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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zendel; Zendrini; Zenger; Zengg

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Zendel - Zengg.

und daher nur in Indien sich eine größere Anzahl von Parsen erhalten hat, die dorthin aus Persien geflüchtet waren und die ihnen noch gebliebenen Bruchstücke des Z. mitgebracht hatten. Der Name Z. kommt nicht vor der Zeit der Sassaniden vor und bedeutet wahrscheinlich »Gesetz« oder »heiliger Text« (Avesta, auf den altpersischen Keilinschriften Abastâ) und »Kommentar« (Zend, im Pehlewi Zand); dabei sind unter Kommentar die Glossen in Pehlewi zu verstehen, welche die Priester wegen ihrer mangelhaften Kenntnis der Zendsprache dem Original beigefügt hatten. Die einzelnen Teile des Z. sind:

1) Der Yaçna (Izeschneh, »Buch der Opfer«), in 72 Kapitel zerfallend, welche Hâ heißen und größtenteils aus langen und eintönigen Anrufungen verschiedener Gottheiten bestehen. Die Kapitel 28-53 sind dagegen der älteste und wichtigste Teil des Z.; sie enthalten namentlich die fünf Gâthâs oder Lieder, welche teilweise von Zoroaster selbst herrühren und unsre Hauptquelle für die von ihm verkündigte Dogmatik und Moral bilden.

2) Der Vendidâd (von vî-daêvô-dâta, »gegen die Devs, d. h. Dämonen, gegeben«) enthält in seinen 22 »Fargards« Fragmente sehr verschiedenartigen Inhalts, die nur betreffs der überall durchgehenden Einkleidung in Dialoge zwischen Ormuzd (s. d.) oder Ahuramazda und seinem Propheten Zoroaster miteinander übereinstimmen. Der erste Fargard enthält die parsische Schöpfungssage, der zweite die Sage von Yima und dem goldenen Zeitalter, die folgenden größtenteils Vorschriften über Bußen und Sühnen, durch welche man die Folgen der verschiedenen Sünden oder Verunreinigungen, die man auf sich geladen hat, abwehren kann.

3) Der Vispered (von vîspe ratavo, »alle Herren oder Genien«) enthält in 23 Kards (Abschnitten) Gebete von ähnlicher Natur wie die im jüngern Teil des Yaçna, aber von viel geringerm Umfang. Die drei genannten Bücher zusammen bilden, in einer eigentümlichen Anordnung zusammengestellt, die zu gottesdienstlichen Zwecken viel gebrauchte Sammlung Vendidâd Sâde.

4) Die Yashts, im ganzen 24, sind Anrufungen, je an eine bestimmte Gottheit (z. B. an Tistrya, an Mithra, an die Fravashis oder Seelen der Verstorbenen) gerichtet, deren Eigenschaften ausführlich aufgezählt und beschrieben werden. Sie sind daher eine wichtige Quelle für parsische Mythologie.

5) Die fünf Ryâyish, die Stücke Aferîn und Afrigân und einige andre kleine Stücke und Fragmente werden häufig mit den Yashts unter dem Namen Khorda Avesta (»kleinerer Avesta«) zusammengefaßt. Den Text des Vendidâd, Vispered und Yaçna nebst der Pehlewi- (Huzvârejh) Übersetzung gab Spiegel heraus (Leipz. 1853-58, 2 Bde.), den ganzen Text des Z. ohne Übersetzung Westergaard (Kopenh. 1852-1854) und Geldner (Stuttg. 1884 ff., noch unvollendet), den Text der Gâthâs Bartholomä (Halle 1879). Vgl. Spiegel, Avesta: die heiligen Schriften der Parsen, aus dem Grundtext übersetzt (Leipz. 1852-1863, 3 Bde.); Harlez, Avesta, livre sacre des sectateurs de Zoroastre (franz. Übersetzung, Lütt. 1875 bis 1878, 3 Bde.); Haug, Die Gâthâs des Zarathustra (Leipz. 1858-60, 2 Bde.); die englische Übersetzung des Z. von Darmesteter und Mills in den von Max Müller herausgegebenen »Sacred books of the East« (Oxf. 1880). - Auch die an den Z. sich anschließende, in Pehlewi und Parsi abgefaßte spätere theologische Litteratur der Parsen ist neuerdings durch gute Ausgaben und Übersetzungen zugänglich gemacht worden, so der Bundehesch (hrsg. und übersetzt von Justi, Lond. 1868; engl. Übersetzung von West, Oxf. 1879), der Minokhired oder Mainyo-î-Khard (hrsg. mit engl. Übersetzung von West, Stuttg. 1871), der Dinkard (hrsg. mit engl. Übersetzung von Peshotun Dustoor Behramju Sanjana, bis jetzt 3 Bde., Bombay 1877-81) etc.

