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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wohnungsfrage; Wohnungsrecht; Wohnungssteuer; Woilach; Woiwod

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Wohnungsfrage - Woiwod.

Völker, von Süden oder Osten her ein noch niedrigerer, langer und schmaler Gang führte, durch welchen man nur kriechend gelangen konnte. Die in Deutschland, in der Schweiz und in Frankreich nachgewiesenen Mardellen oder Trichtergruben sind nach Hartmann als Unterbauten von prähistorischen Wohnungen oder als Aufbewahrungsräume für Vorräte aufzufassen. Zum Typus der Grubenwohnungen gehören auch die Penpits (s. d.) oder Pitsteades sowie die zum Teil aus Steinen erbauten Weems Großbritanniens. Dagegen stehen die künstlich hergestellten Höhlenwohnungen Nordschottlands, welche sich von den großen Grabhügeln äußerlich kaum unterscheiden und im Innern eine Anzahl von um einen gemeinsamen Mittelraum gruppierten Kammern enthalten, auf der Oberfläche des Erdbodens. Die Penpits wie die Weems und die schottischen Höhlenwohnungen waren nach Lubbock während der Bronzezeit bewohnt; dagegen gehören die Bienenkorbhäuser Großbritanniens, die ihren Namen ihren dicken, bienenkorbartigen Erdmauern verdanken, zum Teil noch der Steinzeit an. Wohl mehr als Befestigungen denn als Wohnungen sind die Brochs oder Türme der Shetland- und Orkneyinseln sowie die Nurhagen der Insel Sardinien aufzufassen. Betreffs der auf dem Wasser oder in Sümpfen errichteten vorgeschichtlichen Wohnungen vgl. Pfahlbauten und Terramaren.

Wohnungsfrage, die Frage, wie der besonders in großen Städten infolge starken und raschen Anwachsens der Bevölkerung in Verbindung mit starker Erhöhung der Grundrente entstandenen Wohnungsnot abzuhelfen ist. Die W. ist wegen des großen Einflusses, welchen die Wohnung auf Gesundheit, Sittlichkeit und Familienleben ausübt, von hoher Bedeutung für die Gesamtheit. Hieraus erwächst die Verpflichtung für die öffentliche Gewalt, regelnd einzugreifen, sobald die private Spekulation sich als unzureichend erweist. Eine solche Regelung ist schon von baupolizeilichen Gesichtspunkten aus nicht zu vermeiden, und es sind allgemeine Vorschriften nötig, welche sich auf Sicherheit der Anlage, Abhaltung von Gefahren für die Gesundheit, dann auf allgemeine im Interesse des Verkehrs liegende Ordnungsverhältnisse beziehen (vgl. Baurecht). Allenfalls ist auch bei vorhandenen Wohnungen und Straßen ein Einschreiten erforderlich, indem eine im Gesamtinteresse liegende gleichmäßige Regelung an wohlerworbenen mannigfaltigen Einzelinteressen scheitert. Man hat deswegen auch gefordert, daß, wie dies in einzelnen Ländern schon der Fall, der Staatsgewalt oder auch den Gemeinden die Befugnis zur Enteignung von Häusern zugestanden werde, wenn aus Gründen der Gesundheit, Reinlichkeit etc. eine Abtragung erforderlich sei. Ferner kommen die Maßregeln in Betracht, durch welche Staat und Gemeinde mittelbar auf angemessene und billige Befriedigung des Wohnungsbedürfnisses und Erstellung brauchbarer Wohnungen für die mittlern und untern Klassen hinwirken können, wie Förderung der Baugenossenschaften (vgl. Genossenschaften, S. 106), Gewährung billiger Darlehen für Neubauten, welche bestimmten gestellten Anforderungen entsprechen, Sorge für billige Verkehrsmittel, welche außerhalb der Zentren großer Städte zu wohnen gestatten, etc. Eine ausgedehntere Gesetzgebung, welche die W. berührt, besitzt England seit 1851, so über Einrichtung von Logierhäusern für Arbeiter, über Beseitigung einzelner ungesunder Wohnungen, über Säuberung ganzer Flächen, welche mit ungesunden Wohnungen und Winkeln bedeckt sind, über Gewährung von Darlehen zur Erstellung von Wohnungen, Einstellung von sogen. Arbeiterzügen (Parlamentszügen) u. dgl. Meistens wird es sich, wo es eine W. zu lösen gilt, um Wohnungen von Arbeitern, insbesondere von Arbeitern der Großindustrie, handeln (vgl. hierüber Arbeiterwohnungen). Von der reichhaltigen Litteratur über die W. führen wir außer den unter Artikel Arbeiterwohnungen genannten Schriften noch an: Gaebler, Idee und Bedeutung der Berliner gemeinnützigen Baugesellschaft (Berl. 1848); »Die W.«, herausgegeben vom Zentralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen (das. 1866); Lette, Die W. (2. Aufl., das. 1871); Laspeyres, Der Einfluß der Wohnung auf die Sittlichkeit (das. 1869); Faucher, Über Häuserbauunternehmung im Geiste der Zeit (das. 1869); Ernst v. Plener, Englische Baugenossenschaften (Wien 1873); Assmann, Die Wohnungsnot in Berlin (Berl. 1873); Engel, Die moderne Wohnungsnot (Leipz. 1873); Arminius, Die Großstädte in ihrer Wohnungsnot (das. 1874); v. d. Goltz, Die Großstädte in ihrer Wohnungsnot und deren durchgreifende Abhilfe (das. 1874); »Die Wohnhäuser der Bau- und Spargenossenschaft Arbeiterheim« (Münch. 1875); Schülke, Gesunde Wohnungen (Berl. 1879); Hansen, Die Wohnungsverhältnisse in den größern Städten (Heidelb. 1883); »Gutachten und Berichte«, herausgegeben im Auftrag des Vereins für Sozialpolitik (Bd. 30 u. 31, Leipz. 1886); Aschrott, Die englische Wohnungsgesetzgebung (in Schmollers »Jahrbüchern«, Bd. 9); Feld, Die Wohnungsnot der ärmern Klassen (Hamb. 1889); endlich die Schrift einer Lehrerin, welche sich in London durch praktische und uneigennützige Wirksamkeit um die W. hohe Verdienste erworben hat: Oktavia Hill, Homes of the London poor (neue Ausg., Lond. 1883; deutsch, Wiesb. 1878).

