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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zinsreduktion - Zinzendorf.

Das reine Kapital findet man aus den n-jährigen Zinsen z oder aus dem vermehrten Kapital C nach den Formeln

c = 100 z /(p n) = 100 * C / (100 + pn) (3).

Aus C = 1950,9 Mk., p = 4½ Proz. und n = 3 Jahre 7 Monate = 37/12 Jahre folgt 100 + pn = 100 + 4½ * 37/12 = 929 / 8 und also c = 8 * 100 * 1950,9 / 929 = 1680 Mk. Für den Zinsfuß p und die Zeit n, in Jahren ausgedrückt, hat man die Formeln

p = 100z/cn (4) und

n = 100z/cp. (5),

wobei z = C - c ist. Z. B. aus C = 2939,62 Mk., c = 2472 Mk., p = 5 Proz. folgt z = 467,62 und n = 100*467,62/(2452*5) = 347/60 Jahre = 3 Jahre 9 Monate 12 Tage. - II. Bei Berechnung von Zinseszinsen mit jährlichem Zinszuschlag setzt man 1 + p/100 = q (Zinskoeffizient, Zinsfaktor) und erhält sodann für die Größe C, die das Kapital c in n Jahren erreicht, die Formel

C = c qn (6).

Die Rechnung wird mit Logarithmen ausgeführt nach den Formeln

log C = log c + n * log q (7),

log c = log C - n * log q (8),

log q = (log C - log c) / n (9),

n = (log C - log c) / log q (10).

Ist z. B. c = 1850 Mk., p = 4½ Proz., n = 12 Jahre, so ist q = 1,045, log q = 0,01912, und man hat zufolge (6)

log 1850 = 3,26717

+ 12 * log 1,045 = 0,22944

log C = 3,49661, mithin C = 3137,71 Mk.

Auf der rechten Seite von (9) und (10) ist der Zähler soviel als log (C / c). Fragt man z. B., in wie viel Jahren sich ein Kapital zu 5 Proz. verdoppelt, so ist C / c = 2, und (10) gibt dann n = log 2 / log 1,05 = 0,30103 / 0,02119 = 14,21 Jahre. Erfolgt der Zinszuschlag k mal im Jahr, so tritt an die Stelle der Formel (6) die folgende:

C = c * (1 + p/(k*100))kn (11),

und wenn man k über alle Grenzen wachsen läßt, so daß der Zinszuschlag stetig erfolgt, so wird

C = c e(np/100) (12),

wo e = 2,71828 die Basis der natürlichen Logarithmen bedeutet (log e = 0,4342945); bei 5 Proz. erhält man z. B. C = c * 1,05127n. Über die Berechnung der Kontokorrentzinsen s. Kontokorrent. Vgl. Bärlocher, Handbuch der Zinseszins-, Renten-, Anlehen- und Obligationenrechnung (Zürich 1885); Kleyer, Lehrbuch der Zinseszins- u. Rentenrechnung (Stuttg. 1885); Bleicher, Grundriß der Theorie der Z. (Berl. 1888); Zinstabellen von Jacobi, Kraft, H. Müller, Niedermüller, Seifert, Voigt u. a.

Zinsreduktion, s. Staatsschulden, S. 205.

Zinsrente, s. Rente.

Zinsrentensteuer, s. Kapitalrentensteuer.

Zinsschein (Leistenschein), s. Koupon.

Zinstaxe, der obrigkeitlich bestimmte, nicht zu überschreitende höchste Zinssatz. Vgl. Wucher.

Zins vom Zins, s. v. w. Zinseszins, s. Anatozismus und Zinsrechnung 11.

Zinswucher, s. Wucher.

Zinszahl der Römer, s. Indiktionenzirkel.

Zinszahlen, s. Kontokorrent, S. 47.