Zendel, s. Sendel.

Zendrini, Bernardino, ital. Dichter, geb. 6. Juli 1839 zu Bergamo als Sohn eines namhaften Arztes, verbrachte einen Teil seiner Kindheit in der deutschen Schweiz, wo er sich frühzeitig eine vollkommene Kenntnis des Deutschen aneignete, widmete sich sodann dem Studium der Rechte in Pavia und wurde 1861 zum Doktor promoviert, gab jedoch die Laufbahn eines Rechtsgelehrten auf und übernahm 1862 den Lehrstuhl der italienischen Sprache am Lyceum zu Como. Zuvor hatte er schon durch seine Doktordissertation über die »freie Kirche im freien Staat« sowie durch eine öffentlich gesprochene Trauerrede auf den Tod Cavours Beweise seiner litterarischen Fähigkeiten gegeben. Zu Como studierte er mit nachhaltigem Eifer seinen Lieblingsdichter Heine und veröffentlichte 1864 eine treffliche Monographie über denselben in der »Civiltà cattolica«; bald darauf erschien seine »Ghirlanda dantesca« (Mail. 1865), ein Cyklus von Gedichten zur Dante-Feier. Von Como wurde Z. ans Lyceum zu Ferrara versetzt; später ward ihm die Professur der deutschen Litteratur an der Universität zu Padua übertragen; seit 1875 wirkte er als Professor der italienischen Litteratur an der Universität zu Palermo und starb daselbst 5. Aug. 1879. In die Zeit seines Aufenthalts zu Ferrara fällt die Veröffentlichung seiner vorzüglichen Übersetzung von Heines »Buch der Lieder« (»Il canzoniere di Heine«, Mail. 1865; 4. wesentlich verbesserte Auflage, das. 1885). Diese Leistung, die Frucht mehrjähriger hingebender Beschäftigung mit dem deutschen Poeten, machte Zendrinis Namen bald allgemein bekannt und trug das Ihrige dazu bei, die Poesie Heines in Italien populär zu machen. Auch mit Originalgedichten trat Z. hervor (»Prime poesie«, Pad. 1871), die ihm einen Platz unter den bedeutendern italienischen Lyrikern der Gegenwart sichern. Viele davon sind von Paul Heyse, J. ^[Julius] Schanz u. a. ins Deutsche übertragen. Briefe Zendrinis veröffentlichte Pizzo (Mail. 1886).

Zenger, Max, Komponist, geb. 2. Febr. 1837 zu München, studierte zuerst bei L. Stark und 1859-1860 in Leipzig, ward 1860 Musikdirektor in Regensburg, 1869 in München, wurde 1872 als Hofkapellmeister nach Karlsruhe berufen, kehrte aber bald nach München zurück, wo er 1878 Dirigent des Oratorienvereins (bis 1885) und Akademischen Gesangvereins sowie Lehrer des Chorgesangs an der königlichen Musikschule wurde. Seine Werke, die Opern: »Ruy Blas« (1868 in München aufgeführt), »Die beiden Foscari« und »Wieland, der Schmied«, das Oratorium »Kain«, zwei Symphonien etc., haben ihm einen geachteten Namen gemacht.

Zengg (Senj), königliche Frei- und Hafenstadt im kroatisch slawon. Komitat Lika-Krbava, am Morlakenkanal des Adriatischen Meers, Sitz eines kath. Bischofs und bischöflichen Konsistoriums, mit schöner Kathedrale, (1881) 3039 kroatischen und ital. Einwohnern, Schiffbau, kleinem Freihafen (seit 1785), Fischerei und lebhaftem Seehandel. Z. hat eine theologische Diözesanlehranstalt, ein bischöfliches Seminar, ein Obergymnasium, ein Bezirksgericht u. ein Hauptzollamt. - Z., eine uralte Stadt (im Altertum Senia oder Segnia), soll von senonischen Galliern gegründet worden sein; 452 wurde es von Attila erobert, im 13. Jahrh. durch barbarische Horden zerstört, spä-^[folgende Seite]