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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Woltschansk; Wolverene; Wolverhampton; Wolverlei; Wolzogen

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Woltschansk - Wolzogen.

Ihre Erzählungen und Gedichte finden sich nebst denen ihres Gatten abgedruckt in »Karl und Karoline v. Woltmanns Schriften« (Berl. 1806-1807, 5 Bde.). Nach dem Tod ihres Gatten blieb sie in Prag zurück, später wendete sie sich nach Berlin, wo sie 18. Nov. 1847 starb. Von ihren Schriften sind hervorzuheben: »Volkssagen der Böhmen« (Prag 1815, 2 Bde.) und »Neue Volkssagen der Böhmen« (Halberst. 1820, 2. Aufl. 1835); »Historische Darstellungen« (das. 1820) und »Über Beruf, Verhältnis, Tugend und Bildung der Frauen« (Prag 1820).

3) Alfred, Kunsthistoriker, geb. 18. Mai 1841 zu Charlottenburg, studierte in Berlin und München, promovierte 1863 zu Breslau und lebte dann in Berlin. Vom Herbst 1867 bis August 1868 wirkte W. als Privatdozent an der Berliner Universität, ging dann als ordentlicher Professor der Kunstgeschichte an das Polytechnikum in Karlsruhe, Ostern 1874 an die Universität Prag und im Herbst 1878 nach Straßburg. Er starb 6. Febr. 1880 in Mentone. W. schrieb: »Holbein und seine Zeit« (Leipz. 1866, 2 Bde.; 2. Aufl. 1873-76), »Baugeschichte Berlins« (Berl. 1872), »Geschichte der deutschen Kunst im Elsaß« (Leipz. 1876), »Die deutsche Kunst in Prag« (das. 1877), »Geschichte der Malerei« (das. 1878 ff., nach seinem Tod von Woermann vollendet), »Aus vier Jahrhunderten niederländisch-deutscher Kunstgeschichte. Studien« (Berl. 1878), außerdem zahlreiche Artikel in Kunstzeitschriften und mehrere Biographien in Dohmes »Kunst und Künstler«, bearbeitete für die 2. Auflage von Schnaases »Geschichte der bildenden Künste« den 5. Band: »Entstehung und Ausbildung des gotischen Stils« (Düsseld. 1872) gemeinschaftlich mit dem Verfasser und gab mit andern Waagens »Kleine Schriften« (Stuttg. 1875) heraus.

Woltschansk, Kreisstadt im russ. Gouvernement Charkow, an der Woltschja, die in den Donez fällt, hat 3 Kirchen, ein Lehrerseminar, eine landwirtschaftliche Schule, ein weibliches Progymnasium, viele Fruchtgärten, Handel mit Baumwoll- und Wollwaren, Salz, Getreide, Leder, Bauernkleidungen und (1885) 14,259 Einw.

Wolverene, s. v. w. Vielfraß.

Wolverhampton (spr. walwerhämmpt'n), Stadt in Staffordshire (England), nordwestlich von Birmingham, inmitten von Steinkohlengruben und Eisenhütten, hat eine Kirche aus dem 15. Jahrh. (St. Peter's), ein Krankenhaus mit medizinischer Schule, ein Denkmal des Prinzen Albert vor der Markthalle und (1881) 75,766 Einw. W. ist Hauptsitz der Schloßfabrikation (Chubb u. a.) und liefert außerdem alle Arten von Schneidewerkzeugen, landwirtschaftliche Geräte, Blech-, lackierte und Papiermachéwaren, Stiefel etc.

Wolverlei (Wohlverleih), s. Arnica.

Wolzogen, altadliges Geschlecht, das früher in Tirol und Niederösterreich ansässig war, zu Anfang des Dreißigjährigen Kriegs aber sich in Franken und Brandenburg, Schlesien und Obersachsen niederließ. Die Familie teilte sich seit dem 16. Jahrh. in die Neuhausische und Mißingdorfsche Linie. Jene ward 1607 in den österreichischen, 1702 in den Reichsfreiherrenstand erhoben; die jüngere erlosch um 1700. Der letztern gehörten an der als Socinianer berühmte Johann Ludwig von W., geb. 1596, gest. 1658 zu Schlichtenheim in Polen, und Ludwig von W., geb. 1632, gest. 1690 als arminianischer Professor der Kirchengeschichte zu Utrecht. Hans Christoph von W., aus der ältern Linie, geb. 1666, Premierminister des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels, gest. 1734, hatte zwei Söhne, die zwei Linien gründeten, von denen die jüngere Linie, W. und Neuhaus, in mehreren Zweigen noch blüht. Vgl. A. v. Wolzogen, Geschichte des reichsfreiherrlichen v. Wolzogenschen Geschlechts (Leipz. 1859, 2 Bde.). Der jüngern Linie gehörten an:

