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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Würfel - Würger.

Körper besteht die Wurflinie aus einem aufsteigenden (Ad) und einem absteigenden (dg) Parabelast, welche einander gleich sind und in gleichen Zeiten durchlaufen werden. Die Wurfweite, d. h. die Entfernung Ag, in welcher der geworfene Stein oder das Geschoß das Niveau des Ausgangspunktes wieder trifft, ist für eine und dieselbe Anfangsgeschwindigkeit am größten, wenn der Körper unter einem Winkel von 45° in die Höhe geworfen wird. Wird ein Körper in wagerechter Richtung geworfen, so beschreibt er den absteigenden Ast einer Parabel (Af', Fig. 2), welcher um so flacher ist, je größer die Anfangsgeschwindigkeit war. Bei dieser Darstellung der Gesetze der W. wurde vorausgesetzt, daß auf den geworfenen Körper kein Hindernis einwirke. In der Atmosphäre aber ist jeder geworfene Körper dem Widerstand der Luft ausgesetzt und wird dadurch von der rein parabelförmigen in eine etwas andre Bahn abgelenkt, deren Bestimmung Aufgabe der Ballistik (s. d.) ist.

^[Abb.: Fig. 2. Horizontaler Wurf.]

Würfel, in der Geometrie s. v. w. Kubus (s. d.); in der Kristallographie ist der W. (das Hexaeder) eine wichtige Form des tesseralen Kristallsystems (s. Kristall, S. 230); sodann Werkzeug aus Elfenbein, Knochen, Serpentinstein etc., welches zum Würfelspiel benutzt wird. Es besteht aus einem sechsseitigen Körper, auf dessen 6 Seiten durch Punkte oder Augen die Zahlen 1-6 in solcher Ordnung angegeben sind, daß die Zahlen der zwei gegenüberstehenden Seiten 7 machen. Bei einzelnen Spielen, wo auch W. benutzt werden, sind bisweilen die W. anders, je nach den Erfordernissen des Spiels, eingerichtet. So hat man 8-, 12-, 16seitige W. mit Zahlen, die weiter als bis 6 reichen. Schon die Alten kannten das Würfelspiel. Die alea der Römer wurde mit Knöcheln (daher Knöchelspiel) oder Steinchen (tali oder ἀστραγάλοι, tesserae oder κύβοι) gespielt. Die tali waren nur an 4 Seiten mit den Nummern 1 und 6, 3 und 4 versehen; 2 und 5 fehlten. Man schüttelte 4 tali in einem Becher und warf sie auf einen Tisch. Als bester Wurf (venus) galten dabei 4 verschiedene Zahlen (1, 3, 4, 6), als schlechtester (canis) 4 Einsen. Die tesserae waren unsern Würfeln mit 6 Zahlen gleich. Das Glücksspiel mit beiden Arten von Würfeln war im Altertum schon früh verboten, außer an den Saturnalien. Mit den Brettspielen hat man das Würfeln frühzeitig in Verbindung gebracht (griechische W.-Petteia, römischer ludus duodecim scriptorum mit Würfeln, indisches Würfelvierschach, Puff etc.). Das Würfelspiel wird schon von Tacitus als eine Leidenschaft der Germanen geschildert, hatten sie alles verspielt, so setzten sie auf den letzten Wurf Leib und Freiheit; es blieb das ganze Mittelalter hindurch bei Männern und Frauen beliebt, so daß keins der zahlreichen geistlichen und weltlichen Verbote nachhaltige Wirkung hatte; später waren besonders die Landsknechte wegen ihrer Leidenschaft zum Würfelspiel berüchtigt. Vgl. Bolle, Das Knöchelspiel der Alten (Wism. 1886); Reymond, Alte und neue Würfelspiele (Oranienb. 1888).

Würfelbein, s. Fuß.

Würfeleisen, in Formen abgestochenes Roheisen.

Würfelerz, s. Pharmakosiderit.

Würfelfries, s. v. w. Schachbrettfries, s. Fries.

