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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zeitungen

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Zeitungen (Deutschland).

18mal in der Woche. In der preußischen Monarchie erscheinen, wenn man von der Provinz Brandenburg (573 an 91 Verlagsorten), welche Berlin mit begreift, absieht, die meisten Z. in der Rheinprovinz, nämlich 390 an 130 Verlagsorten; die geringste Ziffer weist hier Westpreußen mit 74 Z. an 32 Verlagsorten auf. Dazwischen liegen der Reihenfolge nach Schlesien, Hessen-Nassau, Hannover, Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Pommern. Den großen Fortschritt in der Verbreitung des politischen Denkens und Interesses erkennt man in folgender Tabelle Heusingers. Nach der Kopfzahl der Bevölkerung gerechnet, kamen an Personen auf je eine Zeitung in deutscher Sprache in der:

1824 1850 1876

1) Rheinprovinz 47060 17430 9700

2) Prov. Brandenburg 21120 10440 6480

3) " Schlesien 50280 25800 15600

4) " Sachsen 26700 15760 13400

5) " Ost- und Westpreußen 100770 37100 22230

6) " Westfalen 59230 18000 14700

7) " Pommern 65130 18450 14370

8) " Posen 346640 56520 34900

Spätere Berechnungen liegen nicht vor.

In Deutschland haben sich die politischen Z. hauptsächlich seit dem Ende der 40er Jahre vermehrt. Während 1823-47 nur 22 neue politische Z. entstanden, erschienen in den Jahren 1847-50 deren 66 neue. Ihre Zahl stieg bis 1871 auf 948 Stück, bis 1881 auf 2337. Aber nicht nur die Entwickelung des politischen Sinnes hatte Einfluß auf die Zunahme der Z., ganz besonders auch war es der Handel, welcher ihre Ausbreitung beförderte. Auch hierin datiert von 1850 ein neuer Aufschwung. Während bis 1850 in den Hauptplätzen des Verkehrs nur Kurszettel erschienen, hat sich seitdem eine Menge Organe entwickelt, die den finanziellen und merkantilen Interessen dienen. Nicht minder haben sich in gleichem Verhältnis die Modenzeitungen, die illustrierten und Unterhaltungsblätter gehoben, letztere wiederum in Deutschland ganz besonders seit 1871. Auch die Zahl der durch die Post vertriebenen Exemplare hat enorm zugenommen und zwar um das Fünffache in einem Zeitraum von 25 Jahren. Während in Preußen 1850 die Zahl der versendeten Nummern 29,591,000 betrug, belief sich dieselbe 1874 auf 153,494,000 Nummern. Und erst seit dieser Zeit etwa datiert sich wiederum der staunenerregende Umfang vieler Organe. Da war es nun von Wichtigkeit und ohne Zweifel von größtem Einfluß auf die Verbreitung der Z. überhaupt, daß 1849 der deutsche Postkongreß zu Dresden einheitliche Bestimmungen in der Richtung traf, daß die Gebühr vom Einkaufspreis der Z. ohne Rücksicht auf die Bogenzahl berechnet und im Verkehr mit den dem Deutsch-Österreichischen Postverein beigetretenen Staaten zwischen den bestellenden und absendenden Postanstalten zu gleichen Hälften geteilt wurde, ein Verfahren, das heute noch für den Verkehr der deutschen Reichspostanstalten mit den österreichischen, bayrischen, württembergischen und luxemburgischen Postanstalten zu Recht besteht. Auch trug es mit zur Verbreitung der Z. bei, daß seit 1848 die Gebührensätze insofern wesentlich ermäßigt wurden, als die Gebühr niemals 25 Proz. des Einkaufspreises übersteigen durfte. Dieses Maximum nun hat sich im Lauf der Jahre noch bedeutend verringert, und es hat sich schließlich eine Minimalgrenze von 40 Pf. jährlich für jede bezogene Zeitung ergeben. Einkaufspreise und Beförderungsgebühren haben sich gleichmäßig sehr vermindert, wenn auch nicht in dem Grade, den man anzunehmen geneigt sein möchte, ein Umstand, der bei näherer Betrachtung durch die erhöhten Herstellungs- und Betriebskosten erklärlich wird. Auch war es für Leser wie Verleger von nicht geringem Belang, daß die Postverwaltung die Zeitungsüberweisungen ins Werk setzte; ferner, daß sie seit 1871 auch die außergewöhnlichen Beilagen beförderte, seit 1874 sogar gegen das geringe Entgelt von ¼ Pf. für das Exemplar. Einer der wichtigsten Fortschritte aber war es, als 1874 im Bereich des deutschen Postgebiets die Zeitungsstempelsteuer aufgehoben ward. Sie hatte seit 1822 für jede im Inland erscheinende politische Zeitung jährlich 1 Thlr. und für jede im Ausland erscheinende 1 Thlr. 10 Sgr. betragen und war 1852 auch auf die nichtpolitischen Blätter übertragen worden. Sie erfuhr im Lauf der Jahre verschiedene Modifikationen, bis sie endlich ganz verschwand, zugleich mit der Kautionspflicht der Verleger. Die Kaution, welche sich nach der Erscheinungsart der Zeitung und nach der Wohlhabenheit des Verlagsorts zu richten pflegte, war sehr lästig und meist nicht niedrig. Die Orte waren in vier Klassen geteilt, nach ihnen betrug seit 1851 die Kaution 5000, 3000, 2000 und 1000 Thlr.

