Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zöpfl; Zopfstil; Zophar; Zophoros; Zoppe; Zoppot; Zöppritz; Zopyros; Zörbig; Zorge; Zorn; Zorndorf

967

Zöpfl - Zorndorf.

Nüchternheit und pedantischer Einfachheit sah. Die Formen der Antike wurden dabei, jedoch ohne tieferes Verständnis, nachgeahmt. Der Zopfstil ist der letzte Ausläufer des Renaissancestils und umfaßt etwa die Zeit der Regierung Ludwigs XVI. von Frankreich. Vgl. auch Rokoko.

Zöpfl, Heinrich Matthias, ausgezeichneter Rechtslehrer, geb. 6. April 1807 zu Bamberg, studierte in Würzburg und habilitierte sich 1828 als Privatdozent zu Heidelberg. 1839 zum Professor des Staatsrechts ernannt, verwaltete er während der Bewegungen von 1849 das Prorektorat der Universität mit Umsicht und Festigkeit und ward 1850 von derselben zum Abgeordneten für die badische Erste Kammer gewählt. Er starb in der Nacht vom 3.-4. Juli 1877. Seine Hauptwerke sind: »Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte« (Heidelb. 1834-36, 3 Abtlgn.; 4. Aufl., Braunschw. 1871-72, 3 Bde.); »Grundsätze des allgemeinen und des konstitutionell-monarchischen Staatsrechts« (das. 1841; 5. Aufl., Leipz. 1863, 2 Bde.); »Altertümer des deutschen Reichs u. Rechts« (das. 1860-61, 3 Bde.). Ferner sind zu nennen: »Das alte Bamberger Recht« (Heidelb. 1839); »Die peinliche Gerichtsordnung Kaiser Karls V. nebst der Bamberger und der Brandenburger Halsgerichtsordnung« (das. 1842; 3. Ausg., Leipz. 1883); »Über hohen Adel und Ebenbürtigkeit nach dem deutschen Reichsstaatsrecht« (Stuttg. 1853); »Die Demokratie in Deutschland« (1. und 2. Aufl., das. 1853). Auch bearbeitete Z. die 3. Auflage von P. A. G. v. Meyers »Corpus juris confoederationis germanicae« (Frankfurt a. M. 1858-69, 3 Bde.). Nach seinem Tod erschien noch: »Grundriß zu Vorlesungen über Rechtsphilosophie« (Berl. 1878).

Zopfstil, s. Zopf.

Zophar, s. Sopher.

Zophoros (griech.), Figurenträger, der mit Reliefs geschmückte Fries in der griechischen Architektur ionischen Stils.

Zoppe, s. Wasserhuhn.

Zoppot, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Danzig, Kreis Neustadt, in schöner Lage an der Ostsee, Knotenpunkt der Linien Stargard-Z. und Z.-Danzig der Preußischen Staatsbahn, hat eine evangelische und eine kath. Kirche, ein sehr besuchtes Seebad (jährlich 5000 Badegäste), ein neues Kurhaus, eine Kinderheilanstalt, viele Villen, ein Amtsgericht, Shoddyfabrikation, Ziegelbrennerei, Dampf- und Wassermahlmühlen, Dampfschneidemühlen, Bierbrauerei, Fischfang, Dampfschiffahrt nach Neufahrwasser und (1885) 4081 Einw. Vgl. Benzler, Das Ostseebad Z. (Danz. 1882); Püttner, Ostseebad Z. (das. 1887).

Zöppritz, Karl, Geograph, geb. 14. April 1838 zu Darmstadt, studierte in Heidelberg, Königsberg und Paris Mathematik und Physik, war seit 1865 in Tübingen als Dozent für Physik thätig und darauf 1867-80 außerordentlicher Professor für mathematische Physik in Gießen. Hier bearbeitete er »Pruyssenaeres Reisen im Gebiet des obern Nil« (»Petermanns Mitteilungen«, Ergänzungshefte 50 und 51, Gotha 1877), beschäftigte sich aber vorwiegend mit Arbeiten geophysikalischer Natur, wie seine 1878-1879 in Wiedemanns »Annalen« erschienenen »Hydrodynamischen Probleme in Beziehung zur Theorie der Meeresströmungen« darthun. 1880 wurde er als Professor der Geographie nach Königsberg berufen u. lieferte von hier für das »Geographische Jahrbuch« (1880, 1882, 1884) ausführliche Berichte über den gegenwärtigen Standpunkt und die Fortschritte der Geophysik sowie (1882 und 1884) über die wissenschaftlichen Reisen und Erforschungsexpeditionen in Afrika 1876-84. Auch erschien von ihm ein »Leitfaden der Kartenentwurfslehre« (Leipz. 1884). Auf seine Anregung wurde 1882 die Königsberger Geographische Gesellschaft gegründet, der er bis zu seinem 21. März 1885 erfolgten Tod vorstand.

