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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wildschur; Wildschwein; Wildspitze; Wildstrubel; Wildungen; Wileika; Wilhelm

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Wildschur - Wilhelm.

Wildschur (poln.), s. v. w. Wolfspelz.

Wildschwein, s. Schwein, S. 740.

Wildspitze, höchster Gipfel der Ötzthaler Alpen in Tirol, 3776 m hoch, wird von Vent über die Breslauer Hütte bestiegen und bietet eine prachtvolle Fernsicht.

Wildstrubel, eins der Berghäupter im westlichen Flügel der Berner Alpen (3266 m), durch Rawyl- und Gemmipaß abgesondert, erhebt sich als firnbelastete Masse im Hintergrund des obern Simmenthals, in dessen Tiefe der Badeort An der Lenk liegt. Nach diesem Thal zu wendet sich der Räzligletscher, während der Lämmerengletscher zum Dubensee (s. d.) niedersteigt. Ein kräftiger Ausläufer endet am Thuner See mit dem Niesen (2366 m), der eine großartig-liebliche Aussicht bietet. Wie ein Seitenstück zum W., aber zwischen Rawyl- und Sanetschpaß aufgebaut, verhält sich das Wildhorn (3268 m). Westlicher folgen die Diablerets (s. d.) und als Schlußpfeiler, hoch über dem Rhône aufragend, die Dent de Morcles (2938 m).

Wildungen, Badeort, s. Niederwildungen.

Wildungen, Ludwig Karl Eduard Heinrich Friedrich von, Forst- und Jagdschriftsteller, geb. 24. April 1754 zu Kassel, studierte in Halle und Marburg Rechtswissenschaft, war 1778-80 Gesellschafter des Fürsten von Nassau-Usingen, dann Regierungsrat in Wiesbaden, Rinteln und Marburg. Nachdem er durch mehrere Kommissorien mit dem Forstwesen in Berührung gekommen war, wurde er 1799 zum Oberforstmeister in Marburg ernannt. Er starb 15. Juli 1822. Sein Name ist durch seine Gelegenheitsgedichte, welche mit einer hohen Frische der Empfindung einen schlagenden Witz und große Formgewandtheit verbinden, auf uns gekommen. Seine »Lieder für Forstmänner und Jäger« (Leipz. 1788; neue Sammlung, Altona 1816), sein »Neujahrsgeschenk für Forst- und Jagdliebhaber« (Marb. 1794-99) und sein »Taschenbuch für Forst- und Jagdfreunde« (das. 1800-1812) gehören zu den besten Blüten der schalkhaften deutschen Dichtung. 1815-19 und 1821 gab W. ein Taschenbuch: »Weidmanns Feierabend«, heraus (Marb.). »Gesammelte Schriften« Wildungens gab Sametzki (Kassel 1878-79, 3 Bde.) heraus.

Wileika, Kreisstadt im russ. Gouvernement Wilna, an der Wilija, Knotenpunkt der Eisenbahnen St. Petersburg-Warschau und W.-Romny, mit (1885) 4012 Einw.

Wilhelm (franz. Guillaume, engl. William), männl. Name, bedeutet: der mächtige Beschützer. Die hervorragendsten Träger desselben sind:

Übersicht nach den Ländern:

Deutsche Könige und Kaiser 1-3

Baden 4 u. 5

Bayern 6

Braunschweig 7

England 8-11

Hessen 12-15

Lippe 16

Mecklenburg 17

Meißen 18-20

Niederland 21-27

Österreich 28

Poitiers 29

Preußen 30

Württemberg 31-33.