Wohnungsrecht (Habitatio), persönliche Dienstbarkeit (Servitut), vermöge deren dem Berechtigten die Befugnis zusteht, ein Gebäude oder einen Teil eines solchen unter Ausschluß des Eigentümers als Wohnung zu benutzen. Der Berechtigte ist befugt, seine Familie sowie die zur standesmäßigen Bedienung und Pflege erforderlichen Personen in die Wohnung zum Mitwohnen aufzunehmen.

Wohnungssteuer, s. Gebäudesteuer.

Woilach, große, wollene Pferdedecke, welche in der preußischen Armee, mehrfach zusammengefaltet, unter den Bocksattel als Polster gelegt wird.

Woiwod (Wojewode, poln. wojewoda, serb. vojvoda), wörtlich Heerführer, dem deutschen »Herzog« entsprechend, ursprünglich ein Anführer, der bei den alten Slawen für die Zeit eines Kriegs gewählt wurde, dann Titel, den die slawischen Völker Wahlfürsten, z. B. den Fürsten der Walachei und Moldau vor 1439 sowie den wählbaren Obersten der Regierung in Polen vor der Piastendynastie, zu geben pflegten. Später bezeichnete der Name im ehemaligen Königreich Polen die Statthalter in den Landschaften, in welche das Reich eingeteilt war, und die deshalb Woiwodschaften hießen. Die Woiwoden hatten anfangs keine zivilen, sondern nur militärische Funktionen, indem sie im Kriege gleich den Woiwoden der Serben den Adel ihrer Landschaft aufbieten und ins Feld führen mußten. Später wurden ihnen auch die Verwaltungsgeschäfte übertragen, und man pflegte nun den Titel W. mit Palatinus zu übersetzen und als gleichbedeutend zu nehmen. Da sie zugleich Sitz und Stimme im Senat hatten, wurden sie auch Senatoren genannt. Der Name Woiwodschaft wurde bis in die neuere Zeit auch im rus-^[folgende Seite]