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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wolfsbergit - Wolga.

Essig, Cellulose, Wagenfedern und Leder, ausgezeichneten Obstbau und Viehzucht und (1880) 2149 Einw.

Wolfsbergit, s. Kupferantimonglanz.

Wolfsbohne, Pflanzengattung, s. Lupine.

Wolfsfelle kommen aus Labrador und Maine, weniger groß und schön aus den von den Eskimo bewohnten Ländern, aus den Hudsonbailändern, Sibirien, Rußland, Polen, der Türkei, weniger aus Frankreich in den Handel, sie sind meist graubräunlich, doch auch weiß, schwarz und graublau. Man verarbeitet die bessern in Ungarn zu Pelzen, sonst auch zu Decken. Die schönsten weißen und schwarzen konsumiert die Türkei.

Wolfsgruben, 0,6-1,6 m tiefe, kegelförmige Gruben mit einem aufwärts gerichteten, oben zugespitzten Pfahl in der Sohle, werden schachbrettförmig auf dem Glacis oder im Vorterrain der Schanzen als Annäherungshindernis angelegt, doch zieht man in neuerer Zeit die wirksamern Drahthindernisse vor. W. auch s. v. w. Fallgruben.

Wolfshunger, s. v. w. Heißhunger.

Wolfskirsche, s. v. w. Atropa Belladonna.

Wolfsklauen, die an der Innenseite der Hinterläufe mancher Hunde befindlichen losen, verkümmerten Zehen mit Kralle, welche höher stehen als die übrigen.

Wolfsklee, s. Medicago.

Wolfskraut, s. Delphinium.

Wolfsmilch, Pflanzengattung, s. Euphorbia.

Wolfsmilchgewächse, s. Euphorbiaceen.

Wolfsohn, Wilhelm, dramat. Schriftsteller und Journalist, geb. 20. Okt. 1820 zu Odessa, studierte 1838-45 in Leipzig Philosophie und Philologie, trat litterarisch zuerst mit der Schrift »Die schönwissenschaftliche Litteratur der Russen« (Leipz. 1843) auf, der späterhin »Rußlands Novellendichter«, mit biographisch-kritischen Einleitungen (das. 1848-51, 3 Bde.), folgten. W. lebte einige Zeit in Petersburg, ließ sich 1850 in Dresden nieder, gab hier zuerst mit Prutz das »Deutsche Museum« heraus und begründete später die »Russische Revue«. Er starb 13. Aug. 1865 in Dresden. Als Dichter debütierte er mit den didaktischen Dichtungen: »Neues Laienbrevier« (Dessau 1851). Seine Dramen: »Zar und Bürger«, »Nur eine Seele«, »Die Osternacht« gingen mit Erfolg über zahlreiche Bühnen; namentlich »Nur eine Seele« gewann durch Dawisons geniale Darstellung der Hauptgestalt des Fürsten Michel dauernden Beifall. Sie erschienen gesammelt als »Dramatische Werke« (Dresd. 1857-59, 3 Bde.).

Wolfsrachen, s. Gaumenspalte.

Wolfstein, 1) Weiler mit Bergschloß bei dem Marktflecken Freiung, im bayr. Regierungsbezirk Niederbayern, hat ein Bezirks- und ein Forstamt und (1885) 36 Einw. - 2) Stadt im bayr. Regierungsbezirk Pfalz, Bezirksamt Kusel, an der Lauter und der Linie Kaiserslautern-Lauterecken der Pfälzischen Nordbahn, 181 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein schönes Rathaus, ein Amtsgericht, Quecksilbergruben, Buntweberei, Gerberei, Bierbrauerei, Kalkbrennerei und (1885) 1101 meist evang. Einwohner. In der Nähe die Ruinen der Schlösser Alt- und Neu-W.

Wolfszähne (Lückenzähne), bei Pferden die nicht gerade selten dicht vor dem ersten Backenzahn sich findenden kleinen Zähnchen, die sonst ganz bedeutungslos sind.

