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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zimmerbock; Zimmergymnastik; Zimmerische Chronik; Zimmerling; Zimmermann

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Zimmerbock - Zimmermann.

für Jagdzimmer gotische Stilformen u. dgl. gewählt, und selbst im japanischen, persischen und maurischen Geschmack werden Räume eingerichtet und dekoriert. Man begnügt sich damit, innerhalb eines Raums eine gewisse Einheitlichkeit zu erreichen, und läßt im übrigen dem individuellen Geschmack freien Spielraum. Vgl. Falke, Die Kunst im Hause (5. Aufl., Wien 1883); Hirth, Das deutsche Zimmer der Gotik und Renaissance etc. (3. Aufl., Münch. 1886); Mothes u. a., Unser Heim im Schmuck der Kunst (2. Aufl., Leipz. 1882); »Kojen der Berliner Gewerbeausstellung im J. 1879« (Berl. 1880); Schwenke, Ausgeführte Möbel- und Zimmereinrichtungen der Gegenwart (das. 1884, 2 Bde.); »Die Tapezierkunst« (das. 1887 ff.); für England: Eastlake, Hints on household taste (4. Aufl., Lond. 1877).

Zimmerbock, s. Bockkäfer.

Zimmergymnastik, der Betrieb von geregelten Leibesübungen, soweit sie in Wohnräumen ohne viel Gerätzurüstung ausgeführt werden können, teils als reine Heilgymnastik (s. d.), teils in Ermangelung und als Ersatz anderweiter regelmäßiger Bewegung vorgenommen; sie entnimmt den Stoff meist den Freiübungen (s. d.) im Stehen oder Liegen, den Hantel-, Stabübungen u. dgl. Von den zur Z. verwendbaren Geräten ist das vielseitigste der sogen. Baconsche Apparat, welcher teils als Schaukelringpaar zu Hang und Stütz, teils als Reck dienen kann. Vgl. Schreber, Ärztliche Z. (23. Aufl., Leipz. 1888); Seeger, Diätetische und ärztliche Z. (2. Aufl., Wien 1878); Kloss, Weibliche Hausgymnastik (3. Aufl., Leipz. 1873); Schildbach, Kinderstubengymnastik (das. 1880); Fromm, Zimmergymnastik (2. Aufl., Berl. 1888); Angerstein, Hausgymnastik für Gesunde und Kranke (12. Aufl., das. 1889); Derselbe, Hausgymnastik für Mädchen und Frauen (6. Aufl., das. 1889).

Zimmerische Chronik, deutsches Geschichtswerk des 16. Jahrh., welches, an die Geschichte der schwäbischen Herren (später Grafen) von Zimmern anknüpfend, Sagen, Lieder, Gebräuche, Anekdoten u. dgl. in behaglicher Breite mitteilt und daher für die Erforschung des damaligen Volkslebens wertvollen Stoff bietet; Verfasser sind Graf Froben Christoph von Zimmern (gest. 1566) und sein Sekretär Hans Müller (gestorben um 1600), welche für das 15. Jahrh. nach guten mündlichen Überlieferungen, für das 16. Jahrh. meist nach eignen Erlebnissen berichten. Das Werk wurde von Barack herausgegeben (2. Aufl., Freiburg 1881, 4 Bde.). Vgl. Franklin, Die freien Herren und Grafen von Zimmern (Freiburg 1884).

Zimmerling (Zimmerheuer), der mit Ausführung der Zimmerung beauftragte Bergmann.

Zimmermann, 1) Johann Georg, Ritter von, philosoph. Schriftsteller, geb. 8. Dez. 1728 zu Brugg im Kanton Aargau, studierte zu Göttingen Medizin und promovierte daselbst mit der Dissertation »De irritabilitate« (Götting. 1751), die den Grund zu seiner Berühmtheit legte. Nach einer Reise durch Holland und Frankreich ward er Stadtphysikus zu Brugg und verfaßte hier unter anderm seine berühmten Schriften: »Über die Einsamkeit« (Zürich 1755; gänzlich umgearbeitet, Leipz. 1784-85, 4 Bde.), »Vom Nationalstolz« (Zürich 1758 u. öfter) und »Von der Erfahrung in der Arzneikunst« (das. 1764, 2 Bde.; 3. Aufl. 1831). Seit 1768 erster Leibarzt des Königs von England und Hannover, ward er von Friedrich d. Gr. in dessen letzter Krankheit nach Berlin gerufen und veröffentlichte nach des Königs Tod mehrere Schriften über ihn, z. B. »Über Friedrich den Großen und meine Unterredung mit ihm« (1788); »Verteidigung Friedrichs des Großen gegen den Grafen Mirabeau« (Hannov. 1788) und »Fragmente über Friedrich den Großen« (Leipz. 1789, 3 Bde.), die ihrem Verfasser viele harte Kritiken zuzogen. Kränklichkeit und leidenschaftliche Empfindlichkeit trübten Zimmermanns Ansicht von der Welt und dem Leben nach und nach so sehr, daß er sich durch seine letzten Schriften fast um seinen Ruhm brachte. Er starb 7. Okt. 1795. Vgl. Bodemann, Joh. Georg Z. Sein Leben und bisher ungedruckte Briefe an denselben (Hannov. 1878).

