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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zitteraal; Zitteralge; Zitterer; Zitterfische

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Zitteraal - Zitterfische.

begleitete die Rohlfssche Expedition nach der Libyschen Wüste 1873-74, und wesentlich durch seine geologische und paläontologische Ausbeute und wissenschaftlichen Beobachtungen erhielt dieselbe ihren großen Wert. Seine neuesten Arbeiten behandeln den Bau und die Klassifikation der fossilen Schwämme (»Abhandlungen der bayrischen Akademie der Wissenschaften« 1877 u. 1878). Er schrieb: »Paläontologische Mitteilungen aus dem Museum des königlich bayrischen Staats« (begonnen von A. Oppel, Bd. 2, Abt. 1, 2 u. 3, Kassel 1868-73, mit Atlas); »Geologische Beobachtungen aus den Zentralapenninen« (in Beneckes »Geognostisch-paläontologischen Beiträgen«, Münch. 1869); »Aus der Urzeit« (das. 1875, 2 Bde.); »Briefe aus der Libyschen Wüste« (das. 1875); »Handbuch der Paläontologie« (mit Schimper u. Schenk, das. 1876 ff.; auch ins Französische übersetzt); Berichte über seine Reise nach Schweden und Norwegen (Stuttg. 1860); »Beiträge zur Geologie und Paläontologie der Libyschen Wüste« (Kassel 1883 ff.); »Die Sahara« (das. 1883). Für das Novara-Reisewerk bearbeitete er die fossilen Mollusken und Echinodermen von Neuseeland (Wien 1863); auch beteiligte er sich an der geologischen Aufnahme Badens gemeinschaftlich mit Vogelgesang durch Publikation der Sektionen Möhringen und Mößkirch (Karlsr. 1867), gibt die Zeitschrift »Paläontographica« (Kassel) und mit Haushofer »Paläontologische Wandtafeln und geologische Landschaften« (das. 1879 ff.) heraus.

Zitteraal (Gymnotus Cuv.), Gattung aus der Ordnung der Edelfische und der Familie der Zitteraale (Gymnotini), aalähnliche Fische mit schuppenloser Haut, ohne Rückenflosse, sehr langer, mit dicker Haut überzogener Afterflosse und Brustflosse, zahlreichen feinen Zähnen und an der Kehle liegendem After. Der Z. (Gymnotus electricus L.), bis 2 m lang und 20-25 kg schwer, olivengrün, mit zwei Reihen gelber Flecke auf dem Rücken, an der Unterseite orangerot, an der Afterflosse schieferfarbig, weiß gesäumt, mit 80 cm langer Schwimmblase und vier sehr kräftigen elektrischen Organen (s. Zitterfische), welche etwa vier Fünftel der Leibeslänge einnehmen und an den Bauchseiten des Fisches liegen. Er findet sich in ganz Nordostbrasilien, Guayana und Venezuela, aber nur in Gewässern, welche eine Temperatur von 26-27° besitzen, besonders in schlammigen, schattig gelegenen Bächen der Llanos, streckt in jeder Minute zweimal die Schnauze aus dem Wasser heraus, schluckt Luft ein und läßt die verbrauchte Luft durch die Kiemenspalten entweichen. Beim Versiegen des Wassers sucht er auszuwandern, und wo dies nicht gelingt, gräbt er im Schlamm tiefe, runde Löcher. Man hat beobachtet, daß sich die Zitteraale unter Umständen zu Gesellschaften vereinigen, die ausschließlich aus Männchen oder Weibchen bestehen. Über die Fortpflanzung ist nichts bekannt. Er vermag willkürlich ungemein kräftige elektrische Schläge auszuteilen, mit denen er seine Beute, Fische und andre Wassertiere, lähmt. Er tötet deren viel mehr, als er verzehrt, und verursacht dadurch eine Verödung der Gewässer, in denen er lebt. Auf andre Zitteraale sind die Schläge wirkungslos. Den ersten Schlägen eines großen, stark gereizten Zitteraals kann man sich nicht ohne Gefahr aussetzen; Schmerz und Betäubung sind sehr heftig und halten bis zum andern Tag an. Der Aal selbst erschöpft sich aber durch die Schläge, welche er austeilt, und kann dann leicht gefangen werden. Das grätenreiche Fleisch des Zitteraals ist genießbar, aber nicht das elektrische Organ. Zu Heilzwecken haben ihn schon die Eingebornen Südamerikas benutzt. Man fängt ihn mit Netzen und mindestens jetzt nicht mehr in der von Humboldt geschilderten Weise durch Eintreiben von Pferden in das Wasser, um die Aale sich erschöpfen zu lassen. Vgl. Sachs, Untersuchungen am Z. (Leipz. 1881).

Zitteralge, s. Nostoc.

Zitterer, Sekte, s. v. w. Quäker.

Zitterfische (elektrische Fische), die mit elektrischen Organen ausgestatteten Fische, nämlich: der Zitteraal (Gymnotus), Zitterwels (Malapterurus) und die Zitterrochen (Torpedinidae). Die betreffenden Organe liegen bei den genannten Fischen an verschiedenen Stellen des Körpers (beim Aal am Schwanz dicht unter der Haut, beim Wels über den ganzen Rumpf hin, bei den Rochen im Vordertheil des Rumpfes) und stimmen auch nur in dem feinern Bau, nicht aber in den gröbern Verhältnissen überein. Wie die neuern entwickelungsgeschichtlichen Untersuchungen lehren, entstehen sie aus Muskeln, welche sich in einer eigentümlichen Weise umwandeln, und enthalten eine kolossale Menge Nervenfasern. Im ausgebildeten Zustand ist beim Zitterrochen (Torpedo, s. Rochen) jedes der beiden Organe (s. Figur) aus einer großen Anzahl nebeneinander stehender Prismen zusammengesetzt; diese wiederum bestehen aus einer Reihe

^[Abb.: Fig. Zitterroche (Torpedo), zum Teil geöffnet. EO elektrisches Organ, links mit den sich darin verzweigenden Nerven, die von einem besondern Teil des Gehirns (Lobus electricus, IV) ausgehen.]