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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Windprotest; Windrad

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Windprotest - Windrad.

die Patienten vor nachteiligen Einflüssen bewahren, sie im Zimmer halten und die Diät regulieren.

Windprotest, s. Platzprotest.

Windrad (Windmühle, Windmotor), mechanischer Apparat zur Nutzbarmachung des Druckes der bewegten Luft (Wind). Der arbeitende Teil des Windrades sind die Windflügel, d. h. radial zu einer horizontalen oder geneigten Achse aufgesetzte Flächen, welche derartig schief gegen die Windrichtung gestellt werden, daß bei hinlänglich starkem Druck des Windes eine Drehung der Achse erfolgt. In der Regel werden 4-6 Flügel auf der Achse angebracht; sie bestehen entweder aus Brettern oder aus segelartig ausgespannten Leinenstreifen. Da die Flügel nicht in einer Ebene, sondern geneigt oder mit windschiefen Flächen angeordnet sind, so wird ein Teil des wirkenden Luftdrucks die Drehung des Rades bewirken. Die ältern Windräder werden eingeteilt in deutsche Windräder, welche mit dem zugehörigen Gebäude um einen vertikalen Ständer, den Hausbaum, drehbar sind und sich so in die passendste Windrichtung einstellen lassen, und in holländische Windräder mit unbeweglichem Gebäude und drehbarem Dach, der sogen. Haube. Erstere führen auch den Namen Bockwindmühlen wegen der bockartigen Absteifung des Hausbaums mittels starker Streben. Die Ausbildung dieser ältern Systeme der Windräder datiert vornehmlich aus dem 18. Jahrh., in welchem sich außer den praktischen Mühlenbauern viele hervorragende Gelehrte, wie Smeaton, Euler und Coulomb, mit der Theorie der Windräder beschäftigten. Mit der Einführung der Dampfmaschine und der Ausbildung der Wasserräder und Turbinen verloren die Windräder an Bedeutung, da die namentlich im Binnenland beschränkte Zahl der Windtage (ca. 150 im Jahr) und die Unregelmäßigkeit des Betriebs ihre Verwendung nur da gestatteten, wo eine kürzere oder längere Sistierung keine erheblichen Nachteile mit sich führte. Ihre hauptsächlichste Verwendung fanden demnach die Windräder zum Betrieb der Mahlmühlen und der Pumpwerke für die Trockenlegung versumpfter oder überschwemmter Ländereien. Die holländischen Windräder haben in diesem Jahrhundert einige Verbesserungen erfahren, namentlich durch Anbringung selbstthätig wirkender Vorrichtungen zur Einstellung der Räder in die passende Windrichtung und einzelner, aber ziemlich komplizierter und kostspieliger Apparate zur Regulierung des Ganges bei veränderlicher Windstärke; im großen und ganzen finden jedoch diese Verbesserungen nur eine beschränkte Anwendung, so daß das W. allgemein und zwar nicht nur wegen der Natur der treibenden Kraft als der unvollkommenste Motor bezeichnet wird. Dagegen ernteten die durch die Philadelphiaer Ausstellung 1876 bekannt gewordenen neuern amerikanischen Windräder als Motoren für kleinere Betriebskräfte allgemeinstes Lob. Durch wesentliche Reduktion des Gewichts der arbeitenden Teile bei genügender Widerstandsfähigkeit derselben sowie durch geschickte, die Reibung erheblich vermindernde Lagerung der Achse kann das amerikanische W. bei erheblich geringerer Geschwindigkeit der bewegten Luft, wo bei den ältern Windrädern der Betrieb, bez. eine nutzbare Arbeit nicht möglich war, noch durchaus vorteilhaft arbeiten, wenn auch hierbei selbstverständlich die Leistung niedriger ausfällt als bei günstigster Windstärke. Ferner gestatten die amerikanischen Windräder eine Fortsetzung des Betriebs bei viel stärkerer Windgeschwindigkeit, als dies bei unsern Windrädern möglich ist, weil sie mit zunehmender Windgeschwindigkeit durch selbstthätige Schrägstellung die dem Wind ausgesetzte Fläche derart verringern, daß ihre Umdrehungszahl für verschiedene Windgeschwindigkeiten dieselbe bleibt. Sie stellen sich ferner automatisch in die passendste Windrichtung ein. Fig. 1

^[Abb.: Fig. 1. Windrad mit festen Flächen.]

^[Abb.: Fig. 2 u. 3. Windrad mit beweglichen Sektoren.]

^[Abb.: Fig. 2. Vorderansicht im Betrieb.]

^[Abb.: Fig. 3. Seitenansicht in Ruhestellung.]