Wolga (tatar. Etil, Itil, Atel, die »Freigebige«, bei den Slawen Bolga oder W., bei den Alten Rha oder Oarus, (finn. noch jetzt Rau), der größte und wasserreichste Fluß des europäischen Rußland und Europas überhaupt, entspringt etwa 330 km vom Finnischen Meerbusen in der Nähe der Düna im Gouvernement Twer, im Wolchonskiwald, unweit des Dorfs Wolgino-Werchowija, westlich von der Kreisstadt Ostaschkow, durchfließt hierauf mehrere kleine Seen, nimmt dann die Selicharowka, den Abfluß des Seligersees, auf und wird für kleine Fahrzeuge schiffbar. Zwischen hohen Ufern setzt sie ihren obern Lauf in südöstlicher Richtung über Rshew bis Subzow fort, wo sie das wellenförmige Tiefland erreicht, welches sie 1700 km weit auf ihrem bis Kamyschin reichenden Mittellauf nicht wieder verläßt. Auf dieser weiten Strecke fließt sie erst ostwärts über Twer, wo sie für größere Fahrzeuge schiffbar wird, bewässert die Gouvernements Jaroslaw, Kostroma und Nishnij Nowgorod in einer anfangs nordöstlichen, dann südöstlichen Richtung und tritt darauf in das Gouvernement Kasan ein. Bei Kasan nimmt sie einen ganz südlichen Lauf an und fließt, durch die mächtige Kama verstärkt, an den Städten Simbirsk, Stawropol, Samara, Sysran, Chwalynsk, Wolsk und Jekaterinenstadt vorbei nach Saratow. Bei der Aufnahme der Samara durchbricht sie auf einer Strecke von 212 km die Ausläufer des Obschtschij Syrt und wird von dessen steilen Abfällen an ihrem rechten Ufer bis zur Stadt Sarepta begleitet, nachdem sie bei Kamyschin mit ihrem noch 690 km langen Unterlauf, auf dem ihr alle Nebenflüsse fehlen, auf Steppenboden getreten ist. Bei Sarepta wendet sich der Strom plötzlich gegen SO., wälzt sich zwischen durchweg flachen und niedrigen Ufern langsam in vielen Armen, deren erste bedeutende Spaltung bei Zarizyn beginnt, und deren nördlichster Achtuba heißt, ein Labyrinth von Sand- und Sumpfinseln, Schilf- und Wiesengründen bildend, durch den horizontalen Boden der salzigen Steppe und ergießt sich 74 km unterhalb Astrachan in einem 110 km breiten Delta mittels 8 Haupt- und fast 2^0 kleinerer Mündungsarme ins Kaspische Meer. Ein Arm der W., der sich oberhalb Astrachan abtrennt, heißt Bolda. Im Frühling bietet das Wolgadelta den Anblick einer weiten Wassermasse dar. Die Gesamtlänge des Stroms beträgt 3183 km. Unter den sehr zahlreichen und ansehnlichen Nebenflüssen der W. sind folgende die wichtigsten: auf der rechten Seite die Oka und die Sura, auf der linken Seite die Mologa, Kostroma, Unsha, Wetluga, Kama und Samara. Durch diese und mehr als 100 andre Nebenflüsse fallen 22 Gouvernements in das Stromgebiet des Riesenflusses, das im ganzen 1,458,894 qkm (26,495 QM.) umfaßt. Merkwürdig ist das geringe Gefälle des Stroms, das im ganzen nur 273 m beträgt. Die Breite der W. beträgt bei Twer gegen 215, bei der Mündung der Mologa 470, unterhalb der Mündung der Kama 1500 m und gegen ihre Mündung hin nahezu 8 km. Ihr Lauf ist regelmäßig und ruhig, aber zur Zeit des Schneeschmelzens richtet sie Überschwemmungen und Verwüstungen an. Diese reißen ihr bisweilen neue Betten, die, wenn sie Fluß behalten, Kleine Wolgen (Woloschki) genannt werden. Die verlassenen, mehr oder weniger stehenden Flußstrecken heißen Alter Fluß (Stariza), während man Saloni und Sawodi teils kurze Nebenarme des Hauptstroms, teils kleine Buchten oder Uferseen nennt, die mit ihm durch kurze, meist enge Mündungen zusammenhängen und als Sicherheits- und Landungsplätze von großer Wichtigkeit sind. Der Fluß hat eine Menge größerer und kleinerer Inseln (Ostrowa), völlig von der Beschaffenheit des Gestades, die bis auf die untersten bei