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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Witteboom; Wittekind; Wittekindsberg; Wittelsbach; Witten; Wittenberg

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Witteboom - Wittenberg.

Witteboom, Name eines weißen Kapweins.

Wittekind, Solbad bei Giebichenstein, 2 km von Halle, in einer geschützten seitlichen Ausbuchtung des Saalthals gelegen, 70 m ü. M., hat eine Solquelle von 12,5° C., welche innerlich und äußerlich bei Skrofulose, Frauenkrankheiten, alten Ausschwitzungen, chronischen Schleimhautkatarrhen etc. gebraucht wird.

Wittekind, s. Widukind.

Wittekindsberg, s. Wesergebirge.

Wittelsbach, altes berühmtes Dynastengeschlecht, aus dem das jetzige bayrische Königsgeschlecht entsprossen ist. Sein Ahnherr war Markgraf Liutpold von Bayern (gest. 907), dessen Sohn Arnulf der Böse 919 die Hand nach der deutschen Kaiserkrone ausstreckte, sich aber mit dem Herzogtum Bayern begnügen mußte. Nach dessen Tod 937 verlieh Otto I. das Herzogtum dem Oheim des Verstorbenen, Berthold, um es, als dieser 945 starb, dem eignen Bruder Heinrich, den er mit Arnulfs Tochter Judith vermählte, zu geben. Arnulfs ältester Sohn, Eberhard, war 938 vom Herzogtum Bayern ausgeschlossen worden; der jüngere, Arnulf (II.), wurde Pfalzgraf in Bayern, erbaute 940 die Burg Scheyern, und seine Nachkommen benannten sich nach dieser Burg. Otto V. verlegte 1124 die Residenz der Pfalzgrafen nach der Burg Wittelsbach bei Aichach. Otto VI., der sich auf Friedrichs I. Römerzügen ausgezeichnet hatte, erhielt 1180 das Herzogtum Bayern, wozu sein Sohn Ludwig I. 1214 die Pfalz erwarb. Sein Vetter, Pfalzgraf Otto VIII. von W., ist durch die Ermordung Philipps von Schwaben 1208 berüchtigt geworden; er wurde geächtet, 1209 erschlagen, die Stammburg W. von Herzog Ludwig I. selbst zerstört. Ihre Stätte bezeigen gegenwärtig eine Kirche und ein 50 Fuß hoher Obelisk. Das Haus W. teilte sich nach dem Tod Ludwigs II. des Strengen 1294 in die ältere Linie Pfalz und die jüngere Bayern. Letztere bestieg zweimal, mit Ludwig dem Bayern (1314-46) und Karl VII. (1742-45), den Kaiserthron, erlangte 1623 die Kurwürde, erlosch aber 1777 mit Maximilian Joseph. Die pfälzische Linie (näheres s. Pfalz) erhielt schon 1356 die Kurwürde, bestieg mit Ruprecht von der Pfalz (1400-1410) den Kaiserthron und teilte sich nach dessen Tod in die vier Linien: Kurpfalz, Oberpfalz, Simmern und Mosbach, von denen Oberpfalz 1443 und Mosbach 1499 erloschen. Die Kurlinie (Heidelberger Linie) starb 1559 mit Otto Heinrich aus, worauf die reformierte Linie Pfalz-Simmern folgte, die 1623 die Kur verlor, aber 1648 die achte erhielt. Sie erlosch 1685 mit Karl Ludwig. Nun folgte die Linie Pfalz-Neuburg, die sich 1569 von der Linie Zweibrücken losgelöst und 1614 Jülich und Berg erworben hatte; dieser die seit 1614 selbständige Linie Pfalz-Sulzbach, die 1777 mit Karl Theodor auch Bayern erbte, aber schon 1799 ausstarb. Die noch übrige Linie Pfalz-Zweibrücken, welche 1569 die Erstgeburt an Neuburg verlor, und seitdem den zweiten Namen Birkenfeld annahm, hatte 1654-1718 den schwedischen Thron inne, erbte 1799 Pfalz und Bayern und nahm 1806 den Königstitel an. Sie blüht noch jetzt in Bayern als königliche Linie (König Otto) und als herzogliche (Herzog Karl Theodor). Vgl. Böhmer, Wittelsbachische Regesten bis 1340 (Stuttg. 1854); Wittmann, Monumenta Wittelsbacensia (Urkundenbuch, Münch. 1857-61, 2 Tle.); Heigel, Die Wittelsbacher (das. 1880); Döllinger, Das Haus W. (das. 1880).

