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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Zuckerbaryt - Zuckerrohr.

Dampfheizung und der Benutzung wiederbelebungsfähiger Knochenkohle. In Deutschland waren hingegen nach Napoleons Sturz die Fabriken wieder eingegangen, und erst in den 20er Jahren begann die Industrie bei uns von neuem Fuß zu fassen und sich namentlich in der Provinz Sachsen, wo durch den Zichorienbau der Boden für die Rübenkultur aufs beste vorbereitet war, dann auch in Anhalt, Schlesien und Braunschweig glücklich zu entwickeln. Österreich, Rußland und Belgien haben nächst Deutschland und Frankreich die am höchsten entwickelte Zuckerindustrie, und in neuerer Zeit hat man den Anbau der Rüben auch in Holland, Schweden, Italien, selbst in England und Nordamerika mit gutem Erfolg begonnen.

Vgl. Lippmann, Die Zuckerarten und ihre Derivate (Braunschw. 1882); Walkhoff, Der praktische Rübenzuckerfabrikant (4. Aufl., das. 1872); Stammer, Lehrbuch der Zuckerfabrikation (das. 1874, Ergänzungsband 1881); Stohmann, Handbuch der Zuckerfabrikation (2. Aufl., Berl. 1885); Schulz, Die Berechnungen der Abdampfapparate bei der Fabrikation des Zuckers (das. 1863); Jicinsky, Das Saftgewinnungsverfahren der Diffusion (Leipz. 1874); Hittorff, La question des sucres au point de vue international (Brüssel 1875); v. Kaufmann, Die Zuckerindustrie in ihrer wirtschaftlichen und steuerfiskalischen Bedeutung (Berl. 1878); Scheibler, Aktenstücke zur Geschichte der Rübenzuckerfabrikation (das. 1875); Zabel, Verzeichnis der Rübenzuckerfabriken etc. des Zollvereins, Österreichs und Hollands (20. Jahrg., Quedl. 1889); Frühling u. Schulz, Anleitung zur Untersuchung der für die Zuckerindustrie in Betracht kommenden Rohmaterialien (3. Aufl., Braunschweig 1885); Görz, Handel u. Statistik des Zuckers (Berl. 1884-85); Thielmann, Die Dampfkessel für die Zuckerindustrie (das. 1889); Stammer, Jahresberichte über die Fortschritte der Zuckerfabrikation (Braunschw., seit 1860); Derselbe, Wegweiser in der Zuckerfabrikation (das. 1876) und Taschenkalender für Zuckerfabrikanten (12. Jahrg., Berl. 1888); »Die deutsche Zuckerindustrie«, Wochenschrift (das. 1876 ff.).

Zuckerbaryt, s. Zucker, S. 975.

Zuckereichhorn, s. Flugbeutler.

Zuckergast (Fischchen, Lepisma saccharina L., s. Tafel »Falschnetzflügler«), Insekt aus der Familie der Borstenschwänze und der Ordnung der Falschnetzflügler, mit gestrecktem, birnförmigem, oben flach gewölbtem Körper, kleinen, aus zwölf getrennten Nebenaugen bestehenden Augen, drei fast gleich langen Borsten am Hinterleib und zweigliederigen Tarsen, ist 8 mm lang, oben schön silberglänzend, weißlich, unten lichtgelb, findet sich in Europa überall häufig in Häusern und soll gern am Zucker naschen, auch Wolle, Leinenzeug, Papier und Leder annagen.

Zuckerharnruhr, s. Harnruhr.

Zuckerhirse, s. v. w. Sorghum saccharatum.

Zuckerkalk, s. Zucker, S. 975.

Zuckerkand, Kandiszucker, s. Zucker, S. 978 f.

Zuckerkonventionen, s. Zuckersteuer.

Zuckerkouleur, s. Karamel.

Zuckerkrankheit, s. Harnruhr.

Zuckermelde, s. Atriplex.

Zuckermerk, s. Sium.

Zuckermoorhirse, s. Sorghum.

Zuckerpalme, s. Arenga.

