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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zoologische Stationen - Zopf.

Nadeln gespießt die Insekten, Spinnen etc. Alle genannten Tiere werden nach Möglichkeit gegen Staub und (durch giftige Substanzen) gegen Zerstörung durch Tiere (meist Insekten) geschützt. In Gläsern voll Alkohol sind gewöhnlich untergebracht die Weichtiere (Muscheln, Schnecken etc.), deren bloße Schalen natürlich trocken aufgestellt sind, Würmer, Krebse, Amphibien, die kleinern Fische, Schlangen, etc. und müssen sorgfältig vor dem Eintrocknen bewahrt werden. Manche zartern Tiere lassen sich jedoch auch in dieser Art nicht konservieren, ohne ihre Form in so hohem Maße zu verändern, daß sie fast unkenntlich werden; man hilft sich dann wohl mit Modellen aus buntem Glas, Wachs oder ähnlichen Substanzen. -

Die hervorragendsten Museen sind in Berlin, Kopenhagen, Leiden, London, Paris und Wien.

Zoologische Stationen, wissenschaftliche Anstalten zum Studium der Meeresbewohner in lebendem Zustand, daher stets an der Küste gelegen. Das erste derartige Institut ist die von Anton Dohrn zu Anfang der 70er Jahre gegründete und noch geleitete Neapolitaner Station. In ihr, die mit einem großen öffentlichen Aquarium (s. d.) verbunden ist, sind die Arbeitsplätze, ausgerüstet mit allen zur makro- und mikroskopischen Untersuchung erforderlichen Gerätschaften und chemischen Reagenzien, an verschiedene europäische Regierungen vermietet und werden von diesen auf Monate oder Jahre mit Forschern besetzt. Letztern wird das von ihnen zum Studium gewünschte Material (Tiere und Pflanzen) in lebendem Zustand gebracht; in diesem können sie es auch durch geeignete Zirkulationsvorrichtungen erhalten und beobachten, es zu physiologischen Versuchen verwenden oder chemisch studieren etc. Die zoologische Station zu Neapel ist ferner mit einer Fachbibliothek von etwa 4000 Bänden ausgestattet. Die Fischerei und zugleich die systematische Durchforschung der Fauna und Flora des Golfs wird durch zwei kleine Dampfer sowie durch einen Taucherapparat besorgt. Außerdem liefert die zoologische Station gut konservierte Tiere und Pflanzen. Auch gibt sie drei Zeitschriften heraus: »Fauna und Flora des Golfs von Neapel«, »Mitteilungen aus der zoologischen Station« und »Zoologischer Jahresbericht«. - In neuester Zeit sind noch mehrere z. S. in allen Erdteilen gegründet worden. Von europäischen ist unter diesen die bekannteste die französische von Lacaze-Duthiers zu Roscoff an der bretagnischen Küste, gleichfalls mit Staatsunterstützung und besonderer Zeitschrift (»Archives de Zoologie expérimentale et générale«), sonst aber bedeutend kleiner als die Neapolitaner. In Holland und Schottland werden sogen. fliegende Stationen jedes Jahr an einem andern Orte der Küste oder auf einer Insel aufgeschlagen; jüngst ist eine große feste Anstalt in Plymouth errichtet worden. Ein Staatsinstitut hat Österreich in Triest, Rußland in Sebastopol, Belgien in Wimereux. In den Vereinigten Staaten existiert in Newport auf Rhode-Island unter Leitung von Professor Agassiz jun. eine gut ausgerüstete Station, auch hat eine oder die andre Universität aus den dort überreichen Mitteln kleinere Anstalten (z. B. das Chesapeake Zoological Laboratory zu Beaufort, N. C.) am Meeresstrand errichten können.

Zoomagnetismus (griech.), tierischer Magnetismus, s. Magnetische Kuren.

Zoomorphen (griech.), wie ein Tier gebildete Dinge; daher Zoomorphismus, Tierbildung.

Zoomorphōsen (griech.), s. Petrefakten.

