desselben das »Archiv für Geschichte und Altertumskunde Westfalens« (Hamm 1826-27 und Lemgo 1828-38, 7 Bde.). Daneben veröffentlichte er: »Die Femgerichte Westfalens« (Hamm 1825), »Die Dienste« (das. 1828) und »Der korveische Güterbesitz« (Lemgo 1831). 1828 übernahm er im Verein mit Strombeck die Bearbeitung und Herausgabe der preußischen Provinzialrechte und erhielt bald darauf vom Justizministerium den Auftrag, die Provinzialgesetzbücher für den Oberlandesgerichtsbezirk Paderborn zu entwerfen. Als Frucht dieser Arbeiten erschienen: »Die Provinzialrechte der Fürstentümer Paderborn und Korvei in Westfalen« (Leipz. 1832, 3 Bde.) und »Die Provinzialrechte des Fürstentums Minden, der Grafschaften Ravensberg und Rietberg, der Herrschaft Rheda und des Amtes Reckenberg« (das. 1834, 2 Bde.). 1834 wurde er als Stadtgerichtsdirektor nach Wetzlar versetzt, wo er ebenfalls einen Verein für Geschichte und Rechtsaltertümer gründete, in dessen Namen er die »Wetzlarschen Beiträge für Geschichte und Rechtsaltertümer« (Wetzlar, Halle u. Gießen 1837-51, 3 Bde.) herausgab. Von seinen übrigen Schriften sind noch hervorzuheben: »Die korveischen Geschichtsquellen« (Leipz. 1841), »Traditiones corbejenses« (das. 1843) und »Denkwürdige Beiträge für Geschichte und Rechtsaltertümer, aus westfälischen Quellen« (Leipz. 1858). 1839 wurde W. Mitglied der Kommission für Ordnung und Verwaltung des ehemaligen Reichskammergerichtsarchivs. Seine dadurch veranlaßten »Denkwürdigkeiten« (Leipz. 1854) enthalten wichtige Beiträge für deutsche Staats- und Rechtsgeschichte. Er starb 4. Jan. 1866 in Wetzlar.

3) Albert, Botaniker, geb. 21. April 1821 zu Treysa in Kurhessen, studierte zu Marburg und beschäftigte sich bis 1845 an der Universität in Berlin vorzugsweise mit Botanik und Zoologie, dann 1846 in Jena mit mikroskopischer Botanik. 1846 ha-^[folgende Seite]