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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Wytschegda; Wyttenbach; X; Xalapa; Xalisco; Xamitum; Xang; Xänorphĭca; Xanten

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Wytschegda - Xanten.

nez, am Fluß W., hat ein Lehrerseminar, ein Progymnasium für Mädchen, 2 Kirchen, lebhaften Handelsverkehr u. (1887) 2814 Einw. - Der gleichnamige Fluß, 110 km lang, fällt in den Onegasee und ist durch den Marienkanal mit der Kowscha und dem Bjelo Osero verbunden.

Wytschegda, rechter Nebenfluß der Dwina im russ. Gouvernement Wologda, entspringt auf dem im SO. des Timangebirges liegenden Plateau, fließt in vielfach gewundenem Lauf zuerst in südlicher, dann in westlicher Richtung und mündet unterhalb Solwytschegodsk. Von dem über 1000 km langen Lauf sind 800 km schiffbar. Sie nimmt rechts Wischera, Wym und Jarenga, links die nördliche Keltma (s. d.) und die Syssola auf.

Wyttenbach, Daniel, ausgezeichneter holländ. Humanist, geb. 7. Aug. 1746 zu Bern, studierte in Marburg, Göttingen und seit 1770 in Leiden, wurde 1771 Professor der griechischen Sprache und Philosophie am Remonstrantengymnasium zu Amsterdam, 1779 Professor der Philosophie am Athenäum daselbst, 1799 an Ruhnkens Stelle Professor der Beredsamkeit zu Leiden, privatisierte seit 1816 und starb erblindet 17. Jan. 1820 in Ösgeest. Sein Hauptwerk ist die Ausgabe von Plutarchs »Moralia« mit reichen Animadversionen und einem »Index graecitatis in Plutarchi opera« (Oxf. 1795-1830, 8 Bde.; Abdruck, Leipz. 1796-1835). Sonst nennen wir seine »Epistola critica ad D. Ruhnkenium« (Götting. 1769); »Praecepta philosophiae logicae« (Amsterd. 1782; zuletzt von Maaß, Halle 1821); »Eclogae seu selecta principum historicorum capita« (Leid. 1793, zuletzt 1829); seine in klassischem Latein geschriebene »Vita Ruhnkenii« (das. 1800; zuletzt von Frotscher, Freiberg 1846) und die Ausgabe von Platons »Phädon« (Leid. 1810; neue Ausg., Leipz. 1825). Auch gab er mit andern die »Bibliotheca critica« (Amsterd. 1777-1808) und als deren Fortsetzung allein die »Philomathia sive miscellanea doctrina« (das. 1809-17) heraus. Nach seinem Tod erschienen gesammelt: »Opuscula varii argumenti« (Leid. 1821, 2 Bde.); »Opuscula selecta« von Friedemann (Braunschw. 1825-28, 2 Bde.); »Epistolae selectae« von Mahne (Gent 1830); »Epistolae VI ineditae« von K. F. Hermann (Marb. 1839). Vgl. Mahne, Vita D. Wyttenbachii (Gent 1823, Braunschw. 1835; zuletzt von Frotscher, Freiberg 1846); Prantl, D. W. als Gegner Kants (Münchener Sitzungsberichte 1877). - Seine Gattin Johanna, geb. Gallien, eine Nichte aus Hanau, mit der er sich erst in seinem 72. Jahr vermählte, war eine wissenschaftlich hochgebildete Frau. Sie lebte nach dem Tod ihres Gatten in Paris, erhielt 1827 von der Universität Marburg die philosophische Doktorwürde und starb 1830 bei Leiden. Unter ihren Werken nennen wir: »Theagène« (Par. 1815; deutsch, Leipz. 1816); »Das Gastmahl des Leontis« (Ulm 1821) u. den Roman »Alexis« (Par. 1823).

X.

