Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wittenberge; Wittenburg; Witterung; Witterungsherd; Witterungskunde; Wittgensdorf; Wittgenstein; Wittich

703

Wittenberge - Wittich.

lange Zeit der Hauptsitz der deutschen Aufklärung, nicht minder dann, als sich hier gegenüber dem orthodoxen Jena unter Melanchthons Einfluß jene mildere Auffassung behauptete, welche in der Abendmahlslehre schon in der Wittenberger Konkordienformel vom Mai 1536 zu Tage getreten war. In der Wittenberger Kapitulation (18. Mai 1547) trat Kurfürst Johann Friedrich sein Land nebst der Kurwürde an Herzog Moritz ab; 22. Mai ergab sich auf des entthronten Fürsten Rat die Stadt dem Kaiser, welcher sie schonend behandelte. Im Siebenjährigen Krieg wurde W. von den Preußen besetzt, vom 10.-14. Okt. 1760 aber durch die Österreicher und die Reichsarmee bombardiert, zum Teil eingeäschert und zur Kapitulation gezwungen. 1806 besetzten die Franzosen W. Napoleon I. ließ die noch vorhandenen Werke in Verteidigungszustand setzen und betraute 1813 den Marschall Victor mit dem Oberbefehl. Nach der Schlacht bei Dennewitz wurde W. vom Bülowschen Korps eingeschlossen; die eigentliche Belagerung begann aber erst nach der Eroberung von Torgau 28. Dez., worauf die Erstürmung 13. Jan. 1814 erfolgte. Der General Tauenzien, der diese Belagerung geleitet hatte, erhielt den Ehrennamen Tauenzien von W. Die Universität wurde 12. April 1815 mit der zu Halle vereinigt und dorthin verlegt. 1873 ist auch die Festung eingegangen. Vgl. Meyner, Geschichte der Stadt W. (Dess. 1845); K. Schmidt, W. unter Kurfürst Friedrich dem Weisen (Erlang. 1877); Schild, Die Sehenswürdigkeiten Wittenbergs (Wittenb. 1883).

Wittenberge, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Westpriegnitz, am Einfluß der Stepenitz in die Elbe, Knotenpunkt der Linien Leipzig-W., W.-Hamburg und Berlin-Buchholz der Preußischen Staatsbahn wie der Eisenbahn W.-Perleberg, 28 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Amtsgericht, eine Eisenbahnschwellen-Imprägnieranstalt, eine große Ölfabrik, Tuch-, Kunstwoll-, Shoddy-, Maschinen-, Seifen-, Kitt- und Korkfabrikation, Eisengießerei, eine Eisenbahnhauptwerkstätte, eine Dampfsägemühle, Schiffbau, Fischerei, Ziegelbrennerei, Glashandel, einen Hafen, Schiffahrt und (1885) 10,931 meist evang. Einwohner.

Wittenburg, Stadt in Mecklenburg-Schwerin, Kreis Mecklenburg, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht und (1885) 3444 fast nur evang. Einwohner.

Witterung, s. Wetter. Dann ist W. (besonders in der Jägerei) s. v. w. Geruch, den ein Gegenstand von sich gibt, und man bezeichnet damit auch stark riechende Körper selbst, womit man Tiere an einen Ort locken oder von demselben vertreiben kann (s. Verwittern).

Witterungsherd, Binnenlandfläche mit wenig Vegetation, welche auf die klimatischen Verhältnisse andrer, oft weit entfernter Gebiete den größten Einfluß ausübt, wie die Sahara, das innere Südamerika, Mittelasien, Nordamerika, Australien. Erstere drei beeinflussen besonders das Klima Europas.

Witterungskunde, s. Meteorologie.

Wittgensdorf, Pfarrdorf in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, Amtshauptmannschaft Chemnitz, an der Linie Chemnitz-Limbach der Sächsischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, Baumwollspinnerei, Strumpfwirkerei, Handschuhfabrikation, Bleicherei und (1885) 4464 Einw.