1) Karoline von, geborne von Lengefeld, Dichterin, geb. 3. Febr. 1763 zu Rudolstadt, genoß eine treffliche Erziehung und ward bereits in ihrem 16. Jahr an den Rudolstädter Geheimrat v. Beulwitz verheiratet, lebte aber mit ihrem Gatten im Haus ihrer Mutter. Im Spätherbst 1787 kam Schiller nach Rudolstadt und war nun ein regelmäßiger Gast der Familie, der er durch die Verlobung mit der jüngern Schwester, Charlotte, noch näher trat (vgl. »Schiller und Lotte«, Stuttg. 1856, worin auch der Briefwechsel Karolines mit Schiller enthalten ist). Im August 1796 verheiratete sich Karoline nach ihrer Scheidung von Beulwitz mit dem weimarischen Oberhofmeister Wilhelm von W. (geb. 1762, gest. 1809), einem Jugendfreund Schillers von der Karlsschule her. Als Dichterin trat sie zuerst anonym mit dem Roman »Agnes von Lilien« (Berl. 1798, 2 Bde.; neue Ausg., Stuttg. 1881) auf, der durch anmutige Darstellung, tiefe poetische Wahrheit, Zartheit des Gefühls und sittliche Tüchtigkeit noch jetzt zu den besten derartigen Werken gehört. Als Wilhelm von W. 1804 zum Geheimrat und Mitglied des Ministeriums ernannt wurde, trat Karoline in nähere Beziehungen zu dem weimarischen Hof; nach dem Tod ihres einzigen Sohns aus zweiter Ehe aber siedelte sie nach Jena über. Hier schrieb sie: »Erzählungen« (Stuttg. 1826-27, 2 Bde.), den Roman »Cordelia« (Leipz. 1840, 2 Bde.) und ihr Hauptwerk, »Schillers Leben, verfaßt aus den Erinnerungen der Familie, seinen eignen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner« (Stuttg. 1830, 2 Bde.; zuletzt 1883), ausgezeichnet durch Treue, Reichhaltigkeit und liebevolle Wärme der Darstellung. Sie starb 11. Jan. 1847 in Jena. Ihr »Litterarischer Nachlaß« erschien zu Leipzig 1848-49, 2 Bde. (2. Aufl. 1867).

2) Ludwig Julius Adolf Friedrich, Freiherr von, geb. 3. Febr. 1773 zu Meiningen, Schwager der vorigen, besuchte 1781 die Karlsschule in Stuttgart, trat 1792 als Leutnant in württembergische und 1794 in preußische Dienste, in denen er bis zum Leutnant aufgerückt war, als ihm 1802 der Herzog Eugen von Württemberg die Erziehung seines ältesten Sohns anvertraute. 1805 zum württembergischen Major, Flügeladjutanten und Kammerherrn ernannt, machte er als Quartiermeister beim Generalstab den Feldzug jenes Jahrs mit. Obgleich W. 1806 zum Oberstleutnant und Kommandeur der Garde zu Fuß aufrückte, trat er doch 1807 abermals in preußische Dienste, nach dem Tilsiter Frieden in russische. Im September 1807 wurde er Major beim russischen Generalstab, 1811 Oberstleutnant und Flügeladjutant des Kaisers, 1812 Oberst, befand sich 1813 im Gefolge des Kaisers, nahm an den Schlachten bei Großgörschen, Bautzen, Dresden und Leipzig teil und wurde noch am Abend des 18. Okt. zum Generalmajor ernannt. Nachdem er hierauf an der Organisation der deutschen Heere Anteil genommen, wurde er dem 3. Armeekorps, welches der Herzog von Weimar nach den Niederlanden führte, als Chef des Generalstabs beigegeben. Während des Wiener Kongresses trat W. wieder in preußische Dienste zurück und ward mit der militärischen Erziehung der preußischen Prinzen betraut und 1818 preußischer Militärkommissar bei der deutschen Bundesversammlung. Seit 1820 Generalleutnant, ward er 1836 als