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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zimmerpflanzen

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Zimmerpflanzen.

regulierbare und verschließbare Öffnung k direkt unter der Feuerthür l Luft in horizontaler Richtung in die Feuerglut eingeführt. Zum Luftabzug aus dem Zimmer sowie zur Regulierung der Verbrennungsintensität liegt über dem Heizcylinder a ein Kanal m, welcher vorn in das Zimmer, hinten in den Schornstein mündet und teils von der Decke des Feuercylinders, teils von den durch den Kanal strömenden Feuergasen stark erhitzt wird. Die Zimmerluft zieht durch eine im vordern Teil dieses Kanals eingesetzte Düse n in den Kanal und durch diesen in den Schornstein ab. Auf der Innenseite der Düse ist eine Glimmerscheibe o so befestigt, daß sie je nach der Zugkraft des Schornsteins sich hebt und senkt und mithin den Luftabzug aus dem Zimmer automatisch reguliert. Außerdem kann der Kanal durch den Schieber p geschlossen werden. Die Öfen sind mit Ventilations- und Zimmersockel zum Einführen reiner Außenluft durch Kanäle unter dem Fußboden q oder in der Korridorwand r sowie zur Zirkulation der Zimmerluft versehen. Dicht am Fußboden tritt die Luft in den geheizten Sockel des Ofens ein und verläßt denselben, zwischen Heizcylinder und Mantel emporsteigend, durch die im obern Teil des Mantels vorhandenen Durchbrechungen s, nachdem sie noch aus einem Wasserverdunstungsgefäß w mit Feuchtigkeit versehen ist. Soll der Ofen zur Heizung mehrerer zusammenhängender Räume benutzt werden, so nimmt man einige Sektionen des durchbrochenen Gitters s heraus und führt von den so gebildeten Öffnungen mit Drosselklappen verschließbare Blechkanäle nach den zu heizenden Nebenräumen. Die Bedienung des Ofens beschränkt sich auf das Nachfüllen von Kohlen in den Füllschacht, auf das Entleeren des Aschenkastens nach je 24 Stunden und auf die Regulierung des Verbrennungsprozesses durch Öffnen und Schließen des in der Aschenfallthür befindlichen Verschlusses. Vgl. Pauli, Über Kochherde und Z. (Münch. 1861); Schott, Über Zimmerheizung (Hannov. 1854); Pötzsch, Entwürfe zu Stubenöfen in Kachel- und Thonkonstruktion (Glog. 1854); Fournel, Die zweckmäßigsten Z. neuester Zeit (2. Aufl., Weim. 1859); Zwick, Die Z. der letzten zehn Jahre (Leipz. 1874); Brömser, Ofen- und Glasurfabrikation (Weim. 1885).