Würfelkapitäl, Säulenkapitäl des roman. Baustils, bestehend aus einem Würfel, dessen senkrechte Seiten nach unten rund abgeschnitten sind und vier wappenschildähnliche Wangen bilden (vgl. Abbild.), oft reichskulptiert. S. Knauf.

^[Abb.: Würfelkapitäl.]

Würfelsalpeter, s. Salpetersäuresalze, S. 228.

Würfelzeolith, s. Chabasit.

Wurffeuer, s. Flachfeuer.

Wurfgeschütze, s. v. w. Mörser und Haubitzen.

Würfler, ein drehkrankes Schaf.

Wurfmaschine, s. Katapult und Balliste.

Wurfräder, eine Art Wasserhebemaschinen, sind an der Peripherie mit Schaufeln besetzte Räder, die, um eine horizontale Achse drehbar, sich in einem Kropfgerinne bewegen. In schnelle Umdrehung versetzt, schleudern sie das Wasser aus dem untern Teil des Kropfes in ein höher gelegenes Gerinne. Sie werden in Holland sehr viel zur Entwässerung von Niederungen gebraucht und dort durch Windmühlen in Bewegung gesetzt. Mit Vorteil werden die W. nur bei geringen Förderhöhen (bis 1,5 m) benutzt. Mehr ruhig hebend als heftig emporschleudernd wirkt das Overmarssche Pumprad (s. d.).

Wurfschaufel (Holländerin), Wasserhebemaschine, welche früher zur Entwässerung von Baugruben verwendet wurde, besteht in einer an einem dreibeinigen Gestell pendelnd aufgehängten Schaufel, die durch Stangen und Zugleinen von Menschen hin- und hergeschwungen wird. Das jedesmal in der tiefsten Lage aufgenommene Wasser wird durch den ihm erteilten Schwung in die Höhe geworfen. Ähnlich wirkt die Schwungschaufel, die sich jedoch in einem Gerinne bewegt.

Wurfspieß als Angriffswaffe der römischen Legionssoldaten, s. Pilum; W. der Germanen, s. Ger.

Würger (Lanius L.), Gattung aus der Ordnung der Sperlingsvögel und der Familie der Würger (Laniidae), Vögel mit sehr kräftigem, seitlich komprimiertem Schnabel mit stark hakiger Spitze, hinter welcher ein deutlicher Zahn, aufgebogener Unterschnabelspitze, hinter welcher ein Einschnitt, mäßig langen, gerundeten Flügeln, langem, stufigem Schwanz und starken, hochläufigen, mittellangzehigen, mit spitzigen Nägeln bewehrten, auf dem Lauf mit großen Platten getäfelten Füßen. Der Raubwürger (großer, grauer W., Würgvogel, Wächter, Buschfalk, Busch-, Krik-, Straußelster, Lanius Excubitor L., s. Tafel »Sperlingsvögel II«), 26 cm lang, 36 cm breit, oberseits hellgrau, unterseits weiß, mit breitem, schwarzem Zügelstreif, schwarzen, weiß gefleckten Flügeln, schwarzem, an den Seiten weißem Schwanz, braunen Augen, schwarzem Schnabel und grauen Füßen, findet sich in fast allen Ländern Europas und einem großen Teil Asiens als Stand- und Strichvogel, in Nordafrika und Südasien als Zugvogel, lebt paarweise an Waldrändern und in Feldhölzern, im Winter in der Nähe der Ortschaften, frißt Kerbtiere, Vögel und Mäuse und spießt die Beute häufig auf Dornen oder spitze Zweige. Gegen Raubvögel zeigt er sich sehr feindselig, kündigt ihr Nahen an und verfolgt sie mit Geschrei. Er fliegt nicht besonders gewandt, besitzt sehr scharfe Sinne und ist ungemein zänkisch. Seine Stimme ahmt die Laute kleiner Singvögel nach. Er nistet auf Bäumen oder in Büschen und legt im April 4-7 grünlichgraue, grünlichbraun und grau gefleckte Eier (s. Tafel »Eier I«, Fig. 42).