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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wintergarten - Winterlingen.

geschieden war und die Tonkunst zu seiner ausschließlichen Beschäftigung gemacht hatte. Er starb 19. Febr. 1852. Von seinen Werken sind hervorzuheben: »Johannes Pierluigi von Palestrina« (Bresl. 1832); »Johannes Gabrieli und sein Zeitalter« (Berl. 1834, 3 Bde.); »Martin Luthers deutsche geistliche Lieder, nebst den während seines Lebens dazu gebräuchlichen Singweisen« (Leipz. 1840); »Der evangelische Kirchengesang und sein Verhältnis zur Kunst des Tonsatzes« (das. 1843-47, 3 Bde.); »Über Herstellung des Gemeinde- und Chorgesangs in der evangelischen Kirche« (das. 1848); »Zur Geschichte heiliger Tonkunst« (das. 1850-52, 2 Bde.).

3) Adolf von, Schriftsteller und dramat. Dichter, geb. 9. Dez. 1824 zu Alt-Ruppin, wurde 1844 Offizier im 2. Kürassierregiment, das zu Pasewalk in Garnison lag; 1850 kam er auf die Kriegsakademie zu Berlin, nahm aber nach Beendigung des dreijährigen Kursus seinen Abschied und widmete sich in Berlin litterarischen Arbeiten. 1861 wurde er zum Kammerherrn ernannt. Seine »Garnisongeschichten« (3. Aufl., Berl. 1861) in Versen, die in frisch-humoristischer Art die Freuden und Leiden des Kleingarnisonlebens schilderten, eröffneten seine litterarische Laufbahn. Es folgten: »Soldatenleid und Soldatenlust« (2. Aufl., Berl. 1857); »Manövergeschichten« (3. Aufl., das. 1863); »Spazierritt nach Jütland« (Schilderungen aus dem Feldzug gegen Dänemark 1848, das. 1864); »Humoresken für Sofa und Eisenbahnkoupee« (das. 1868-78, 10 Bde.); »Humoristische Soldatennovellen« (13 Bde.) und »Neue humoristische Soldatengeschichten« (14 Bde.). Seinen ersten Romanen: »Geheimnisse einer kleinen Stadt« (Berl. 1863) und »Der stille Winkel« (das. 1865), ließ er bis in die neueste Zeit zahlreiche komische Romane nachfolgen. Auf dramatischem Gebiet schrieb W. die Lustspiele: »Der Winkelschreiber« (1868), »Die Memoiren der Frau von Krilwitz« (1874), »Der Hauptmann von Kapernaum« (1875), »Wenn Frauen weinen« (10. Aufl. 1878) u. a. Ein hübsches humoristisches Gedicht ist »Eine ausgegrabene Reitinstruktion« (Berl. 1881, 3. Aufl. 1883). Im Auftrag des Prinzen Karl von Preußen verfaßte W. die »Geschichte des ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem« (Berl. 1859). Außerdem lieferte er auch eine Verdeutschung von Burns' Gedichten (Berl. 1860), ausgewählter Gedichte des Schweden Bellman (das. 1856) und der Gedichte des Königs Karl XV. von Schweden (das. 1866). Er starb 8. Nov. 1889 in Berlin.

