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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Xanthosiderit - Xenophanes.

Xanthosiderīt, s. Gelbeisenstein.

Xanthospulver, s. Xanthogensäure.

Xántus, Johann, von Csiktapolcza, ungar. Naturforscher und Reisender, geb. 5. Okt. 1825 zu Csokonya im Somogyer Komitat, studierte in Fünfkirchen und Raab, ging nach der Revolution nach Amerika, war 1853-62 Mitglied mehrerer nordamerikanischer wissenschaftlicher Expeditionen, worüber er in den »Proceedings« der Akademie von Philadelphia berichtete, und ging 1862 als amerikanischer Konsul nach Mexiko, kehrte aber nach der Okkupation des Landes durch die Franzosen nach der Heimat zurück. Im Auftrag des ungarischen Unterrichtsministeriums nahm er zuerst 1869-71 an der ostasiatischen Expedition teil, bereiste dann die Philippinen, Borneo, Sumatra, Java und kehrte Ende 1871 mit reichen zoologischen, botanischen und ethnographischen Sammlungen zurück. Er schrieb (in ungarischer Sprache): »Briefe aus Nordamerika« (1856); »Reise in Südkalifornien« (1858); »Daten zur physikalischen Geographie des Meers« (1862); eine Monographie der Insel Ceylon u. a. X. ist seit 1859 Mitglied der ungarischen Akademie.

Xaver, 1) eigentlich Xavier (spr. chhawjer), Franziskus, der heilige, der Apostel der Inder und Patron der katholischen Mission, geb. 1506 auf dem Schloß Xavier bei Pamplona, studierte in Paris, wo er von Ignaz von Loyola für den Plan zur Stiftung des Jesuitenordens gewonnen wurde. Im Auftrag des Papstes und des Königs von Portugal unternahm er 1541 eine erfolgreiche Missionsreise nach Ostindien, wo er sechs Jahre hindurch thätig war, dann nach den Molukken und Japan. Nur sein 2. Dez. 1552 erfolgter Tod hinderte ihn am Eindringen in China. »Weiter« (amplius) war sein Wahlspruch; 1623 kanonisiert, ward er von Benedikt XIV. 1747 zum Protektor von Indien erklärt. Seine Briefe finden sich in Daniel Bartolus' »Historia gestorum per Jesuitas in Asia« (Rom 1665, 5 Bde.). Vgl. Venn und Hoffmann, Franz Xavier (Wiesb. 1869); de Vos, Leben und Briefe des heil. F. X. (Regensb. 1877, 2 Bde.); Biographien von Reithmaier (2. Aufl., das. 1881), Greff (Einsiedeln 1886) u. a.

2) Franz August, Prinz, Administrator des Kurfürstentums Sachsen, geb. 25. Aug. 1730, zweiter Sohn Augusts III., Kurfürsten von Sachsen und Königs von Polen, erhielt eine sehr sorgfältige Erziehung und ging 1758 als Graf von der Lausitz nach Frankreich; zum französischen Generalleutnant ernannt, sammelte er ein Korps Sachsen, das er, mit den Franzosen vereint, im westlichen Deutschland gegen Preußen und dessen Verbündete führte. Nach dem Tod seines Bruders, des Kurfürsten Friedrich Christian, 17. Dez. 1763, übernahm X. die Vormundschaft über den unmündigen Kurfürsten Friedrich August, während deren viel für die Herstellung des Wohlstandes geschah, die allmähliche Tilgung der Kammer- und Steuerschulden gesichert, 1761 die Landesökonomie-, Manufaktur- und Kommerziendeputation errichtet, 1765 die Bergakademie zu Freiberg gestiftet, auch die Schafzucht durch spanische Merinos gehoben wurde. Nachdem er aber wegen seiner übermäßigen Anforderungen für das Militär mit den Ständen zerfallen war, übergab er schon 15. Sept. 1768 die Regierung seinem Mündel und begab sich nach Paris, später nach Rom und lebte seit 1796 auf der ihm vom Kurfürsten geschenkten Herrschaft Zabeltitz. Er starb 20. Juni 1806 in Dresden. Aus seiner morganatischen Ehe mit der Gräfin Klara Spinuzzi (gest. 1792) entsproßten sieben Kinder. Vgl. »Correspondance inédite du prince François-Xavier de Saxe« (mit Biographie von Thévenot, Par. 1874).