Witten, alte schwed. Silbermünze, s. Ör 1).

Witten, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Arnsberg, Landkreis Bochum, an der Ruhr, Knotenpunkt der Linien Langendreer-Löttringhausen, Steele-W., W.-Dortmund und Hagen-W. der Preußischen Staatsbahn, 96 m ü. M., hat eine evangelische und 2 kath. Kirchen, eine Synagoge, ein öffentliches Schlachthaus und (1885) 23,879 meist evang. Einwohner, welche Eisengießerei, Fabrikation von Maschinen, Gußstahl, Waffen, Dampfkesseln, Eisen-, Stahl- und Blechwaren, chemischen Produkten und Roburit betreiben; auch hat W. eine Eisenbahnhauptwerkstätte, Puddlings- und Walzwerke, Bergbau auf Steinkohlen, 2 große Glasfabriken, 2 Dampfmühlen, Bierbrauerei, Branntweinbrennerei, Steinbrüche, Getreidehandel etc. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts, zweier Bergreviere, einer Reichsbanknebenstelle und hat ein Realgymnasium und 2 Krankenhäuser. W. ist erst seit 1825 Stadt.

Wittenberg, Kreisstadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, an der Elbe, Knotenpunkt der Linien Halle-Berlin, Falkenberg-Roßlau und W.-Torgau der Preußischen Staatsbahn, 72 m ü. M., bis 1873 Festung, hat 3 Vorstädte, 2 evang. Kirchen (die Stadtkirche mit dem berühmten Lukas Cranachschen Gemälde: Abendmahl, Taufe und Beichte, und die 1490-99 von Friedrich dem Weisen erbaute, jetzt renovierte Schloß- oder Universitätskirche, an welcher Luther 31. Okt. 1517 seine 95 Sätze anschlug, die seit 1858 auf Metallthüren in Bronze eingegraben sind, mit zwei Bronzewerken Peter Vischers, den Grabstätten Luthers, Melanchthons, Friedrichs des Weisen und Johanns des Beständigen) und eine kath. Kirche. Von andern Gebäuden sind bemerkenswert: das Rathaus mit Cranachs bildlicher Darstellung der Zehn Gebote und andern Merkwürdigkeiten; das frühere Augustinerkloster mit der in ihrem alten Zustand erhaltenen Zelle Luthers; das sogen. Lutherhaus mit der 1883 eingeweihten Lutherhalle (mit einer Sammlung wertvoller Erinnerungszeichen an Luther und andre Reformatoren); die durch Gedenktafeln bezeichneten frühern Wohnhäuser Melanchthons und Lukas Cranachs, letzteres jetzt Apotheke. Auf dem Markt vor dem Rathaus steht das bronzene Standbild Luthers (von Schadow, seit 1822) und ihm gegenüber das Melanchthons (von Drake, seit 1866). Die ehemaligen Festungswerke sind jetzt abgetragen und zu schönen Anlagen umgewandelt. Vor dem Elsterthor ist die Stelle, auf welcher Luther 10. Dez. 1520 die päpstliche Bulle verbrannte, durch eine umgitterte Eiche bezeichnet. Die Zahl der Einwohner beläuft sich (1885) mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 20 und eine Abteilung Festungsartillerie Nr. 3) auf 13,865, meist Evangelische. Die Industrie beschränkt sich auf Tuch-, Malz-, Sprit- und Steingutfabrikation, Ziegelbrennerei, Bierbrauerei, Gemüsebau und Blumenzucht, besonders sehr bedeutende Anzucht von Maiblumenkeimen. W. hat einen Hafen; den Verkehr in der Stadt vermittelt eine Pferdebahn. Die Stadt ist Sitz eines Amtsgerichts und hat ein Predigerseminar, ein Gymnasium, eine Hebammenlehranstalt, ein Krankenhaus etc. - W., zuerst 1180 erwähnt, wurde unter Albrecht I. Residenz der Herzöge von Sachsen und blieb es für die Linie Sachsen-W. 1423 kam es mit Kursachsen an das Haus Wettin und erhielt 1441 eigne Gerichtsbarkeit. Die 1502 von Kaiser Maximilian I. errichtete Universität zählte bald gegen 600 Studierende und ward seit Luthers Auftreten für

^[Abb.: Wappen von Wittenberg.]