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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zentralbau; Zentralbehörden

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Zentralbau - Zentralbehörden.

von geringerer Ausdehnung als die beiden vorigen; 4) die Stein- oder Schuttsteppe ist dadurch gekennzeichnet, daß in der lockern, feinerdigen Substanz der Lößsteppe scharfkantiger Gebirgsschutt in wechselnder Menge eingeschlossen ist. Die Vegetation findet hier Bedingungen ähnlicher Art wie in der gelberdigen Lößsteppe, wenn auch die Anwesenheit der Steine eine gewisse Verteilung veranlaßt. - Das Klima ist im Sommer überall sehr heiß, Schnee bleibt im S. selten lange liegen. In der Mongolei und in den Steppen weht im Winter heftiger austrocknender Nordwestwind oft Wochen hindurch mit erschrecklicher Heftigkeit. Schneegestöber macht den Aufenthalt höchst unangenehm, erst Ende Mai oder Anfang Juni fällt der letzte Schnee. Regenfall ist hier im Sommer reichlich; dagegen charakterisiert große Trockenheit die Länder südöstlich des Thianschan, worin sich die Nähe Hochasiens bemerkbar macht. Frühling und Herbst fehlen in den Steppen.

An Produkten ist dieses weite Gebiet sehr arm. Wachstum ist durchgehends bedingt durch künstliche Bewässerung; ergiebige Ernten werden daher nur in wenigen bevorzugten Gegenden erzielt. Die fruchtbarsten Teile sind die Flußufer im Tarimbecken. Der Ackerbau wird hier noch mit höchst unvollkommenen Geräten betrieben; die Nomaden sind Viehzüchter. Groß ist der Reichtum an Wild; der Thianschan beherbergt das Riesenschaf (Ovis Polii) und einen Vultur indicus, der durch seine Größe wahrscheinlich Anlaß gab zu dem fabelhaften Vogel Greif in Marco Polos Reisebericht. Die Bevölkerung Zentralasiens zeigt wie das Land eine überraschende Zusammengehörigkeit. Ursprünglich wohnten hier Indogermanen, die sich noch bis heute in abgelegenen Thälern erhalten haben, wo sie ihr Leben von etwas Feldbau, Viehzucht und Jagd fristen. Die große Masse, das tonangebende Volk, gehört heute zum türkisch-tatarischen Stamm (Kirgisen, Mongolen, Uzbeken, Turkmenen, s. d.); fleißige Ackerwirte sind die Nachkommen der altiranischen Kolonisten, die Tadschik und Sarten (s. d.). Über die Zahl der Bewohner besitzen wir durch die Erweiterung der russischen Besitzungen im Transkaspischen Gebiet ziemlich verläßliche Schätzungen. Die Einwohnerzahl von Russisch-Turkistan wird 1885 auf 3,426,324 angegeben, im Generalgouvernement der Steppe auf 1,900,774, so daß der russische Anteil an Z. 5,327,098 Einw. zählt. Die Staaten Chiwa und Bochara zählen 2,800,000 Einw., das Tafelland Iran mit dem Hauptland Persien 7 Mill., die Hochthäler im Quellgebiet des Amu Darja und Sir Darja sind zu 1 Mill. anzunehmen, für die Mongolei gelten 2 Mill. als annähernd richtig, die Dsungarei, ausschließlich der russisch gebliebenen Teile, ist zu höchstens 200,000, das wieder China unterworfene Ostturkistan zu etwas über ½ Mill. anzunehmen. Das gibt eine Gesamtbevölkerung von rund 19 Mill. auf dem weiten Raum von 300,000 QM. Verhältnismäßig dicht bevölkert sind nur die Haupthandelsstädte und ihre Umgebungen. Die Religion ist durchweg der Islam, dagegen herrscht große Mannigfaltigkeit in der Sprache. Persisch wird im SW., türkisch-tatarisch im Zentrum, mongolisch im O. gesprochen. Der Lebensweise nach sind die Bewohner der Flußufer seßhaft, die der Steppen dagegen Nomaden. Die seßhafte Bevölkerung bewohnt zum Teil höchst ärmliche Lehmhütten, in den Haupthandelsstädten fehlt es aber nicht an prächtigen Gebäuden. Die zahlreichen Befestigungen bestehen aus Erdmauern, die europäischen Waffen keinen Widerstand zu leisten vermochten. Für Verkehrswege ist erst seit der russischen Beherrschung Zentralasiens, nun aber auch viel gethan worden (vgl. Turkistan). Das Vorrücken der russischen Grenzen in Turkistan bis hart an den Hindukusch erregte die ernsteste Aufmerksamkeit Englands, das für seine indischen Besitzungen einen Kriegsfall zu befürchten begann. Die Forsythsche Expedition von 1873 nach Kaschgar im westlichen Z. und den Pamirhochthälern, dem Grenzgebiet Zentralasiens gegen Russisch-Asien, erwies, daß in Indien ein russischer Angriff auf Z. nicht zu fürchten sei. Dagegen ist Rußland nach seiner Lage und seinen Macht- und Handelsverhältnissen die Aufgabe gestellt, Z. sich zu erschließen und von hier auf China und Persien einen Druck auszuüben, aber weiter nach S. nicht vorzudringen. Rußland ist sich dieser Aufgabe vollkommen bewußt; sie findet in zahlreichen Werken, Abhandlungen und Zeitungsartikeln beredten Ausdruck. Eine »Karte der russischen Eroberungen in Z.« ist dem Artikel Russisches Reich (S. 81) beigegeben. Weiteres s. auch im Art. Asien, Entdeckungsgeschichte. Vgl. A. v. Humboldt, Asie centrale (Par. 1843, 3 Bde.; deutsch von L. Mahlmann, Berl. 1844, 2 Bde.); Khanikow, Mémoire sur la partie méridionale de l'Asie centrale (Par. 1863); Mac Gregor, Central Asia, compiled for political and military reference (Kalkutta 1871, wichtiges anglo-indisches Sammelwerk); H. Rawlinson, England and Russia in the East (2. Aufl., Lond. 1875); Wenjukow, Die russisch-asiatischen Grenzlande (deutsch, Leipz. 1874); Vambéry, Z. und die englisch-russische Grenzfrage (das. 1873, geschichtlichen Inhalts); F. v. Hellwald, Zentralasien (das. 1874); Derselbe, Die Russen in Z. (neue Ausg., Augsb. 1878); v. Richthofen, China (Berl. 1877 ff.); Boulger, England and Russia in Central Asia (Lond. 1879, 2 Bde.); Marvin, Reconnoitring Central Asia, between Russia and India (2. Aufl., das. 1885); Edwards, The Russian projects against India (das. 1885); Moser, Durch Z. (Leipz. 1887, Reiseschilderungen); Curzon, Russia in Central Asia in 1889 (Lond. 1889). Unter den Karten von Z. ist Walkers »Map of Central Asia« (mehrfach aufgelegt) hervorzuheben.

