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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wüstegiersdorf - Wütendes Heer.

Meerbusens und der Bergterrassen Westirans das wüste Plateau von Iran, vom Kaspischen bis zum Indischen Meer sich erstreckend, mit den salz- und kalireichen Wüsten von Irak Adschmi, Kirman, Seïstan und Mekran; jenseit des Indus die W. von Radschastan (Sind); nördlich von Persien die Sandwüsten von Turan, vom Kaspischen Meer nach O. bis zum Alpenland Turkistan reichend, und jenseit des letztern die teils sandige, teils steinige Plateauwüste Gobi (s. d.), welche die ganze Mongolei durchzieht und das östliche Ende des ganzen Wüstengürtels bildet. Das Gesamtareal des letztern mag an 250,000 QM. betragen und scheint an Umfang nach und nach zuzunehmen. Europa hat keine W., ausgedehntere Steppen nur in Ungarn und im südlichen Rußland. Das Innere des Kontinents von Australien hat neben Steppen auch wasserlose Wüsten von einer so erschrecklichen Öde und Unwirtlichkeit, wie sie kaum ein anderer Erdteil aufzuweisen haben möchte. In Amerika haben die unabsehbaren Pampas und Llanos mehr Steppen- als Wüstencharakter, doch fehlen auch wirkliche Wüsten nicht. Die Sandwüste oder Desierto von Atacama zieht sich längs des Stillen Ozeans durch die ganze bolivische Provinz Litoral und erstreckt sich nordwärts bis Arica in Peru, südwärts bis Copiapo in Chile. Auch die Hochflächen oder Campos dos Parecis in der brasilischen Provinz Mato Grosso sind große, wellenförmige, vegetationslose Sandplateaus. Eine weit ausgedehntere W. ist aber in Nordamerika das Bassin des Großen Salzsees im Mormonenland Utah (s. d.). Das Durchziehen der eigentlichen Wüsten ist nur Karawanen möglich, und es ist dabei das Kamel unentbehrlich. Gefahren bringen die Staub- und Sandsäulen, welche der Wind aufwirbelt und vor sich hertreibt, die alles austrocknenden und auszehrenden Winde selbst und die unglaublich verdünnte Atmosphäre, die bei Europäern nicht selten Schlagflüsse herbeiführt, mangelnder Schutz gegen die Gluthitze des Tags und die oft empfindliche Kälte der Nächte, die Abirrung von dem Karawanenweg, die durch Verschüttung seiner Spuren oder durch das Trugbild der Luftspiegelung veranlaßt werden kann, und die Seltenheit der Quellen und Oasen. Von Tieren kommen nur Antilopen, von Pflanzen Disteln, Mimosen und dünnes Strauchwerk in der W. fort. Meisterhafte Schilderungen der Steppen und Wüsten finden sich in Alex. v. Humboldts »Ansichten der Natur«. Vgl. auch Desor, Der Mensch und die W. (Basel 1876), und die Litteratur bei den Artikeln Libysche Wüste und Sahara.

Wüstegiersdorf (Nieder-W.), Dorf im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Waldenburg, an der Weistritz, im Waldenburger Gebirge und an der Linie Dittersbach-Glatz der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein Waisenhaus, ein Amtsgericht, Wollspinnerei, Woll-, Leinen- und Chenilleweberei und (1885) 3509 Einw.

Wüstenfeld, Heinrich Ferdinand, Orientalist, geb. 31. Juli 1808 zu Münden, studierte in Göttingen und Berlin, habilitierte sich 1832 in Göttingen, wurde 1838 zum Universitätsbibliothekar, 1842 zum außerordentlichen Professor und 1856 zum Ordinarius ernannt, in welcher Stellung er sich noch jetzt befindet. W. hat sich besonders durch Herausgabe arabischer Werke verdient gemacht. Er schrieb: »Die Akademie der Araber und ihre Lehrer« (Götting. 1837); »Geschichte der arabischen Ärzte und Naturforscher« (das. 1840); »Genealogische Tabellen der arabischen Stämme und Familien« (das. 1852; Register 1853); »Vergleichungstabellen der mohammedanischen und christlichen Zeitrechnung« (Leipz. 1854) sowie zahlreiche Abhandlungen (in den »Abhandlungen der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen«, deren Direktor in der historischen Klasse W. seit 1876 ist), darunter: »Die Statthalter von Ägypten« (1875), »Das Heerwesen der Mohammedaner« (1880), »Geschichte der Fatimiden« (1881), »Die Geschichtschreiber der Araber« (1882), »Fachr-ed-din, der Drusenfürst« (1886) etc.

