Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wolin; Wolke; Wolken

732

Wolin - Wolken.

durchzogen, deren Höhen 370-400 m erreichen, und auf denen viele Flüsse entspringen, so vornehmlich die Turia, der Styr, Goryn, Slutsch, Teterew nach N. und der Sbrutsch nach S. Im nördlichen, mit dichten Waldungen besetzten Teil erheben sich zwischen Sümpfen Sandstrecken in Gestalt kahler, länglicher Hügel. Der größte ununterbrochene Sumpf erstreckt sich von der Grenze des Grodnoschen Gouvernements bis zum Fluß Pripet in einer Ausdehnung von 1000 qkm und ist völlig unzugänglich. Größere Ströme fehlen gänzlich. Der nördliche Teil des Gouvernements führt den Namen Polesje und hat zahlreiche kleine Seen. Unter den Steinarten im südlichen, höhern Teil Wolhyniens nimmt rötlicher Granit die erste Stelle ein; in den Niederungen herrscht die Kreideformation vor. Zu den mineralischen Reichtümern gehören: Porzellanerde, Töpferthon, Braunkohle, Sumpfeisen, gute Bausteine und gelber Bernstein, der auf dem Gut Dombrowizy in der Nähe von Dubno gefunden wird. Das Klima ist gemäßigt und mild. Vom Areal entfallen 37,5 Proz. auf Acker, 32 auf Wald, 18,2 auf Wiese und Weide, 12,3 Proz. auf Unland. Das Pflanzenreich liefert die gewöhnlichen Getreidearten, Runkelrüben, Tabak, Ölgewächse, Hopfen, Hülsenfrüchte und Obst. Die Ernte war 1887: 5,4 Mill. hl Roggen, 4,1 Mill. hl Hafer, 3 Mill. hl Kartoffeln, 2 Mill. hl Weizen, 1,4 Mill. hl Gerste, 0,6 Mill. hl Buchweizen, andre Cerealien und Hülsenfrüchte in geringerer Menge. Die Waldungen bestehen mehr aus Nadel- als aus Laubholz (darunter viel Eichen, die schönes Schiffbauholz liefern). Das Tierreich bietet außer den gewöhnlichen Haustieren viel Wild, Geflügel, Bienen und Fische. Der Viehstand ist sehr ansehnlich; er bezifferte sich 1883 auf 655,039 Stück Rindvieh, 506,063 Pferde, 571,484 grobwollige, 123,359 feinwollige Schafe, 481,713 Schweine. Die Bevölkerung, 1885: 2,196,049 Einw. (30 pro QKilometer), ist sehr gemischt und besteht vorzugsweise aus Rußniaken (Ruthenen), Polen, Klein- und Großrussen, Juden, Litauern und wenigen Tataren. Die Zahl der Eheschließungen betrug 1885: 21,736, der Gebornen 109,641, der Gestorbenen 72,860. Der Religion nach gehören sie meist der orthodox-griechischen Kirche an, außerdem zählt man 200,000 Katholiken und ebenso viele Juden sowie einige Evangelische und Mohammedaner. Der größte Teil des Adels und ein Teil der Bürger sind Polen. Haupterwerbsquellen sind: Ackerbau, besonders im S., Viehzucht (gegenwärtig in Verfall), Waldkultur im N. (mit reichem Gewinn von Bauholz, Pech, Teer und Pottasche), Bienenzucht, Fischerei und Jagd (auch auf Bären, die in großer Zahl in den ungeheuern Wäldern vorkommen). Die Industrie steht noch auf einer niedrigen Stufe. Man zählte 1884: 806 Fabriken mit 10,118 Arbeitern und einem Produktionswert von 18,8 Mill. Rubel. Die wichtigsten Industrien sind: Branntweinbrennerei (7,6 Mill. Rub.), Zuckerfabrikation (5,3 Mill. Rub.) und -Raffinerie (2,6 Mill. Rub.). In der Kampagne 1886-87 wurden in 10 Fabriken 32,760 Doppelztr. raffinierter Zucker und 271,600 Doppelztr. weißer Sandzucker produziert. Der Handel vertreibt besonders Getreide (nach Odessa, Galizien, Polen und über Pinsk nach Preußen), Vieh, Häute, Hörner, Wolle (nach Galizien und Polen), Honig, Wachs, Equipagen und Bauholz, das nach Warschau und Danzig geflößt wird. Die wichtigsten Handelsplätze sind: Dubno, Shitomir, Ostrog und Radziwilow (s. d.). Der Mangel an guten Heerstraßen, zumal im N. Wolhyniens, ist sehr fühlbar; jetzt führt die Eisenbahn von Brest-Litowsk durch das Gouvernement nach Berditschew, mit einer Zweigbahn über Radzywilow nach Brody in Österreich. Das Gouvernement zerfällt in 12 Kreise: Dubno, Kowel, Kremenez, Luzk, Nowgorod Wolynsk, Ostrog, Owrutsch, Rowno, Sasslawl, Shitomir, Staro-Konstantinow u. Wladimir-Wolynsk. An Unterrichtsanstalten hat W. (1885) 1157 Elementarschulen mit 40,088 Schülern, 12 Mittelschulen mit 2864 Schülern und 6 Fachschulen mit 653 Schülern. W. gehörte schon seit dem 9. Jahrh. dem Rurikschen Haus, bildete in ältester Zeit einen Teil von Rotrußland und wurde 1074 mit Polen vereinigt. 1320 begannen die litauischen Fürsten ihre Herrschaft über W. zu begründen und haben dieselbe zuletzt durch die Heirat Ljubarts, des Sohns Gedimins, mit der Schwester des Jurij Danilowitsch 1335 befestigt. 1569 fiel W. wieder mit ganz Litauen an Polen zurück, und bei der zweiten und dritten Teilung Polens kam es mit Ausnahme weniger Ortschaften, die Galizien, resp. Österreich gewann, an Rußland. Dieses bildete aus der bisherigen polnischen Woiwodschaft W. und einem Teil der alten Woiwodschaft Kiew 1797 das jetzige Gouvernement.