X-Beine (Genu valgum), s. Bein.

Xenaias, s. Philoxenos 2).

Xenia (spr. ssíhnia), Stadt im nordamerikan. Staat Ohio, Grafschaft Greene, am Little Miami, 80 km nordnordöstlich von Cincinnati, hat Fabriken, Kalksteinbrüche und (1880) 7026 Einw.

Xenĭen (griech. Xenia), eigentlich Geschenke für Gastfreunde bei den Alten, kommt schon bei Martial als Überschrift für das 13. Buch seiner Epigramme vor, weil dasselbe größtenteils von solchen Gegenständen handelt, welche gewöhnlich als Gastgeschenke verteilt wurden. Großes Aufsehen machten in neuerer Zeit die unter dem Titel: »X.« von Schiller zuerst im »Musenalmanach« für 1797 bekannt gemachten, aus mehr als 400 Distichen bestehenden Sinngedichte, welche in geistreicher, aber beißender Weise litterarische und menschliche Thorheiten angriffen und dabei auch feine und treffende Bemerkungen über Kunst, Litteratur und Leben enthielten. Aus dem Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe ergibt sich, daß beide die Verfasser waren. Sie wurden von Ad. Stern (Leipz. 1872) neu herausgegeben. Vgl. Boas, Goethe und Schiller im Xenienkampf (Stuttg. 1851, 2 Bde.); Saupe, Die Schiller-Goetheschen X. (Leipz. 1852). Goethe gab später in seiner Sammlung von Gedichten eine Reihe epigrammatischer Gedichte unter dem Titel: »Zahme X.«

Xenil (spr. chhenīl), s. Jenil.

Xenodochĭum (griech.), Herberge, Hospital; s. Krankenhäuser, S. 148.

Xenographīe (griech.), Kunde fremden (ausländischen) Schriftentums.

Xenokrătes, 1) griech. Philosoph, geb. 397 (nach andern 395) v. Chr. zu Chalcedon, Schüler und seit 339 zweiter Nachfolger Platons in der Akademie, welcher er bis an seinen Tod (314) vorstand. Unter seinen Schülern sind berühmt Polemon, Krantor, Zenon. Seiner Redlichkeit wegen bedienten sich die Athener des X. mehrmals zu diplomatischen Sendungen. Er hat alle Teile der Philosophie und daneben Arithmetik, Geometrie und Astronomie bearbeitet; doch sind nur unbedeutende Fragmente seiner Schriften auf uns gekommen. Die dreifache Einteilung der Philosophie in Dialektik, Physik und Ethik hat X. im Anschluß an Platon zuerst ausdrücklich durchgeführt. Er nahm die mathematische Zahl für den adäquaten Ausdruck der Ideen selbst und ging in der Anwendung derselben auf die verschiedensten Begriffe und realen Verhältnisse weiter als irgend ein andrer Platoniker.

2) Arzt aus Aphrodisias, verfaßte um 70-75 n. Chr. ein pharmakologisches Werk, auch eine unbedeutende Schrift: »Über eßbare Wassertiere«, die alles enthält, was man damals über Fische und Weichtiere wußte. Sie wurde herausgegeben zuerst von Konrad Gesner (Zürich 1559), zuletzt in Idelers »Physici et medici graeci minores« (Berl. 1841).

Xenokratie (griech.), Fremdherrschaft.

Xenophănes, der Stifter der Eleatischen Schule (s. d.), aus Kolophon, war ein Zeitgenosse des Pythagoras und Anaximander. Aus seiner Vaterstadt vertrieben, führte er ein unstetes Wanderleben in Hellas, in Sizilien und Unteritalien, wo er sich um 536 v. Chr. zu Elea niederließ und daselbst in hohem Alter starb. Entschiedener Pantheist, dessen Metaphysik in dem Satz bestand: »Hen to pan« (»Eins ist das All«), bestritt er die durch Homer und Hesiod verbreiteten Volksvorstellungen von den Göttern als anthropo-^[folgende Seite]