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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wüterich; Wutki; Wutkrankheit; Wutschang; Wutschierling; Wuttke; Wyandot; Wyandotte; Wyatt; Wybicki

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Wüterich - Wybicki.

in der Mark der alte Sparr (aus der Zeit des Großen Kurfürsten), in Dänemark König Waldemar, in England König Artus der »wilde Jäger« geworden, welcher unter Geschrei, Peitschengeknall und Hundegebell über Feld und Wald zieht, fast immer denselben Weg nimmt und mit fortreißt oder tötet, was nicht ausweicht oder sich zu Boden wirft. In Thüringen schreitet deshalb der getreue Eckart (s. d.) dem Zug voran, um die ihm begegnenden Leute zu warnen. Statt der gespenstischen Tiere, welche das Gefolge des wilden Jägers bilden, erscheint mitunter auch Kriegsvolk mit Trommeln und Trompeten auf feurigen Rossen und mit flammenden Waffen unter Führung Wodans, des obersten Lenkers des Kriegs, oder seiner Stellvertreter, wie Kaiser Karls im Odenwald, und das Volk knüpft daran den Glauben, daß das nur geschehe, wenn ein Krieg bevorstehe. Doch gibt es auch ohne diese Deutung Sagen von Geisterheeren, welche in der Luft kämpfend auftreten, und namentlich sind die alten Chroniken voll von derartigen Auffassungen atmosphärischer Erscheinungen. Vgl. J. Grimm, Deutsche Mythologie; Schwartz, Der heutige Volksglaube und das alte Heidentum (2. Aufl., Berl. 1860).

Wüterich, Pflanze, s. Cicuta und Conium.

Wutki, s. Wodka.

Wutkrankheit, s. Tollwut.

Wutschang, Stadt in der chines. Provinz Nupe, rechts am Jantsekiang, gegenüber Hankeou (s. d.) und Hanjang, ist dem auswärtigen Handel geöffnet und bildet mit den genannten Städten einen der wichtigsten Handelsplätze Chinas. Die Bevölkerung wird auf ½-1 Mill. geschätzt. Der Handel, durch regelmäßige Dampferverbindung mit der Küste unterstützt und in den Händen von Russen, Engländern und Amerikanern, führt namentlich Thee aus und Opium, Woll- und Baumwollwaren ein.

Wutschierling, s. Cicuta.

Wuttke, 1) Heinrich, Geschichtschreiber, geb. 12. Febr. 1818 zu Brieg i. Schl., habilitierte sich 1841 als Dozent in Leipzig, wurde 1848 Professor, beteiligte sich lebhaft an den damaligen politischen Bestrebungen, war 1848 Mitglied des Vorparlaments, trat nach Blums Tod als dessen Stellvertreter in die Nationalversammlung und war hier Mitbegründer und hervorragendes Mitglied der großdeutschen Partei. Seine politische Gesinnung verschärfte sich mehr und mehr zu einem leidenschaftlichen Preußenhaß, namentlich seit 1866, und zu einer schroffen Opposition gegen die bestehenden Zustände, die ihn der Lassalleschen Arbeiterpartei zuführte. Als akademischer Lehrer erntete er anfänglich reiche Erfolge. Er starb 14. Juni 1876 in Leipzig. Er schrieb: »Die Entwickelung der öffentlichen Verhältnisse Schlesiens bis zum Jahr 1740« (Leipz. 1842-43, 2 Tle.); »Die schlesischen Stände« (das. 1847); »Polen und Deutsche« (das. 1847); »Die Kosmographie des Istriers Aithikos« (das. 1853); »Die drei Kriegsjahre 1756, 1757, 1758 in Deutschland« (das. 1856); »Die Völkerschlacht bei Leipzig« (Berl. 1863); »Die deutschen Zeitschriften und die Entstehung der öffentlichen Meinung« (Leipz. 1866, 3. Aufl. 1876); »Städtebuch des Landes Posen« (das. 1864); »Wilhelm von Oranien« (das. 1864); »Geschichte der Schrift und des Schrifttums« (das. 1872, nur der 1. Band: »Entstehung der Schrift«, erschienen; Abbildungen dazu 1873); »Zur Vorgeschichte der Bartholomäusnacht« (das. 1879).