Wolin (tschech. Volyně), Stadt in der böhm. Bezirkshauptmannschaft Strakonitz, an der Wolinka (Nebenfluß der Wotawa), hat ein Bezirksgericht, eine Korbflecht- und eine Handwerkerschule, Bierbrauerei, Lohgerberei und (1880) 2742 Einw.

Wolke, Christian Hinrich, Pädagog der philanthropischen Schule, geb. 21. Aug. 1741 zu Jever, studierte in Göttingen und Leipzig die Rechte, wandte sich aber aus persönlicher Neigung ganz dem Erziehungsberuf zu, indem er sich seit 1770 J. B. ^[Johann Bernhard] Basedow als Gehilfe anschloß. Diesem folgte er 1774 nach Dessau und war als Lehrer und Leiter des Philanthropins dort bis 1784 thätig. Dann reiste er über Dänemark, Schweden und Livland nach Petersburg, wo ihn Katharina II. (zugleich Fürstin von Jever) festhielt. Nach mancherlei pädagogischen Unternehmungen zog er sich 1802 in seine Heimat zurück und starb 8. Jan. 1825 in Berlin. Außer der Beteiligung am Basedowschen Elementarwerk, dessen erläuternden Teil W. unter anderm ins Lateinische übersetzte, sind von seinen Schriften zu erwähnen: »Erste Kenntnis für Kinder« (Leipz. 1763); »Méthode naturelle d'instruction« (das. 1784); »Kurze Erziehungslehre« (das. 1803); »Kinderbibliothek« (Berl. 1822, 7 Bde.); »Sassische ok dudische Gedigte, Sinsproke, Leder etc.« (das. 1804). W. gab sich in spätern Jahren viele Mühe in Bekämpfung der Fremdwörter und Empfehlung einer rein phonetischen Rechtschreibung der deutschen Sprache. Autobiographien von ihm erschienen in Basedows Schrift »Das Philanthropin« (Dessau 1774) und in der »Allgemeinen Schulzeitung« (Darmst. 1825). Vgl. Hasselbach, Lebendgeschichte des Hofrats W. (Aachen 1826).

Wolken, Anhäufung von Wasserbläschen oder Eisnadeln, welche wie der Nebel (s. d.) entstehen und sich von diesem nur dadurch unterscheiden, daß sie sich in höhern Luftschichten befinden. So erscheinen die Gipfel der Berge oft von W. verhüllt, während ein Wanderer auf diesen Bergspitzen sich von Nebel umgeben sieht. Die gewöhnliche Veranlassung zur Wolkenbildung, durch welche die Himmelsbedeckung (s. d.) verursacht wird, besteht in einem aufsteigenden Luftstrom, welcher viele Wasserdämpfe mit sich führt, die in den obern kältern Luftschichten wieder ausgeschieden werden. Die unterste Grenze der Wolkenregion ist durch die Höhe bestimmt, in welcher sich die aufsteigende Luft bis zu ihrem Taupunkt (s. d.) abkühlt. Das Schweben der W. in der Luft erklärt sich zum