Wintergarten, ein großes Gewächshaus, ganz oder zum großen Teil aus Glas, oder ein großer, heller Saal mit Einrichtungen für Pflanzenaufstellungen. Außer der notwendigen Bedingung für das Pflanzenleben (s. Gewächshäuser) kommt es im W. besonders auf ästhetische Aufstellung und reiche Blumendekoration an. Der Salonwintergarten, welcher oft Teil eines Wohnhauses ist und als Salon benutzt wird, gestattet nur geringe Abwechselung, kann aber eleganter eingerichtet werden und dient bisweilen auch als Restauration. Im Glashauswintergarten macht sich die malerische Anordnung geltend; man findet darin aufsteigende Wege, Hügel, Felsen, Bäche mit Wasserfällen, oft ein natürlich geformtes Wasserbecken etc. Die Temperatur muß für Menschen zur Zeit des Besuchs angenehm, im allgemeinen für die Pflanzen günstig sein. Dieses wird besonders durch ein subtropisches künstliches Klima erreicht, welches die Aufnahme der tropischen Pflanzen, besonders Palmen, aber auch derer aus kühlern Gegenden, wie Neuseeland, Australien, Japan, Südchina u. a., gestattet. Es ist zweckmäßig, den W. vom Wohnhaus zu trennen und nur durch Gänge oder ein niedriges Nebengebäude mit jenem zu verbinden; denn das Glashaus, wäre es auch noch so architektonisch schön, paßt nie zum Wohngebäude, nimmt einer ganzen Seite des Hauses die Fenster weg und schadet durch feuchte Luft. Den größten derartigen W. besitzt der König von Holland in Laeken. Angenehmer und günstiger sind die Wintergärten auf dem Dach, wie der König Ludwigs II. von Bayern im Residenzbau zu München. Große Städte haben Wintergärten mit Restaurationen, so in Deutschland der »Palmengarten« in Frankfurt a. M., die »Flora« in Charlottenburg und Köln. Den ersten öffentlichen W. legte Kroll 1840 in Breslau an. Vgl. Jäger, Zimmer- und Hausgärtnerei (3. Aufl., Hannov. 1883), und die im Art. Gewächshäuser angegebenen Werke.

Wintergewächse, s. v. w. zweijährige Pflanzen; s. Einjährig.

Wintergrün, Pflanzengattung, s. v. w. Vinca.

Wintergrünöl (Gaultheriaöl), s. Gaultheria.

Winterhalter, Franz Xaver, Maler, geb. 20. April 1805 in dem Dorf Menzenschwand bei St. Blasien im Schwarzwald, bildete sich anfangs in Freiburg zum Kupferstecher aus, wandte sich dann unter Stieler in München der Porträtmalerei zu, mußte daneben aber des Broterwerbs wegen als Lithograph thätig sein. Nachdem er 1828 nach Karlsruhe übergesiedelt war und ein treffliches Porträt des Großherzogs Leopold sowie seiner Gemahlin Sophie gemalt hatte, wurde er Hofmaler und erhielt die Mittel, sich auf Reisen in Paris und Italien weiter auszubilden. Der Aufenthalt in Italien lieferte ihm die Motive zu einer Reihe von Genrebildern, welche durch Glanz der Farbe und Anmut der Auffassung großen Beifall fanden. Die hervorragendsten derselben sind: das Mädchen von Ariccia, das Dolce far niente, eine Fischerfamilie in der Mittagsglut, das Dekameron (eine Mädchengruppe), Brunnenszene bei Neapel. Später widmete er sich ganz der Porträtmalerei und wurde der bevorzugte Maler der europäischen Fürstenfamilien, besonders seitdem ihm König Ludwig Philipp von Frankreich (1839) und dessen Gemahlin Amalia (1842) gesessen hatten. Nach England berufen, malte er das Gruppenbild der königlichen Familie auf der Terrasse zu Windsor. Auch Napoleon III. wandte ihm seine volle Gunst zu. Vielfache Verbreitung im Stich fand besonders das Bild, welches die Kaiserin Eugenie im Kreis ihrer Hofdamen darstellt. W. malte auch verschiedene Glieder der österreichischen Kaiserfamilie, den König und die Königin von Belgien, den König Wilhelm I. von Preußen und seine Gemahlin in Lebensgröße, den Kaiser Maximilian von Mexiko u. seine Gemahlin sowie andre Notabilitäten. In seinen Bildnissen legte er das Hauptgewicht auf die Eleganz der äußern Erscheinung und die Feinheit der Durchführung, während er auf Tiefe und Kraft der Charakteristik verzichtete. Er starb 8. Juli 1873 in Frankfurt a. M.

Winterknospen, s. Überwinterungsknospen.

Winterkönig, Vogel, s. v. w. Zaunkönig.

Winterkönig, spottweise Bezeichnung für Friedrich V. von der Pfalz (s. Friedrich 48) in Bezug auf dessen wenig mehr als einen Winter dauerndes böhmisches Königtum (1619-20).

Winterkurorte, s. Klimatische Kurorte, S. 846.

Winterling, s. Eranthis.

Winterlingen, Dorf im württemberg. Schwarzwaldkreis, Oberamt Balingen, 787 m ü. M., hat eine evang. Kirche, Seiden- und Stickereifabrikation und (1885) 2061 Einw.