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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zeichenrolle; Zeichenschiefer; Zeichensprache

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Zeichenrolle - Zeichensprache.

Zeichnen der verschiedensten Kurven, für welche einzelne Punkte durch Konstruktion bestimmt sind; das Parallel- und das Schraffierlineal zum Ziehen von Parallellinien; der Storchschnabel (s. oben); das Reißzeug, eine Zusammenstellung von Zirkeln und Reißfedern zum Ausziehen der Konstruktionen mit Tusche; die Punktierfeder zur Ausführung verschiedenartig punktierter Linien; der Winkelmesser (Transporteur) zum Messen und Auftragen beliebiger Winkel; Reißnägel (Heftzwecken) zur Befestigung des Papiers; Zentrizwecken mit einer Vertiefung in der Mitte zur Aufnahme der bei der Ausführung von Kreisen feststehenden Zirkelspitze; Kopiernadeln, feine Stahlnadeln mit großem Kopf (s. oben). Man zeichnet auf Holz, Stein, Pergament, am häufigsten auf Papier, auf weißem oder auf farbigem (Ton-) Papier. Die bessern Bütten- (Schöpf-) Papiere sind den Maschinenpapieren gewichen, von denen die rheinischen (Düren) den Vorzug verdienen. Von Tonpapieren brauchte man früher gern die französischen, während jetzt die deutschen den Anforderungen genügen. Zu feinern technischen Zeichnungen und Aquarellen bedient man sich immer noch der englischen Whatman-Papiere. Das Papier wird meist nur mit Heftzwecken befestigt; soll jedoch getuscht werden, so ist das Aufkleben (Aufspannen) nötig. Der an den Rändern mit Klebstoff (Gummi, Kleister, Leim) versehene Bogen wird vollständig angefeuchtet auf das Reißbrett geklebt und ist nach dem Trocknen völlig glatt, kann auch wiederholt abgewaschen und mit Farbe überzogen werden. Um dem Zeichner das Aufziehen des Papiers zu ersparen, hat man zehn oder mehrere Zeichenbogen gleicher Größe auf solide Pappunterlage gebracht und mit Leinenstreifen aneinander geklebt (Zeichenblock).

Die Uranfänge der Z., künstlerischer Unterweisung im Zeichnen, mögen wir suchen bei Ägyptern, Assyrern, Indern, Persern, Etruskern. Im Mittelalter waren die Klosterschulen und die Bauhütten Pflanz- und Pflegestätten der Z. Bei diesen wie bei jenen ist an den sogen. Meisterunterricht zu denken: der Schüler sah dem Meister seine Kunst ab. Versuche zur Verallgemeinerung der Z. finden wir vielleicht bei den Griechen, welche Grammatik, Gymnastik, Musik und Zeichnen als Hauptgegenstände der Jugenderziehung ansahen; die Bestrebungen aber, die Z. zum Gemeingut des ganzen Volkes durch einen pädagogisch geordneten Unterricht zu machen, gingen von den großen Pädagogen des 17. Jahrh. (Comenius, Locke, Francke) aus. Im 18. Jahrh. erstrebten vor allen Rousseau und die Philanthropisten einen geordneten Zeichenunterricht, Pestalozzi folgte ihnen darin nach. Der Neuzeit war es vorbehalten, den Zeichenunterricht zu trennen von der Z., den Meisterunterricht in die Ateliers zu bannen und das Schulzeichnen zu einem Geist und Gemüt, Auge und Hand bildenden Unterrichtsfach zu gestalten. Vgl. Flinzer, Lehrbuch des Zeichenunterrichts (4. Aufl., Leipz. 1888); Weishaupt, Theorie und Praxis des Zeichenunterrichts (2. Aufl., Weim. 1879, 2 Bde.); Lang, Theorie und Technik des Zeichnens (Erlang. 1884); Wunderlich, Geschichte der Methodik des Freihandzeichenunterrichts (Bernb. 1886). Zur Förderung der Z. und des Zeichenunterrichts bestehen in Deutschland und der Schweiz zahlreiche Vereine, deren bedeutendster der Verein deutscher Zeichenlehrer ist; zu gleichem Zweck erscheinen in deutscher Sprache neun Zeitschriften, in holländischer Sprache erscheint ein Blatt. Die verbreitetsten Zeitschriften sind: »Zeitschrift des Vereins deutscher Zeichenlehrer« (Stade), »Zeitschrift des Vereins österreichischer Zeichenlehrer« (Wien), »Monatsblatt für den Zeichenunterricht in der Volksschule« (Hannover).