Zoonomīe (griech.), die tierische Physiologie.

Zoonōsen (griech.), die Krankheiten, die von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Zoopaläontologie (griech.), die Lehre von den vorweltlichen Tieren.

Zoopathologie (griech.), Lehre von den Krankheiten der Tiere.

Zoophāgen (griech.), Fleischfresser, Karnivoren.

Zoophysik, s. Zoologie, S. 962.

Zoophyten (griech., »Tierpflanzen«), ein zuerst von Wotton 1552 angewendeter Name zur Bezeichnung verschiedener Tiere, welche äußerlich mit Pflanzen einige Ähnlichkeit haben. Heutzutage versteht man unter Z. die Cölenteraten (s. d.), also Schwämme, Korallen, Quallen etc.

Zoospermĭa (Spermatozoa), Samenfäden, s. Same.

Zoosporangĭum, bei niedern Kryptogamen der die Schwärmsporen (Zoosporen) enthaltende Zellraum.

Zoosporeen, Ordnung der Algen (s. d., S. 342).

Zoosporen (griech.), s. v. w. Schwärmsporen.

Zootechnik (griech.), Tierzucht.

Zootherapie (griech.), Tierheilkunde.

Zootomīe (griech.), Anatomie der Tiere, also die Wissenschaft vom Bau derselben, im Gegensatz zur Anthropotomie (menschlichen Anatomie), mit welcher zusammen die Z. die Anatomie ausmacht; vgl. Zoologie. Zootom, Tieranatom, Tierzergliederer.

Zope, s. Brasse.

Zopf (niederd. top), eigentlich das spitz zulaufende Ende eines Dinges, daher im Forstwesen der Baumgipfel, besonders des Nadelholzes, und (Topp) die Spitze des Mastes, vorzugsweise aber das lang zusammengeflochtene oder zusammengebundene Haupthaar, während Schopf das freie oder gebüschelte Haupthaar bezeichnet. Die Sitte, das Haar in einen Z. zusammenzufassen, war bei den Frauen in den verschiedensten Zeiten und Gegenden heimisch (vgl. Haare, S. 974). Die Frauen des deutschen Mittelalters trugen die Zöpfe gern über die Schultern nach vorn gelegt und durchflochten sie auch wohl mit Goldfäden, Perlenschnüren u. Borten. Bei Leistung gewisser Eide galt der Z. sogar als Rechtssymbol (man schwur »mit Hand und Mund, mit Z. und Brust«). Die Sitte, wonach auch die Männer Zöpfe trugen, ging 1713 von dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. aus, der den Z. beim Militär einführte, und ward von allen europäischen Heeren angenommen. Danach wurde im vorigen Jahrhundert auch bei den Zivilpersonen aller Stände der Z. herrschend, bis er nach dem Vorgang des Großherzogs Karl August von Weimar im Anfang der 80er Jahre zu schwinden begann und durch die französische Revolution abgeschafft wurde. In der letzten Periode der Zöpfe trug man meist falsche, nur eingebundene Patentzöpfe. Jetzt ist der Z. der Männer noch bei einigen slawischen Volksstämmen, namentlich bei den Morlaken in Dalmatien, üblich, welche ihn mit schwarzwollenen Bändern durchflechten, mit Quasten und Zieraten von Zinn, Seide, Glas u. dgl. schmücken und oft noch irgend einen beschriebenen Zettel in Briefform (zapis) als Amulett daran hängen. Als weibliche Haartracht sind lang herabhangende Zöpfe in neuester Zeit wiederum Mode geworden, oder sie werden spiralförmig zusammengelegt und am Hinterkopf oder über dem Scheitel befestigt. - Bildlich versteht man unter Z. altfränkisches Wesen, Pedanterie, Borniertsein und Unnatur etc. In der Kunst nennt man Zopf- oder Perückenstil denjenigen Stil, welcher eine Reaktion gegen die Üppigkeit des Rokokostils bildete und sein Ideal in geradliniger Steifheit,