Zinten, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Heiligenbeil, am Stredik und an der Linie Allenstein-Kobbelbude der Preußischen Staatsbahn, hat eine evang. Kirche, ein Waisenhaus, ein Amtsgericht, Molkerei, Milchzuckerfabrikation, eine Eisengießerei und Maschinenfabrik, eine Dampfmühle und (1885) 3415 meist evang. Einwohner.

Zintenhof, Rittergut in Livland, 14 km von Pernau, mit einer Wollmanufaktur, welche 2000 Menschen beschäftigt und jährlich 10,000 Stück hoch- und mittelfeiner Tuch- und Trikotfabrikate liefert.

Zinzaren (Rumuni, Makedo-, Mauro- oder Kutzo-Wlachen), ein romanischer Volksstamm, der, zerstreut über die Balkanhalbinsel, ein wichtiges Kulturelement derselben bildet. Auch in Österreichs großen Städten und Istrien sind sie vertreten, wo weltbekannte Firmen, wie die Sina, ihnen entsprossen. In Bulgarien, Makedonien, Thrakien und Albanien gehört ihnen die Elite der Kaufmannschaft an. Ackerbau und Viehzucht treibend, finden wir die Z. in größern Gruppen im SO. der Türkei, am See von Janina und im Pindos. Kleine Volksinseln bilden sie bei Castoria, Ochrida, in Albanien und bei Tatarbasardschik. In Griechenland bewohnen sie den Nordosten, wo sie »Kutzowlachen« (hinkende Walachen) genannt werden. Die Bezeichnung Z. erhielten sie von den Slawen wegen ihrer Aussprache der Zahl 5 mit zinz statt tschintsch; sie selbst nennen sich Rumuni und halten sich für Nachkommen der Römer. Die Z. gehören sämtlich der orthodox-griechischen Kirche an, doch wird die Liturgie in romanischer Sprache gelesen. Außer ihrer eignen Sprache sprechen die meisten auch griechisch, welches von ihnen mangels eigner Litteratursprache als Handelssprache adoptiert wurde. In Albanien sind die Z. meist Hirten; andere sind wandernde Waffen- und Goldschmiede, wieder andre vortreffliche Architekten und Maurer. Als fleißig und nüchtern bekannt, ist der Zinzare überall gesucht, und er erwirbt bei seiner sparsamen Lebensweise sich schnell ein kleines Vermögen. Ihr Typus ist ein charakteristischer, auch abgesehen von der auch in der Fremde beibehaltenen, der albanesischen gleichenden Tracht: dunkle Haare, wohlgeformter Kopf mit scharfen Gesichtszügen und intelligente, stechende Augen zeigen den Zinzaren an. In politischer Beziehung zeigen sich die Z. als Feinde der Türken; aber ohne besondere geschichtliche Vergangenheit, zerstreut zwischen andern Völkern, ist kein eigentlicher Nationalsinn bei ihnen entwickelt. Im S. sind sie stark in der Gräzisierung begriffen. Was ihre Anzahl betrifft, so gibt Pouqueville für Griechenland (in seinen alten Grenzen) 11,000 Z., für das Pindosgebiet 70,000 an. Auf der übrigen Balkanhalbinsel rechnet man 600,000. Vgl. Kanitz, Die Z. (in »Mitteilungen der Wiener Geogr. Gesellschaft« 1863); Weigand, Die Sprache der Olympo-Walachen (Leipz. 1888).

Zinzendorf und Pottendorf, Nikolaus Ludwig, Graf von, Stifter der evangelischen Brüdergemeinde (s. d.), geb. 26. Mai 1700 zu Dresden, ein Patenkind Speners, wurde nach dem frühen Tod seines Vaters, der kursächsischer Konferenzminister war, in der Lausitz bei seiner frommen und gelehrten Großmutter erzogen und kam im zehnten Jahr in das Waisenhaus zu Halle unter A. H. Franckes besondere Aufsicht. Aber erst in Wittenberg, wo er seit 1716