Wüstenfuchs, s. Fenek.

Wüstenläufer, Vogel, s. v. w. Krokodilwächter.

Wüstenpalme, s. Yucca.

Wusterhausen, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Potsdam, Kreis Ruppin, auf einer von der Dosse gebildeten Insel, hat eine evang. Kirche, ein Amtsgericht, Holzschneiderei, Tabaksfabrikation, Leinweberei, Schuhmacherei und (1885) 3231 Einw. W. erhielt um 1250 von den Edlen von Plotho Stadtrecht und gehörte später zur Grafschaft Ruppin. Vgl. Altrichter, Geschichte der Stadt W. (Neuruppin 1888). - 2) (Königs-W.) Flecken daselbst, Kreis Teltow, an der Notte und der Linie Berlin-Görlitz der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Jagdschloß (von 1718), ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Tapeten- und Putzfedernfabrikation, 2 Maschinenbauanstalten, eine Mühle und (1885) 1969 Einw. Besonders bekannt ist es als einstiger Lieblingsaufenthalt Friedrich Wilhelms I. W., ursprünglich Wendisch-W., wurde 1683 von Friedrich III. angekauft.

Wüstewaltersdorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Breslau, Kreis Waldenburg, am Eulengebirge, hat eine evang. Kirche, Weberei, Färberei, Appreturanstalten, Bleicherei, Leinwandhandel und (1885) 2481 Einwohner.

Wustrow, 1) Stadt im preuß. Regierungsbezirk Lüneburg, Kreis Lüchow, am Einfluß der Dümme in die Jeetzel, hat eine evang. Kirche, eine Schloßruine, mechanische Weberei und (1885) 821 Einw. - 2) Dorf im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, an der Bucht Parnim des Saaler Boddens, hat eine evang. Kirche, eine Navigationsschule, eine Station zur Rettung Schiffbrüchiger, einen Hafen, ein Seebad, Schiffahrt, Fischerei und (1885) 1139 Einw.

Wutach, rechtsseitiger Nebenfluß des Rheins in Baden, kommt als Gutach aus dem Feldsee am Feldberg im Schwarzwald, durchfließt den Titisee, dann in einem tiefen, schönen Thal bis Achdorf nach O., zulegt nach SW. und mündet nach 112 km langem Lauf bei Waldshut nahe der Mündung der Aare.

Wütendes Heer (wilde Jagd, örtlich auch Wudesheer, Wuotisheer, Wutheer, Wütenheer, wildes Gjaig oder kurzweg wilder Jäger), nach der deutschen Sage ein von Wodan (Wuotan) angeführtes Heer (daher der Name) oder großes Gefolge von Gespenstern, welches mit schrecklichem Tosen durch die Lüfte fährt und oft gehört, selten gesehen wird. Diese Sage, welche in hohes Altertum hinaufreicht und sich bald mit Göttern, bald mit Helden verwebt, ist weit verbreitet, erinnert an die Einherier, mit welchen Wodan auszog, und weist in ihrem Ursprung auf eine poetische Auffassung des Gewitterzugs als einer dahintosenden gespensterhaften Jagd hin. Noch jetzt verknüpft die Tradition dieselbe mit dem nächtlichen Sturmestosen besonders in waldreicher Gegend. So jagt in Mecklenburg noch der Wode, in der Ukermark seine Gemahlin Frick, desgleichen in Thüringen Frau Holle. In Niedersachsen und Westfalen ist Hackelberg (s. d.), in der Lausitz Dietrich von Bern, in Niederhessen Karl d. Gr., in Schwaben Berchtold, in Schleswig König Abel,