Zentralbau, ein um einen Mittelpunkt gruppierter Bau, welcher über diesem Mittelpunkt seine Hauptentwickelung findet. Gehören hierher schon die Steinkreise (Cromlechs) der Kelten, die heiligen Reliquienbehälter (Stupas oder Topes) der Buddhisten, die runden Tempel, Grabmäler und Thermen der Römer, so bezeichnet Z. im engern Sinn in der ältesten christlichen Baukunst denjenigen Kirchenbaustil, welcher durch einen quadratischen oder regelmäßig achteckigen oder runden Mittelbau, der mit einer Kuppel überwölbt und von einem niedrigern Bogengang rings umgeben ist, charakterisiert wird. Diese Bauart fand neben der Form der Basilika bis ins 10. Jahrh. hinein häufig Anwendung, wurde aber im Abendland von dem romanischen und gotischen Stil, welcher sich in der Regel rechteckiger Grundrisse bedient, verdrängt. Der Renaissance- und Barockstil nahm den Z. für Kirchen wieder auf, wofür Santa Maria della Salute in Venedig und die Karlskirche in Wien bezeichnende Beispiele sind. Im Morgenland, vorzugsweise in Konstantinopel, wo die Sophienkirche (s. Tafel »Baukunst VII«, Fig. 9-12) den bedeutendsten altchristlichen Z. bildete, fand er eine weitere Ausbildung in den Moscheen des Islam; s. Baukunst, S. 490 u. 491.

Zentralbehörden (Zentralämter), Bezeichnung für die obersten Landesbehörden, welchen die untern Verwaltungsbehörden unterstellt sind. Den