2) Eberhard August Wilhelm von, Geograph, Naturhistoriker und Philosoph, geb. 17. Aug. 1743 zu Ülzen in Hannover, studierte zu Göttingen und Leiden, wurde 1766 Professor der Physik um Carolinum zu Braunschweig, machte mehrere wissenschaftliche Reisen nach England, Italien, Frankreich, Rußland und Schweden, wurde später geadelt, 1801 Geheimer Etatsrat und starb 4. Juni 1815. Seine bedeutendsten Werke sind: »Geographische Geschichte des Menschen und der vierfüßigen Tiere« (Leipz. 1778-83, 2 Bde.); »Über die Kompressibilität und Elastizität des Wassers« (das. 1779); »Frankreich und die Freistaaten von Nordamerika« (Berl. 1795) und »Allgemeine Übersicht Frankreichs von Franz I. bis auf Ludwig XVI.« (das. 1800, 2 Bde.), jenes mehr geographisch und ethnographisch, dieses politisch-historisch; vor allen aber das »Taschenbuch der Reisen« (Leipz. 1802-13, 12 Jahrgänge), aus welchem das vielgelesene Buch »Die Erde und ihre Bewohner« (das. 1810-13, 5 Bde.) ein Auszug ist.

3) Ernst, protest. Theolog, geb. 18. Sept. 1786 zu Darmstadt, studierte in Gießen Philologie und Theologie und ward 1805 Prediger zu Auerbach an der Bergstraße, wo er 1808 seine Ausgabe des Euripides (Frankf. a. M. 1808-15, 4 Bde.) begann, 1809 Diakonus zu Großgerau, 1814 Hofdiakonus zu Darmstadt und 1816 Hofprediger. Er starb 24. Juni 1832. Verdienste erwarb sich Z. durch Gründung der »Allgemeinen Kirchenzeitung« (seit 1822) und der »Allgemeinen Schulzeitung« (seit 1824). Seine Predigten erschienen gesammelt in 8 Bänden (Darmst. 1815-1831). - Sein Bruder Karl, geb. 23. Aug. 1803 zu Darmstadt, seit 1842 erster Hofprediger daselbst, wurde 1847 Prälat und hat sich durch die Begründung und Förderung der Gustav-Adolf-Stiftung wie auch durch Fortsetzung der von seinem Bruder unternommenen »Kirchenzeitung« und »Schulzeitung«, durch Begründung eines »Theologischen Litteraturblatts« (1841 ff.) und den mit Großmann seit 1843 herausgegebenen »Boten des Gustav-Adolf-Vereins« bekannt gemacht. Außerdem veröffentlichte er mehrere Predigtcyklen und eine große Anzahl von Schriften, wie: »Luthers Leben« (2. Aufl., Darmst. 1855); »Der Gustav-Adolf-Verein« (7. Aufl., das. 1867); »Tabea oder die Frauenvereine der Gustav-Adolf-Stiftung« (das. 1864); »Beiträge zur vergleichenden Homiletik; Predigten an Gustav-Adolfs-Festen« (das. 1866); »Die evangelische Diaspora« (das. 1868-69); »Die Bauten des Gustav-Adolf-Vereins in Bild und Geschichte« (das. 1859-76, 2 Bde.). Seit 1872 pensioniert, starb er 12. Juni 1877. Aus seinem Nachlaß erschien: »Der Gustav-Adolf-Verein nach seiner Geschichte, seiner Verfassung und seinen Werken« (Darmst. 1878).

4) Johann August, österreich. Schulmann, geb. 14. Mai 1793 zu Bilin in Böhmen, studierte zu Prag die Rechte und unter Bolzano (s. d.) Philosophie, wurde 1817 Lehrer am Gymnasium zu Iglau, wirkte seit 1822 als Humanitätsprofessor am Gymnasium der Kleinseite zu Prag, war seit 1844 mit seinem