In deutscher Sprache erscheinen nach der Zeitungspreisliste des kaiserlichen Postzeitungsamtes für 1890 auf der ganzen Erde 6978 Z. Die Gesamtzahl der in Deutschland publizierten Z. betrug 1889 etwa 6000, davon ca. 3000 politischen Charakters.

Die katholische Presse Deutschlands hat seit 1870 einen bedeutenden Aufschwung genommen. Damals nur durch 15 Z. repräsentiert, erscheinen heute ca. 300 katholische Organe in Deutschland, von denen sich 150 der Politik ausschließlich widmen. Von letztern entfallen auf Preußen allein ca. 100, auf Bayern nur 30. Von der Gesamtsumme fallen auf Preußen 150 katholische Organe, deren bedeutendstes die unter Windthorsts Auspizien 1871 in Berlin gegründete »Germania« ist. Auf einen großen Leserkreis stützt sich die 1860 gegründete »Kölnische Volkszeitung«, das tonangebende Organ der rheinländischen Klerikalen. Von den klerikalen Blättern der übrigen deutschen Staaten, mit Ausnahme Bayerns, ist nur das »Mainzer Journal« nennenswert. In Bayern selbst verdienen Erwähnung die »Augsburger Postzeitung« und das von Sigl redigierte, auf einem extrem partikularistischen Standpunkt stehende und von der Parteidisziplin unabhängige »Bayrische Vaterland«. Von katholischen Blättern, welche den Charakter unsrer Revuen aufweisen, sind nur zwei zu nennen, die jesuitischen »Stimmen aus Maria-Laach« (Freiburg i. Br., seit 1871) und die 1839 von Phillips und Görres gegründeten, jetzt von Jörg und Binder redigierten »Historisch-politischen Blätter« (Münch.). Kritischen Inhalts sind der »Litterarische Handweiser« (Münst., seit 1863) und die »Litterarische Rundschau« (Freiburg, seit 1875). Parteigänger hat die klerikale Presse vor allem in Österreich, wo das »Vaterland«, das, in Wien erscheinend, in Format und Anordnung des Stoffes den großen Wiener Z. nachstrebt, neben dem »Linzer Volksblatt« zu nennen ist. Nach Wörls »Weltrundschau über die katholische Presse zu Neujahr 1878« (Würzb. 1878) erscheinen auf der Erde überhaupt 1062 Blätter katholischer Tendenz, von denen 937 auf Europa und 124 auf Amerika kommen.

In der Feindschaft gegen das Reich der klerikalen Presse gleichkommend, in der Rücksichtslosigkeit der Mittel sie noch überbietend, stand bis zum Erlaß des sogen. Sozialistengesetzes vom 21. Okt. 1878 die so-^[folgende Seite]