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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Windecken - Windflügel.

druckbremsen, bei welchen die Bremsung durch den Druck der Last selbst hervorgerufen wird (Bremsen von Weston, Becker etc.). Die Winden werden entweder von Menschen oder durch Dampf in Bewegung gesetzt (Dampfwinden). Häufig sind sie auch so eingerichtet, daß sie je nach Bedarf oder Gelegenheit entweder Menschen oder Dampfkraft aufnehmen können. Vgl. Ernst, Die Hebezeuge (Berl. 1883, 2 Bde.); Uhland, Die Hebeapparate (Jena 1882, 2 Tle.).

Windecken, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hanau, an der Nidder und an der Linie Friedberg-Hanau der Preußischen Staatsbahn, 118 m ü. M., hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Glockengießerei, Fabrikation von Feuerspritzen und (1885) 1481 Einw.

Windei, ein infolge von Kalkmangel in der Nahrung weichschaliges Vogelei, auch s. v. w. Mole (s. d.).

Windelband, Wilhelm, Philosoph, geb. 11. Mai 1848 zu Potsdam, studierte in Jena, Berlin und Göttingen anfangs Geschichte, hierauf (durch K. Fischers und Lotzes Einfluß bewogen) Philosophie und Naturwissenschaften, habilitierte sich 1873 zu Leipzig, wurde 1876 als ordentlicher Professor nach Zürich, 1877 nach Freiburg i. Br., 1882 nach Straßburg berufen, wo er gegenwärtig wirkt. Seine Hauptschriften sind: »Die Lehren vom Zufall« (Doktordissertation, Berl. 1870); »Über die Gewißheit der Erkenntnis« (Habilitationsschrift, das. 1873); »Geschichte der neuern Philosophie« (Leipz. 1878-80, 2 Bde.); »Präludien, Aufsätze und Reden zur Einleitung in die Philosophie« (Freiburg 1884); »Geschichte der alten Philosophie« (im »Handbuch der Altertumswissenschaft«, Bd. 5, Nördling. 1888).

Winden (Sichern, süddeutsch Verhoffen), das Einziehen der Luft mit hoch gehobenem, vorgestrecktem Kopf, wodurch das Wild den Geruch (Witterung) von einem ihm auffallenden Gegenstand zu erhalten sucht.

Winden, Volksstamm, s. Slowenen.

Windenartige Gewächse, s. Konvolvulaceen.