X (ix), x, lat. X, x, das Zeichen für den Doppellaut ks. In den ältesten griechischen und italienischen Inschriften findet sich dafür noch ks geschrieben, das wahrscheinlich von dem phönikischen Samech abstammende einfache Zeichen x fand erst 403 v. Chr. unter dem Archon Eukleides Aufnahme in das athenische Alphabet, von wo aus es in die gemeingriechische und später als drittletzter Buchstabe in die römische und die neuern Schriften gelangte. Die germanischen Sprachen wenden das x in der Regel nur in Fremdwörtern an, einschließlich der romanischen Wörter der englischen Sprache; deutsche Wörter mit x sind Axt, Nixe, Hexe, Axe, das aber häufiger Achse geschrieben wird. Die englische Endsilbe xion ist kshn auszusprechen. Die Franzosen sprechen das x in fremden Wörtern wie ks, in heimischen wie s. Die Italiener schreiben es im Anlaut nur noch in einzelnen Fremdwörtern, wie xilografia (jetzt aber auch meist silografia geschrieben), und verwandeln es sonst in s, z. B. in esaudire, lat. exaudire, oder in ss, z. B. in Alessandria. Das spanische x bezeichnet in heimischen Wörtern in der Regel ein scharfes ch, z. B. in Don Quixote, spr. kichote, ist aber in der jetzigen Orthographie meistens durch j verdrängt worden; in Fremdwörtern hat es den Laut ks beibehalten, in gewissen Fällen wird es wie s gesprochen (z. B. extranjero, jetzt estranjero geschrieben). Die Slawen kennen das x nur in Fremdwörtern, und auch in diesen bezeichnen sie es meist mit ks. Die Redensart: ein X für ein U machen heißt ursprünglich s. v. w. das Doppelte anrechnen (nämlich statt einer V eine X, die aus zwei V gebildet ist, setzen), dann überhaupt s. v. w. etwas weismachen.

Abkürzungen.

Als Zahlzeichen im Griechischen ξ = 60, ,ξ = 60,000, im Lateinischen X = 10. In römischen Schriften ist X = Denarius, weil derselbe aus 10 As bestand; in der Mathematik zeigt x eine unbekannte, noch zu suchende Größe an (daher in der Umgangssprache xmal, s. v. w. unbestimmt wievielmal). Im kanonischen Recht bedeutet es den ersten Teil der Dekretalen; in ältern medizinischen Schriften ist x = Unze.

XP, in der Telegraphie = exprès payé, »Eilbote bezahlt«.

XP (griech., auch ☧) = »Chr.« (Christusmonogramm, s. d.).

Xr., früher = Kreuzer (Münze).

Xalapa, Stadt, s. Jalapa.

Xalisco, Staat, s. Jalisco.

Xamitum, s. Hexamiton.

Xang, Rechnungswert in Siam, = 20 Tumlung = 80 Bat oder Tikal (s. d.); 50 X. = 1 Haï.

Xänorphĭca, s. Bogenflügel.

Xanten (Santen), Stadt im preuß. Regierungsbezirk Düsseldorf, Kreis Mörs, unweit des Rheins und an der Linie Boxtel-Wesel der Nordbrabant-Deutschen Eisenbahn, 26 m ü. M., hat eine evangelische und eine kath. Kirche (letztere, der fünfschiffige St. Viktorsdom, ein Meisterwerk gotischer Baukunst, 1213-1525 erbaut, mit wunderthätigem Christusbild und merkwürdigen Grabmonumenten, wurde 1857-68 renoviert), ein Progymnasium, ein Lehrerinnenseminar, Samtweberei, Bierbrauerei und (1885) 3621 Einw. - Die Stadt ist aus der römischen Kolonie Castra vetera hervorgegangen, welche Drusus gründete und zu einem Standlager befestigte. Dieses wurde 69 n. Chr. von Claudius Civilis belagert und verbrannt. 70 fanden daselbst mehrere Gefechte mit den Batavern statt, welche mit dem Sieg der Römer unter Petilius Cerialis endeten. Im