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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wunschmantel; Wunsiedel; Wunstorf; Wuotan; Wuoxen; Wupper

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Wunschmantel - Wupper.

Stäben scheint sich die Klage Hoseas: »Mein Volk fragt sein Holz, und sein Stab soll ihm wahrsagen« zu beziehen. Der Gebrauch der W. zur Aufsuchung verborgener Dinge entwickelte sich im Mittelalter zu einer besondern Wissenschaft namentlich einzelner Bergleute, die man Rutengänger nannte. Man hielt einen in der Johannisnacht unter verschiedenen Ansprachen und Zeremonien geschnittenen Gabelzweig vom Haselnußstrauch für vorzugsweise tauglich und trug ihn, gewöhnlich die Gabelenden mit beiden Händen umschlossen, so, daß der Stiel der Gabel in die Höhe stand und sich dann nach den Orten, wo sich die gesuchten Dinge befänden, bewegen (»schlagen«) sollte. Der Glaube an die W. war so allgemein, daß die Physiker bis in unser Jahrhundert die verschiedenartigsten Versuche angestellt haben, ihre Bewegungen aus natürlichen Ursachen zu erklären. Gegen das Ende des 17. Jahrh. setzte ein Rutengänger, Jacques Aymar, welcher vorgab, durch die Bewegungen seiner Rute die Spur von Verbrechern verfolgen zu können, Rechtsgelehrte und Physiker in Aufregung, und obwohl der Prinz von Condé diesen Mann als Betrüger entlarvte, schrieben die Physiker dicke Bände, um die Bewegungen der Rute durch den Einfluß der kleinen, von den verborgenen Dingen ausströmenden »Körperchen« oder Cartesiusschen »Geisterchen« zu erklären. Im 18. Jahrh. veröffentlichte der französische Physiker Thouvenel wohl ein Dutzend Denkschriften über zwei Quellenfinder, Bleton und Pennet, und diese Versuche wurden in Italien von Fortis und Amoretti, in Deutschland von Ritter, Baader und Kieser fortgesetzt. Alle Letztgenannten glaubten an eine besondere »elektrometrische« Kraft, welche in reizbaren (sensitiven) Personen durch Metalladern oder unterirdisches bewegtes Wasser erregt werde und sich nicht bloß in den Bewegungen der in der Hand gehaltenen Holzzweige und andrer Dinge, sondern auch in körperlichen Empfindungen, ja Konvulsionen äußern sollte. Mehrere der letzterwähnten »Metall- und Quellenspürer«, namentlich der italienische Landmann Campetti, mit welchem Amoretti und die Physiker der Münchener Akademie in den ersten Jahrzehnten unsers Jahrhunderts experimentierten, benutzten statt des Holzstabes auch den sogen. »bipolaren Cylinder«, einen zwischen Zeigefinger und Daumen gehaltenen Metallstab, und das »siderische Pendel«, ein an einem Faden aufgehängtes Stück Kohle, Schwefelkies u. dgl., welches unter dem Einfluß verborgener Metalle und strömenden Wassers in Schwingungen geraten sollte. Nachdem man die tierische Elektrizität samt dem »tierischen Magnetismus« (s. Magnetische Kuren), einen davon nicht wesentlich verschiedenen »Tellurismus« und »Siderismus« sowie das »Od« (s. d.) zur Erklärung der nicht abzuleugnenden Bewegungen genannter Instrumente zu Hilfe gerufen und eine kaum übersehbare Litteratur über diesen Gegenstand entstanden war, gaben endlich Gilbert, Maréchaux, Erman, Pfaff u. a. diesem Aberglauben den Todesstoß, indem sie nachwiesen, daß es sich einzig um Bewegungen handle, die durch unbewußte sogen. ideomotorische Bewegungen hervorgerufen werden, wie denn bereits Zeidler in seinem 1700 erschienenen »Pantomysterium« nachgewiesen hatte, daß die Rute sich alsbald bewegte, wenn der Träger derselben den gesuchten Gegenstand auch nur gefunden zu haben glaubte. Chevreul (»Journal des Savants« 1854) hat diese Erklärung in neuerer Zeit durch geistreiche und umständliche Versuche bestätigt. Vgl. Vallemont, Physique occulte, ou traité de la baguette divinatoire (Par. 1696); die gesamte ältere Litteratur bei Aretin im »Neuen litterarischen Anzeiger« von 1807, S. 305-477; Carus Sterne, Die Wahrsagung aus den Bewegungen lebloser Körper unter dem Einfluß der menschlichen Hand (Weim. 1862).