Wittgenstein, ehemals reichsunmittelbare Grafschaft im oberrheinischen Kreis, von den hessen-darmstädtischen Ämtern Battenberg und Biedenkopf, dem Fürstentum Nassau Dillenburg und dem Herzogtum Westfalen begrenzt, umfaßt 487 qkm (8,8 QM.) mit 16,000 Einw. und bildet jetzt die beiden Standesherrschaften W.-Wittgenstein und W.-Berleburg. Die Grafen von W. und Battenberg werden zuerst 1174 genannt und scheinen gleichen Ursprungs wie die von Solms zu sein. Seit 1223 sind sie Lehnsleute des Erzstifts Mainz. Bei der Teilung der Besitzungen zu Ende des 13. Jahrh. entstand die eigentliche Linie W., welche 1359 im Mannesstamm erlosch, worauf die Grafschaft an den Grafen Salentin von Sayn fiel (s. Sayn und Wittgenstein).

Wittgenstein, Ludwig Adolf Peter, Fürst, geb. 5. Jan. 1769 zu Njeshin, widmete sich, wie sein Vater Graf W., welcher unter der Kaiserin Elisabeth nach Rußland eingewandert war und sich bis zur Stellung eines Generalleutnants hinaufgedient hatte, dem Kriegsdienst. Er nahm teil an den militärischen Operationen in Polen 1795, wo er bei Dubenka, Chelm und Otwlenka mit Auszeichnung kämpfte. Hierauf war er im Kaukasus thätig und that sich bei der Einnahme von Derbent hervor. 1805 kämpfte er bei Austerlitz in der Avantgarde. 1806 nahm er am türkischen Krieg teil; hierauf focht er bei Friedland. Nach dem Frieden von Tilsit wurde ihm die Verteidigung der von den Russen in Finnland besetzten Gebiete aufgetragen. 1812 erhielt W. den Auftrag, die Ufer der Düna gegen die Franzosen zu verteidigen. Er nötigte bei Kljastizy und bei Golowtschizy die Franzosen zurückzuweichen (Juli); in der letztern Schlacht wurde er verwundet. Seine Erfolge sicherten St. Petersburg vor einem etwanigen Angriff der Franzosen. Im Oktober verdrängte er Saint-Cyr aus Polozk und siegte hierauf 30. Okt. bei Tschaschniki. W. besetzte 6. Jan. 1813 Königsberg, 10. März Berlin, welches er durch den Sieg bei Möckern vor einem Angriff Murats schützte, und übernahm nach Kutusows Tode den Oberbefehl über die verbündete Armee, wurde aber bei Großgörschen und Bautzen besiegt. Er legte daher den Oberbefehl nieder, befehligte fortan das russische Korps in der böhmischen Armee, nahm energischen Anteil an den Schlachten bei Dresden und Leipzig und an der Verfolgung der Franzosen; bei Bar sur Aube (27. Dez. 1814) wurde er schwer verwundet. W. genoß in Rußland eine sehr große Popularität und war Gegenstand unzähliger Ovationen. 1818 ward er Mitglied des Reichsrats, 1823 Feldmarschall. Zu Anfang des türkischen Feldzugs 1828 nahm er an den Operationen teil, mußte aber 1829 wegen zerrütteter Gesundheit seinen Abschied nehmen. 1834 verlieh ihm der König von Preußen den Fürstentitel. Er starb 11. Juni 1843 in der Nähe von Lemberg.

Wittich, Friedrich Wilhelm Ludwig von, preuß. General, geb. 15. Okt. 1818 zu Münster in Westfalen, erhielt seine Erziehung im Kadettenkorps, trat 1835 als Sekondeleutnant in die Armee, ward 1844 Adjutant bei der 2. Division, 1852 beim Generalkommando des 5. Korps, 1857 Major und in den Generalstab der 9. Division, 1861 in den des 5. Korps versetzt. 1863 ward er Chef des Generalstabs des 2., 1864 des 5. Armeekorps. Als Oberst machte er in dieser Stellung den Krieg von 1866 mit großer Auszeichnung mit, erhielt den Orden pour le mérite und ward 1868 Generalmajor und Kommandeur der 49. Infanteriebrigade in der hessischen Division, welche er 1870 in den Schlachten bei Gravelotte und Noisseville befehligte. Im September erhielt er, zum Generalleutnant ernannt, das Kommando der 22. Division, an deren Spitze er die mühsamen und ruhmvollen Operationen an der Loire und gegen Le Mans vom Oktober 1870 bis Januar 1871 mitmachte. Ende