Zopyros, vornehmer Perser, Sohn des Megabyzos, verhalf 518 v. Chr., nach Herodots sagenhafter Überlieferung, dem Perserkönig Dareios I. zur Wiederunterwerfung des empörten Babylon, indem er sich selbst verstümmelte, unter dem Vorwand, sich an Dareios, der ihn so mißhandelt habe, rächen zu wollen, zu den Babyloniern überging, deren Vertrauen und den Oberbefehl in Babylon erlangte und darauf die Stadt Dareios überlieferte, wofür er zum Lohn die Verwaltung Babylons für die Zeit seines Lebens, ohne daß er Tribut an den König abzuführen hatte, erhielt.

Zörbig, Stadt im preuß. Regierungsbezirk Merseburg, Kreis Bitterfeld, am Strengbach, hat eine evang. Kirche, ein Schloß, ein Waisenhaus, ein Amtsgericht, Zucker-, Rübensaft-, Papier- und Pappen-, Leder- und Schuhfabrikation, mechanische Weberei, eine Orgelbauanstalt, eine Dampfschneidemühle, Ziegelbrennerei, Bierbrauerei, Zwiebelbau und (1885) 3936 meist evang. Einwohner.

Zorge, Dorf im braunschweig. Kreis Blankenburg, in einem Harzthal an der Zorge (einem Nebenfluß der Helme), hat eine evang. Kirche, ein Eisenhüttenwerk mit Hochofenbetrieb, Eisengießerei und Maschinenfabrikation, eine Holzessigfabrik, Eisensteingruben und (1885) 1316 Einw.

Zorn, derjenige Affekt, der aus der Vorstellung einer wirklich oder vermeintlich erlittenen Beleidigung entspringt und, insofern er die Folge einer vorhandenen Disposition ist, als Jähzorn, insofern er zu Ausbrüchen in Reden und Handlungen fortreißt (tobt), als Wut, wenn die letztere bleibende Disposition wird, als Tobsucht (s. d.) bezeichnet und zu den Geisteskrankheiten (s. d.) gezählt wird.

Zorn, rechtsseitiger Nebenfluß der Moder im deutschen Bezirk Unterelsaß, entspringt in der Nähe des Schneebergs in den Vogesen, wird bei Zabern vom Rhein-Marnekanal geschnitten, tritt hier in die Oberrheinische Tiefebene und mündet nach 85 km langem Lauf unterhalb Bischweiler.

Zorndorf, Dorf im preuß. Regierungsbezirk Frankfurt, Kreis Königsberg i. N., hat eine evang. Kirche und (1885) 1138 Einw. Z. ist geschichtlich denkwürdig durch den Sieg Friedrichs d. Gr. über die Russen 25. Aug. 1758. Die Russen unter General Fermor waren 1758 nach Besetzung Ostpreußens bis in die Neumark vorgedrungen und hatten die Belagerung von Küstrin begonnen. Auf die Nachricht hiervon brach der König aus Schlesien mit 14,000 Mann in Eilmärschen nach der Neumark auf, vereinigte sich am 21. bei Küstrin mit den 32,000 Mann des Generals v. Dohna und ging 23. Aug. bei Güstebiese über die Oder. Auf die Kunde hiervon hob Fermor die Belagerung von Küstrin auf und erwartete mit seinen 50,000 Mann und zahlreicher irregulärer Reiterei bei dem Dorf Quartschen, im Rücken und in der rechten Flanke durch den morastigen Grund der Mietzel gedeckt, den Angriff der Preußen von Norden her. Friedrich umging 24. Aug. die russische Stellung und stellte sich am Morgen des 25. südlich von ihr bei Z. auf, wodurch Fermor genötigt war, seine Fronte umzukehren. Friedrich richtete seinen Hauptangriff gegen den rechten Flügel der Russen, doch erfolgte derselbe nicht rasch und gleichmäßig