Wunschmantel, Zaubermantel, den nach deutscher Sage Odin trug, und der ihn brachte, wohin er wollte. In den Teufels- und Heldensagen kommt das Zauberstück dann auch vor, ebenso ein Wunschhut und Wunschpferd; vgl. auch Wünschelrute.

Wunsiedel, Bezirksamtsstadt im bayr. Regierungsbezirk Oberfranken, im Fichtelgebirge, an der Rösla und der Linie Holenbrunn-W. der Bayrischen Staatsbahn, 531 m ü. M., hat 2 evangelische und eine kath. Kirche, ein Schloß, eine Real-, eine Latein-, eine Präparanden- und eine Waldbauschule, eine Erziehungsanstalt für verwahrloste Kinder, ein reiches Hospital (seit 1486), ein Amtsgericht, ein Forstamt, Fabrikation von Leinen-, Baumwoll- und Wollzeugen, von Strumpfwaren, Lohe, Nägeln, landwirtschaftlichen und dynamoelektrischen Maschinen und Gasbrennern aus Speckstein, Kalkbrennerei, Gerberei, Mälzerei, Kalk- und Mineralmühlen, Steinhauerei, Handel mit Langholz, Granitfabrikaten, Erdfarben, Heidel- und Preißelbeeren etc. und (1885) 3614 meist evang. Einwohner. In der Nähe Marmor- und Specksteinbrüche und eine Glashütte. Die Stadt, welche 1834 großenteils abbrannte, ist, wie Weißenstadt, ein Hauptstationsort für die Besucher des Fichtelgebirges sowie Geburtsort Sands und Jean Pauls, dessen Erzbüste (von Schwanthaler) 1845 hier aufgestellt wurde. In der weitern Umgebung der Stadt liegen die Luisenburg (s. d.) und Alexandersbad (s. d.). Vgl. Ruckdeschel, Geschichte der bayrischen Stadt W. (Wuns. 1855).

Wunstorf, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Hannover, Kreis Neustadt a. Rübenberg, Knotenpunkt der Linien Hannover-Hamm und W.-Bremerhaven der Preußischen Staatsbahn, 47 m ü. M., hat eine evang. Stiftskirche, ein Schullehrerseminar, ein evang. Damenstift, eine Korrektions- und Landarmenanstalt und (1885) 2928 Einw. W. war schon um 1070 eine eigne Grafschaft, die 1482 an die Welfen fiel.

Wuotan (althochd.), s. Odin.

Wuoxen (Woxa), Fluß in Finnland, entspringt aus dem Saimasee, bildet den Imatrafall und mündet in den Ladogasee; 180 km lang.

Wupper (Wipper), rechter Nebenfluß des Rheins, entspringt bei Kierspe unweit Meinerzhagen am Ebbegebirge im westfälischen Sauerland, fließt erst westlich bis Wipperfürth, dann nach NW. und N. über Hückeswagen, hierauf wieder westlich über Barmen und Elberfeld, von Sonnborn an nach S. über Dorp und zuletzt von Burg an wieder nach Westen und SW. und mündet bei Rheindorf zwischen Köln und Düsseldorf. Die Länge ihres Laufs beträgt 98 km. Das Wupperthal ist meist tief und eng, da, wo es am breitesten ist, bei Elberfeld und Barmen, etwa 1 km breit. Die W. tritt erst bei Imbach oberhalb Opladen in die Ebene. Auf einer Strecke von 52 km Länge treibt sie mit ihren 37 Zuflüssen Hunderte von Mühl-, Schleif- und Hammerwerken, wozu sie sich wegen ihres starken, mitunter reißenden Gefälles sehr eignet. Im engern Sinn versteht man unter dem Wupperthal die an 8 km lange Strecke von Barmen bis Elberfeld, den zwei volkreichsten Städten des ganzen Thals, die durch eine ununterbrochene Reihe von Fabriketablissements miteinander verbunden sind. Andre gewerbreiche Orte des Wuppergebiets, das zu den bevölkertsten und industriereichsten Gegenden des Deutschen