Zeichenrolle, Zeichenregister, Zeichenschutz, s. Fabrik- und Handelszeichen.

Zeichenschiefer, s. Thonschiefer.

Zeichensprache, alle diejenigen Mitteilungen von Gedanken, welche nicht durch Worte, sondern durch ausdrucksvolle, sichtbare oder hörbare, Zeichen zu erfolgen pflegen. Auch die Gebärdensprache (s. d.), welche bei lebhaften südlichen Völkern, bei den Indianern Nordamerikas (s. unten), außerdem bei den Taubstummen und in gewissen Klöstern eine so große Rolle spielt, ist eine Z.; doch reicht ihr Begriff viel weiter, indem alles, was in die Sinne fällt, auch wenn eine Absicht der Mitteilung gar nicht vorliegt, dem Beobachter zu einem Zeichen werden kann; z. B. wenn er aus den Wirkungen auf die Ursachen schließt. Im allgemeinen versteht man jedoch unter Z. solche Mitteilungen, welche von einem denkenden Wesen mit Absicht durch auffällige Prozeduren gemacht werden, wobei oft nur die Absicht, etwas zu sagen, ohne jedweden Ausdruck dessen, was gemeint ist, an den Tag tritt. Man denke z. B. an Schüsse, an Alarmsignale, an das Klingeln und an die vielfachen Zeichen, durch welche sich die Tiere untereinander verständigen. Nach und nach werden solche Zeichen, die an sich nur dazu dienen, die Aufmerksamkeit zu erregen, konventionell und dadurch auch ausdrucksfähig (z. B. das verschiedenartige Läuten der Glocken bei Sturm, bei freudigen und traurigen Anlässen). Ihnen schließen sich nun weiter solche Zeichen an, die einen Gedanken enthalten und eine Gesinnung zum Ausdruck bringen, vor allen die Gebärden, die auf einer bewußten Reproduktion von Reflexerscheinungen, gleichsam auf einer Art Schauspielkunst beruhen, und deren sich alle Menschen tagtäglich neben der Lautsprache bedienen: die Begrüßungen und Ehrenbezeigungen, die Zeichen der Verachtung und des Spottes, wie sie die Schulkinder entwickelt haben; ferner die symbolischen Handlungen und die absichtlich beigebrachten Thatsachen, durch welche die Menschen einander etwas ohne Worte zu Gemüte führen (die Skythen senden dem Dareios einen Frosch, einen Vogel, eine Maus und fünf Pfeile; Cato wirft frische Feigen in den Senat); endlich die signifikativen Waffen (Wappen) und Kleidungsstücke (Abzeichen, Uniformen) sowie jede Art von bildlichen und anzüglichen Geschenken (Blumensprache, Briefmarkensprache). Eine noch höhere Stufe der Z. würden die Pantomimen und Hieroglyphen des Volkes bezeichnen, aus denen die Gebärdensprache der Taubstummen und die Schrift hervorgegangen ist, zwei Erscheinungen der Z., welche auf eine plastische Nachbildung der Dinge hinauslaufen und der Wortsprache völlig gleich geordnet sind. Eine wichtige Rolle spielt die Z. bei vielen unzivilisierten Völkern, wie z. B. den nordamerikanischen Indianern, deren Sprachen so sehr untereinander abweichen, daß sie auf ihren häufigen Jagdzügen in entlegene Gegenden sich nur durch Gebärden verständlich machen können. Dieser Umstand hat bei ihnen zur Feststellung eines ganzen Systems von Zeichen geführt, die meistenteils mit den Fingern gegeben werden und nicht selten eine überraschende Ähnlichkeit mit den Zeichen der Taubstummen und der Mönche haben (vgl. Mallery, Collection of gesture-signs, Washingt. 1880). Eine systematische Übersicht über das gesamte Gebiet der Z. gewährt Kleinpaul, Sprache ohne Worte (Leipz. 1888).