Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wotjaken; Wotton; Woulfesche Flasche; Wouwerman; Wrack; Wrackgut; Wraclaw; Wrangel

753

Wotjaken - Wrangel.

Essig und Likörfabrikation, Getreidehandel und (1880) 2301 Einw.

Wotjaken (in ihrer Sprache Udmurdi, Udi oder Murdi, »Menschen«), eine der permisch-finn. Völkerschaften in den Gouvernements Perm, Kasan und Wjatka, besonders in dem letztern, zu beiden Seiten des Wjatkaflusses angesiedelt und Ackerbau und Viehzucht treibend. Sie gleichen mehr den Russen als den andern Finnen, sind dem Trunk ergeben und im allgemeinen sehr feig, aber geschickt im Drechseln, Weben etc. Sie bekennen sich zum Teil noch zu der schamanischen Religion, glauben an ein höchstes Wesen (Inma, Ilmar), dessen Wohnsitz die Sonne ist, an untergeordnete Götter, am meisten aber an einen bösen Geist, der willkürlich über das Leben der Menschen verfügt. Sie dulden die Vielweiberei. Andre sind Christen, haben aber mancherlei schamanische Gebräuche beibehalten. Die Sprache der W. gehört zum finnisch-ugrischen Zweig des ural-altaischen Sprachstammes und ist am nächsten mit dem Syrjänischen verwandt. Die Grammatik bearbeiteten Wiedemann (mit Wörterbuch, Reval 1851) und Ahlquist (Helsingf. 1856). Die W. haben noch die alte Einteilung nach Stämmen, wonach alsdann ihre Dörfer benannt werden. Ihre Zahl wird auf 240,000 angegeben. Nach ihrer eignen Tradition haben ihre Stammeshäuptlinge früher an der Kasanka gelebt, von wo sie durch die Tataren in ihre jetzigen Wohnsitze gedrängt wurden. Vgl. Buch, Die W. (Stuttg. 1883); Munkacsi, Volksdichtungen der W. (in ungarischer Sprache, Budap. 1887).

Wotton (spr. uott'n), Henry, engl. Staatsmann und Gelehrter, geb. 9. April 1568 zu Bougthon Hall in Kent, studierte zu Oxford und bereiste dann neun Jahre hindurch Frankreich, Deutschland und Italien. Nach seiner Rückkehr trat er als Sekretär in des Grafen von Essex Dienste, flüchtete aber nach dessen Verhaftung nach Florenz und schrieb hier: »The state of christendom«, eine Schrift, die erst 1657 veröffentlicht wurde. Seit 1623 Vorsteher der Schule zu Eton, starb er daselbst im Dezember 1639. Seine Poesien, Briefe und Charakterbilder erschienen unter dem Titel: »Reliquiae Wottoniae« (Lond. 1651; von Walton mit Wottons Biographie hrsg., das. 1685), seine »Poems« neu herausgegeben von Dyce (das. 1843), von Hannah und Bell (das. 1870).

Woulfesche Flasche, zwei- oder dreihalsige Flasche, benannt nach dem englischen Chemiker Peter Woulfe (geb. 1727, gest. 1803), wird zu chemischen und technischen Arbeiten benutzt, namentlich als Kondensationsvorrichtung für Dämpfe und Gase, und um Flüssigkeiten mit Gasen zu behandeln, letztere zu waschen etc. Durch den einen Hals tritt das Gaszuleitungsrohr, durch den andern das Ableitungsrohr, welches oft zu einer zweiten Woulfeschen Flasche führt, und im dritten Hals ist gewöhnlich ein Sicherheitsrohr angebracht. Dient die W. F. zur Entwickelung von Gasen, so nimmt der eine Hals ein Trichterrohr auf. In der Technik werden Woulfesche Flaschen aus Steingut hergestellt (Bombonnes) und namentlich bei der Darstellung der Salzsäure benutzt. Vgl. Absorption 1) und Gase, S. 935.