Winderhitzung. Die in Schmelzöfen zur intensiven Verbrennung des Brennstoffes oder zur kräftigen Oxydation dienende, mittels Gebläse (s. d.) erzeugte komprimierte Luft wurde früher immer in kaltem Zustand angewendet, bis 1828 Neilson zeigte, daß durch vorheriges Erhitzen derselben die Verbrennungstemperatur gesteigert und bei vermehrter Produktion eine bedeutende Ersparung an Brennstoff erzielt wird. Bei Oxydationsprozessen (Abtreiben des Bleies, Garmachen des Kupfers etc.) hat sich heiße Gebläseluft viel weniger vorteilhaft bewiesen als bei Reduktionsprozessen und namentlich beim Eisenhochofenprozeß. Sie begünstigt zwar die Reduktion der Kieselsäure, deren Silicium ins Roheisen übergeht und dessen Eigenschaften verschlechtert; aber durch Steigerung der Kalkzuschläge wird die Siliciumreduktion wesentlich vermindert und für viele Zwecke der Roheisenverwendung unschädlich gemacht. Dagegen trägt die erhitzte Luft noch zur Entfernung des Schwefels aus den Schmelzmaterialien durch die Schlacke bei und begünstigt die häufig wünschenswerte Reduktion von ins Roheisen eintretendem Mangan. Die Winderhitzungsapparate bestehen meist noch aus gußeisernen Röhren, welche in einem gemauerten Raum entweder horizontal liegen und durch Krümmlinge verbunden sind (Wasseralfinger Apparat), oder hosenbeinartig in Reihen nebeneinander auf zwei in einem gewissen Zwischenraum horizontal gelagerten weiten Röhren stehen (Hosenröhren-, Siphon-, Calder- oder schottischer Apparat). Letztere sind auch wohl durch Scheidewände in einzelne Abteilungen geteilt, die durch gekrümmte Röhren miteinander verbunden sind (Clarence-Apparat). Die Röhren werden meist durch die Gichtgase der Hochöfen von außen erhitzt, während die kalte Gebläseluft die Röhren durchzieht und sich erwärmt. Es läßt sich aber in gußeisernen Röhren die Temperatur des Windes zweckmäßig höchstens nur auf 500° C. bringen, weil darüber hinaus die Röhren porös und undicht werden, und man wendet daher neuerdings Ziegelapparate an, welche eine Erhitzung des Windes auf 800° C. und mehr gestatten. Bei diesen Apparaten ist nach dem Vorschlag von Cowper ähnlich wie bei dem Siemensschen Regenerativsystem ein von feuerfestem Mauerwerk eingeschlossener Raum mit feuerfesten Steinen gitterartig ausgesetzt. Durch die gebliebenen Öffnungen zwischen den Steinen läßt man seltener die heißen Feuergase von einer besondern Feuerung als die Gichtgase der Eisenhochöfen oder in eignen Öfen (Generatoren) erzeugte brennbare Gase (Generatorgase) ziehen, bis die Steine weißglühend geworden sind. Dann stellt man die Gase ab, führt sie in einen zweiten, kalten Regenerator behufs dessen Erhitzung und läßt nunmehr durch den ersten, glühenden Regenerator kalte Luft treten, welche sich in Berührung mit den weißglühenden Steinen auf die obige hohe Temperatur erhitzt. Ist der Generator bis zu einem gewissen Grad abgekühlt, so stellt man Gas- und Luftstrom wieder um. Dieser Apparat verstopft sich leicht durch die von den Feuergasen mitgerissenen Aschenteile, Teerdämpfe etc. und läßt sich auch schlecht reinigen; Whitwell hat daher den gemauerten Raum durch eine Anzahl feuerfester vertikaler Scheidewände in Abteilungen geteilt, in denen abwechselnd heiße Feuergase und zu erhitzende Gebläseluft in vorgedachter Weise zirkulieren. Zur möglichsten Verringerung der Reibung der Luft läßt man dieselbe nicht eine Abteilung nach der andern, sondern gleichzeitig mehrere derselben in auf- und absteigender Richtung durchziehen.

Windermere (spr. mihr), der größte und schönste See Englands, auf der Grenze zwischen Lancashire und Westmoreland, 17½ km lang, 1½ km breit und über 73 m tief. An seinem obern Ende liegt Ambleside, am östlichen Ufer Bowneß, am untern Ende, wo der Leven den See verläßt, Newby Bridge. Nur an seinem obern Ende erreichen die Berge eine bedeutende Höhe; den größern Teil des Ufers umgeben üppig grüne Hügel und zahlreiche Landsitze.

Windfahne (Wetterfahne), Instrument, durch welches die Richtung des Windes bestimmt wird. Im wesentlichen besteht die W. aus einer Platte, welche in einer vertikalen Ebene so befestigt ist, daß sie der Wind durch den Stoß gegen ihre größern Flächen um eine vertikale Achse dreht. Der leichtern Beweglichkeit wegen gibt man der W. eine solche Form, daß ihr Schwerpunkt nahe in die Drehungsachse zu liegen kommt. Um die starken Schwankungen zu verhindern, benutzt man statt eines Blechs zwei in einem Winkel von 30-45° zusammengefügte Platten, wobei eine diesen Winkel halbierende gerade Linie die Richtung des Windes angibt. Zweckmäßig ist es, unter der W. ein festes, nach den Himmelsgegenden orientiertes Kreuz anzubringen, damit die Stellung der W. unmittelbar auf die Himmelsgegenden bezogen werden kann.

Windfall, s. Windbruch.

Windfang, s. Regulator.

Windfege, s. Getreidereinigungsmaschinen.

Windflügel, s. Regulator.