Zimmerpflanzen (hierzu Tafeln »Zimmerpflanzen I und II«), Ziergewächse, welche man der Schönheit ihrer Blätter, Blüten oder Früchte halber frei oder unter Glas im Zimmer kultiviert. Alle Zimmergärtnerei ist ein Notbehelf und muß sich überall auf solche Pflanzen beschränken, welche unter der Ungunst der Verhältnisse nicht allzu sehr und allzu schnell leiden. Je mehr man ein Zimmer ausschließlich der Pflanzenkultur widmen kann, um so besser werden die zweckmäßig ausgewählten Pflanzen gedeihen, und wer ein Gewächshaus besitzt und aus diesem Blatt- und Blütenpflanzen in der Periode ihrer besten Entwickelung für kurze Zeit ins Zimmer versetzen und sie dann behufs der Wiederherstellung ihrer im Zimmer angegriffenen Gesundheit in das Gewächshaus zurückbringen kann, ist in seiner Auswahl nur wenig beschränkt. Sehr gute Resultate erzielt man auch unter Beschränkung auf eine geringe Anzahl von Pflanzen, wenn man am Fenster einen Ausbau oder einen Einbau anbringt, gewissermaßen ein kleines Glashaus, in welchem die Pflanzen vom übrigen Zimmer abgeschlossen sind. Diese Vorrichtungen können unter günstigen Verhältnissen ziemlich beträchtliche Dimensionen erhalten und lassen recht gute Resultate erzielen. Ihnen schließen sich dann die sogen. Terrarien oder Wardschen Kasten an, kleine bewegliche Häuschen mit Glaswänden, welche für die Kultur zarter, auf große Luftfeuchtigkeit angewiesener Pflanzen des Warmhauses sehr geeignet sind. Hat man auf dergleichen Vorrichtungen überhaupt zu verzichten, so muß man sich den härtesten Pflanzen zuwenden und sie durch sorgfältige Pflege möglichst vor Erkrankung zu schützen suchen. Für solche Verhältnisse sind am empfehlenswertesten die Blattpflanzen (s. d.) und eine größere Anzahl Knollen- und Zwiebelgewächse, welche zum Teil nur geringe Ansprüche machen, auch wohl einen Teil des Jahrs ruhen und dann schnell auf den Höhepunkt ihrer Entwickelung gelangen. Die Blütenpflanzen sind verhältnismäßig am schwierigsten zu kultivieren, weil sie in den verschiedenen Perioden des Jahrs ungleiche Behandlung erfordern und bezüglich der Temperatur und Feuchtigkeit der Luft zum Teil Anforderungen stellen, die nicht immer und überall zu erfüllen sind. Die hauptsächlichsten Unzuträglichkeiten, welchen die Z. ausgesetzt zu sein pflegen, sind: Lichtmangel und ungünstige Temperaturverhältnisse, trockne Luft und Staub. Die Art, denselben zu begegnen, ist bei den Blattpflanzen (s. d.) besprochen worden. Die Blütenpflanzen sind nun noch mehr an das Licht gebunden, während viele von ihnen auf größere Feuchtigkeit der Luft weniger Anspruch machen. Ein eigner Zweig der Zimmergärtnerei ist die Treiberei, welche eine vorzeitige Entwickelung der Vegetation durch Zuführung von Wärme und Feuchtigkeit zu erreichen sucht. Zum Treiben eignen sich nur kräftige, gesunde Pflanzen mit gut entwickelten Wurzeln, und es ist erforderlich, daß dieselben eine ihrer Natur angemessene Ruhezeit genossen haben. Man treibt mehrere Sträucher, hauptsächlich aber und mit der größten Aussicht auf Erfolg Zwiebel- und Knollengewächse, wie Hyazinthen, Tulpen, Crocus, Narzissen, Tazetten, Jonquillen, Schneeglöckchen, Ranunkeln, Anemonen, die Jakobslilie (Amaryllis formosissima) etc. Auch viele Sträucher und Stauden, wie Abutilon, Azalien, Alpenrosen, Begonien, Chrysanthemum, Cinerarien, Tropaeolum Lobbianum etc., lassen sich frühzeitig zur Blüte bringen. Für Verhältnisse, unter denen die Überwinterung einer größern Zahl von Topfpflanzen schwierig ist, wählt man Sommerblumen (Annuellen), die man im ersten Frühjahr aus Samen erzieht oder als Setzlinge beim Gärtner kauft. Die Zahl derartiger für die Topfkultur geeigneter Pflanzen ist sehr groß, und sie sind dem Blumenfreund sehr zu empfehlen; Cobaea, Tropaeolum, Aster, Celosia cristata, Levkojen, Clarkia, Clinthonia, mehrere Arten von Datura. Chinesernelken, Balsaminen, Lobelien, Lupinen, Mimulus, Oxalis, Petunien, Phlox, Reseda, Verbenen, Stiefmütterchen verdienen besonders Beachtung. Übrigens erreichen manche Annuellen eine ganz besondere Vollkommenheit, wenn sie im Herbst ausgesäet und als Sämlinge überwintert werden. Viele ausdauernde Pflanzen werfen zum Winter das Laub ab, können dann das Licht entbehren und in gewöhnlichen trocknen Kellern überwintert werden; selbst einige immergrüne ertragen derartige Behandlung, welche im allgemeinen eine gute Überwinterung sichert. Azalien, Calycanthus, Fuchsien, Pelargonien, Hortensien, Lorbeer, Oleander, Päonien, Passifloren, der Granatbaum, Robinien, Rosen, Viburnum tinus u. a. gehören hierher. Gewisse Zwiebel- und Knollengewächse, wie Gladiolus, Iris, die Lilien, sind noch leichter zu überwintern, da sie vollständig einziehen. Verfügt man über einen hellen, frostfreien Raum, so sind die Pflanzen allerdings viel mehr gesichert, und man kann dann