Wouwerman (spr. wauw-), Philips, niederländ. Maler, geboren im Mai 1619 zu Haarlem, Schüler seines Vaters Paul Joosten W. und Jan Wynants', wurde 1640 Meister der St. Lukasgilde zu Haarlem und starb 19. Mai 1668 daselbst. W., einer der ersten niederländischen Genre-, Landschafts- und Tiermaler, hat während seines kurzen Lebens eine sehr umfangreiche Thätigkeit entfaltet. Er war vor allem der Maler des Pferdes, das er in der Schlacht, auf der Jagd, als elegantes Paraderoß und als geplagten Fuhrmannsgaul mit gleicher Meisterschaft darstellte, wobei er eine besondere Vorliebe für Schimmel hatte, die wohl auf keinem seiner zahlreichen Gemälde fehlen und zumeist den Mittelpunkt der Darstellung oder den hellsten Punkt seiner äußerst fein gestimmten Bilder abgeben. Doch sind auch seine menschlichen Figuren mit Feinheit gemalt und gezeichnet, nicht minder die landschaftliche Szenerie, welche sich stets durch zarte Lufttönung auszeichnet. Er hat Jagden, Reiterkämpfe, Lagerszenen, räuberische Überfälle, Szenen vor Wirtshäusern, Schmieden u. dgl., seltener biblische Szenen gemalt und dabei eine unerschöpfliche Erfindungsgabe bekundet. Den größten Schatz von Wouwermans Bildern, deren Zahl sich auf etwa 800 beläuft, besitzen die Dresdener Galerie (62), die Eremitage zu St. Petersburg (etwa 50), die Galerie zu Kassel (20), die Münchener Pinakothek (20) und das Louvre zu Paris (12). - Sein Bruder Pieter, geb. 1623 zu Haarlem, gest. 1682 in Amsterdam, malte zumeist ähnliche Bilder, steht ihm jedoch nach; Jan, der jüngste Bruder, geb. 1629 zu Haarlem, gest. 1666 daselbst, malte Landschaften.

Wrack, der Körper eines durch gewaltsame Vorgänge untauglich gewordenen Schiffs.

Wrackgut, s. Strandgut.

Wraclaw (poln., spr. wratz-), Breslau.

Wrangel, 1) Hermann von, schwed. Feldherr, geb. 1587 aus einer alten schwedischen (ursprünglich westfälischen) Familie, zeichnete sich schon unter Karl IX. in den Kriegen gegen Rußland und Dänemark aus und erhielt unter Gustav Adolf 1609 den Oberbefehl über die schwedische Armee in Polen, welches Land er 1629 zum Waffenstillstand nötigte. W. begleitete hierauf den König nach Deutschland und kehrte erst nach dessen Tod nach Schweden zurück. 1635 schloß er den Frieden zwischen Schweden und Polen, befehligte 1636 ein Armeekorps in Pommern, focht hier glücklich und eilte dann dem General Banér zu Hilfe, den die kaiserliche Armee bedrohte, konnte sich aber mit ihm nicht über den Operationsplan einigen und ward zurückgerufen. Er starb als Generalgouverneur von Livland 1644.

2) Karl Gustav, Graf von, berühmter schwed. Feldherr, Sohn des vorigen, geb. 13. Dez. 1613 auf seinem väterlichen Gut Skokloster unweit Upsala, wurde 1629 Offizier und zeichnete sich 1632 bei dem Übergang über den Lech aus. Schon 1638 war er Generalmajor und nach Banérs Tod einer von den drei Generalen, welche die schwedischen Heere in Deutschland bis zur Ankunft Torstenssons befehligten. Unter diesem nahm er teil an den Feldzügen in Deutschland und Dänemark und wurde 1644 nach Flemings Tod Anführer der Flotte, mit welcher er 11. Okt. 1644 die Dänen bei Fehmarn schlug. 1645 wurde er als Feldzeugmeister wieder nach Deutschland geschickt, erhielt, zum Feldmarschall und Reichsrat ernannt, den Oberbefehl über das Heer, als Torstensson denselben wegen Kränklichkeit niederlegte, und siegte mit Turenne 17. Mai 1648 bei Zusmarshausen über die Kaiserlichen und Bayern. Nach dem Abschluß des Westfälischen Friedens wurde er Generalgouverneur im schwedischen Pommern und 1651 in den Grafenstand erhoben. In dem Krieg Karls X. gegen Polen führte er zuerst den Oberbefehl über die Flotte, nahm aber auch an dem Landkrieg teil und führte nebst dem Kurfürsten von Brandenburg in der Schlacht bei Warschau 28.-30. Juli 1656 den Oberbefehl über den linken Flügel des