[Deutsche Könige und Kaiser.] 1) W. von Holland, deutscher König, geb. 1227, der Sohn des Grafen Florens IV. von Holland, folgte 1235 dem Vater in der Grafschaft und wurde nach dem Tode des Gegenkönigs Heinrich Raspe, als sich kein andrer deutscher Fürst bereit finden lassen wollte, den Kampf gegen das staufische Haus aufzunehmen, 3. Okt. 1247 von der päpstlichen Partei zum König gewählt und 1. Nov. 1248 in Aachen, das er nach langwieriger Belagerung erst erobert hatte, von dem Erzbischof von Köln gekrönt, mußte aber, da die meisten Fürsten teils für Friedrich II. sich erklärten, teils gar keinen König wollten, ohne etwas ausrichten zu können, nach Holland zurückkehren. Erst nachdem Friedrich II. 1250 gestorben und sein Sohn Konrad genötigt war, nach Italien zu eilen, um dieses für sich zu retten, gewann W. durch Gnadenbezeigungen und Belehnungen in Deutschland einigen Anhang und nach Konrads IV. Tod (1254) allgemeinere Anerkennung. Er führte darauf gegen Margarete von Flandern einen glücklichen Krieg und zog 1256 aus, um die rebellischen Friesen zu züchtigen, versank aber 28. Jan. auf diesem Feldzug mit seinem Pferd in einem Sumpf, und erst 1282 wurde sein Leichnam in demselben aufgefunden und nach Middelburg gebracht. Vermählt war er (seit 1252) mit Elisabeth von Braunschweig. Vgl. Meerman van Dalem, Geschichte des Grafen W. von Holland (a. d. Holländ., Leipz. 1787-88, 2 Bde.); Ulrich, Geschichte des römischen Königs W. von Holland (Hannov. 1882); Hintze, Das Königtum Wilhelms von Holland (Leipz. 1885); Hasse, König W. von Holland (Straßb. 1885).

2) W. I. Friedrich Ludwig, deutscher Kaiser und König von Preußen, der zweite Sohn Friedrich Wilhelms III. und der Königin Luise, Tochter des Herzogs Karl II. von Mecklenburg-Strelitz, ward 22. März 1797 zu Berlin geboren. Am 1. Jan. 1807, in der Unglückszeit nach der Katastrophe von Jena, ward er zum Offizier ernannt. Seine Erziehung (durch Delbrück und den Hauptmann v. Reiche) war eine treffliche; der Prinz zeigte schon früh einen klaren, praktischen Verstand, große Ordnungsliebe und einen gesetzten, ernsten, zuverlässigen Charakter und glich darin sehr seinem Vater, während er an geistiger Begabung und Regsamkeit seinem ältern Bruder, Fritz (Friedrich Wilhelm IV.), nachstand. 1814 durfte er, zum Hauptmann ernannt, seinen Vater auf dem Feldzug in Frankreich begleiten, erwarb sich bei Bar sur Aube 26. Febr. das Eiserne Kreuz, zog 31. März mit in Paris ein, folgte den Monarchen auch beim Besuch in England und führte, 8. Juni 1815 konfirmiert und zum Major befördert, ein Bataillon des 1. Garderegiments von neuem nach Frankreich, wo indes der Krieg schon zu Ende war. Am 1. Jan. 1816 erhielt er das Kommando des Stettiner Gardelandwehrbataillons, 1818 als Generalmajor das Kommando einer Gardeinfanteriebrigade, 1. Mai 1820 den Oberbefehl über die 1. Gardedivision und 1825 als Generalleutnant die Führung des Gardekorps. Mit treuer Sorgfalt widmete er sich den Pflichten seiner militärischen Stellung und war mit Erfolg bemüht, in der langen Friedenszeit den militärischen Geist in den Truppen zu erhalten. Auch in Staatsangelegenheiten ward er vom König zur Beratung herangezogen. Wiederholt wurde er in Staats- und Familienangelegenheiten an den Petersburger Hof gesandt. Nachdem er 1826 auf die Heirat mit der Prinzessin Elise Radziwill, die er innig liebte, verzichtet hatte, weil sie Streit über die Erbfolge in der Dynastie hervorzurufen drohte, vermählte er sich 11. Juni 1829 mit der Prinzessin Auguste von Sachsen-Weimar, deren Schwester Maria die Gemahlin seines jüngern Bruders, Karl, war. Dieselbe gebar ihm 18. Okt. 1831 den Prinzen Friedrich Wilhelm und 3. Dez. 1838 die Prinzessin Luise (jetzige Großherzogin von Baden). Nach dem Tod seines Vaters 1840 erhielt er als präsumtiver Thronfolger seines Bruders Friedrich Wilhelm IV. den Titel »Prinz von Preußen« und wurde bald darauf zum General der Infanterie befördert. Bei dem Abbruch der Revolte 18. März 1848 war der Prinz zwar für Bewilligung einer