2) Adolf, prot. Theolog und Kulturhistoriker, geb. 10. Nov. 1819 zu Breslau, wo er studierte und seit 1848 als Privatdozent Vorlesungen über Philosophie hielt, wurde, nachdem er 1849-50 in Königsberg eine konservativ-konstitutionelle Zeitung redigiert hatte, 1854 als außerordentlicher Professor der Theologie nach Berlin u. 1861 als ordentlicher Professor für systematische Theologie nach Halle berufen, wo er 12. April 1870 starb. 1866-67 gehörte er dem preußischen Landtag an. Seine Hauptwerke sind die unvollendete »Geschichte des Heidentums« (Bresl. 1851 bis 1853, Bd. 1 u. 2), das »Handbuch der christlichen Sittenlehre« (3. Aufl., Leipz. 1874, 2 Bde.; neue Ausg. 1885) und »Der deutsche Volksaberglaube der Gegenwart« (2. Aufl., Berl. 1869).

Wyandot (spr. ueiandott), nordamerikan. Indianerstamm, zu den Irokesen gehörig, früher in Kanada hausend, dann nach Westen vertrieben und 1883 nur noch 287 Seelen stark im Indianerterritorium wohnend. Die gleichnamige Stadt in Michigan, unterhalb Detroit, mit (1889) 3631 Einw. und großem Walzwerk, bezeichnet einen ihrer Ruhepunkte auf der Wanderung nach Westen.

Wyandotte (spr. ueiandott), Stadt im nordamerikan. Staat Kansas, am Missouri, nahe der Mündung des Kansas, mit Blindenschule und (1885) 12,086 Einw.

Wyatt (spr. ueiatt, auch Wyat, Wiat), 1) Sir Thomas, engl. Dichter, geb. 1503 auf Allington Castle in Kent, studierte zu Cambridge, genoß abwechselnd die höchste Gunst und die Ungnade Heinrichs VIII., wurde 1537 High Sheriff von Kent und starb 11. Okt. 1542 in Sherborne. Zu Anna Boleyn soll er eine heimliche Leidenschaft genährt haben. Wyatts Gedichte zeigen, wie die seines Freundes Surrey, den Einfluß Petrarcas; doch sind seine Liebesgedichte in Sonettenform weniger bedeutend als seine Satiren; er darf als der frühste englische Satiriker gelten. Wyatts »Poetical works« erschienen in neuer Ausgabe von R. Bell (Glasg. 1866-70) und in Hannahs »Courtley poets« (Lond. 1870). Vgl. Alscher, Thomas W. (Wien 1886).

2) James, engl. Architekt, geb. 3. Aug. 1748 zu Burton-Constable, gehört zu den ersten, die in England den gotischen Stil wieder in Aufnahme brachten und ganze Häuser und Gewölbe bloß aus Gußeisen herstellten. Seit 1806 Präsident der britischen Malerakademie, starb er 5. Sept. 1813 in Marlborough. Er hat sich besonders in Wiederherstellungen altenglischer Bauten ausgezeichnet.

3) Matthew Digby, engl. Architekt, geb. 1820 zu Rowde in Wilts, entwarf 1850 den Plan zu dem Londoner Weltausstellungsgebäude, erbaute zahlreiche öffentliche und Privatgebäude in England und Indien, lehrte seit 1870 als Professor zu Cambridge und starb 21. Mai 1877. Er gab heraus: »Specimens of geometrical mosaics of the middle ages« (1848); »Metal work and its artistic design« (1852); »Industrial arts of the nineteenth century« (1853, 2 Bde.); »Art treasures of the united kingdom« (1857, 2 Bde.); »Fine art, a sketch of his history« (Vorträge, neue Ausg. 1870); »An architect's notebook in Spain« (1872) u. a.

Wybicki (spr. -bitzki), Jozef, poln. Staatsmann, geb. 1747 auf Bendomin bei Danzig, ward auf der Jesuitenschule zu Danzig gebildet und erregte zuerst Aufsehen, als er als Landbote auf dem Reichstag von 1768 sein Veto gegen die unter russischem Einfluß gefaßten Beschlüsse ausrief. Nachdem er sich vor den Russen nach Krakau und Ungarn geflüchtet, schloß er sich der Konföderation von Bar an, war für dieselbe in Wien, Berlin und dem polnischen Preußen thätig und kehrte nach der ersten Teilung Polens nach Warschau zurück, wo er Andrzej Zamojski bei der