Zuckerprobe, Nachweisung von Zucker in Flüssigkeiten, speziell im Harn bei der Zuckerkrankheit. Nach Böttcher löst man in dem Harn kohlensaures Natron bis zur Sättigung, setzt etwas basisch salpetersaures Wismut hinzu und kocht mehrere Minuten lang. Bei Anwesenheit von mehr als 0,1 Proz. Traubenzucker färbt sich die Mischung durch Ausscheidung von Wismutmetall grau, dann schwarz. Nach Trommer versetzt man 3 Teile Harn mit 1 Teil Natronlauge (der deutschen Pharmakopöe), dann unter starkem Umschütteln tropfenweise mit 10proz. Lösung von Kupfersulfat, bis eine kleine Menge Kupferhydroxyd ungelöst bleibt; beim Erhitzen bis zum Sieden werden in der blauen Lösung gelbe Fällungen von Kupferhydroxydul sichtbar. Diese Methode ist auch für die quantitative Bestimmung des Zuckers ausgebildet worden, einfacher aber ist die Anwendung eines Polarisationsapparats. Vgl. Salkowski u. Leube, Die Lehre vom Harn (Berl. 1882).

Zuckerriementang, s. Laminaria.

Zuckerrohr (Saccharum L.), Gattung aus der Familie der Gramineen, sehr hohe, schilfartige, perennierende Gräser mit langen, breiten Blättern, großem, reichverzweigtem, rispigem Blütenstand, zweiblütigen, an der Basis mit langen, allseitig abstehenden, weißen, seidenartigen Haaren umgebenen Ährchen, in denen aber nur die obere Blüte vollständig ist. Das echte Z. (S. officinarum, s. Tafel »Industriepflanzen«), mit ausdauerndem, kriechendem Wurzelstock, 2,5-4 m hohen, 2,5-5 cm dicken Halmen ohne vorspringende Knoten, mit harter, kahler, grüner, gelber, violetter oder gelb und violett gestreifter Rinde, saftigem, zuckerreichem Mark, 0,6-1,5 m langen Blättern mit starkem, weißlichem Mittelnerv und 30-60 cm langen, pyramidalen Blütenrispen, soll aus dem mittlern Asien stammen, findet sich aber nirgends wild und wird in allen Weltteilen zwischen 30° südl. und 35° nördl. Br., in Südamerika noch bei 1900 m ü. M., in Europa nur auf Sizilien und Andalusien behufs der Zuckergewinnung kultiviert. Varietäten sind: das violette Z. (S. violaceum Juss.), mit violetten Halmen und Blättern, besonders in Westindien kultiviert, aber größtenteils nur zur Bereitung des Rums verwendet; das otahaitische Z. (S. otahaitense Juss.), violett, sehr zuckerreich, größer und stärker als die übrigen Varietäten, durch Bougainville von Otahaiti nach den Antillen gebracht, jetzt vorzüglich in Ostindien angebaut; das chinesische Z. (S. chinense Roxb.), mit eiförmiger Rispe und größtenteils mit Blattscheiben bedecktem Stengel, besonders in China kultiviert. In den Pflanzungen Amerikas pflanzt man das Z. durch Stecklinge (Schnittlinge) fort, die aus den obersten, zuckerarmen Teilen des Rohrs gemacht werden, und zwar so, daß jeder einen Knoten hat. Unter einigermaßen günstigen Verhältnissen liefert ein und derselbe Wurzelstock bis 30 Jahre lang ergiebige Ernten, in manchen Gegenden aber erneuert man die Pflanzungen alle 4-5 Jahre. Die Zeit der Ernte ist je nach der Zeit der Pflanzung verschieden. In Ostindien schneidet man schon 9 Monate nach der Pflanzung, in Amerika bei Wurzelschößlingen 11-12, bei Stecklingen erst 15 Monate nachher und manchmal noch später, stets aber vor der Blüte. Das Rohr wird mittels eines großen Waldmessers nahe am untersten Ende abgehauen, von den Blättern befreit, der oberste Teil zu Stecklingen verwendet und das übrige Rohr in Stücke von 1 m Länge geschnitten. Diese Stücke bindet man in Bündel und schafft sie zur Presse. Feinde des Zuckerrohrs sind in Amerika: eine eigne Art Blattläuse, die Larve des leuchtenden Schnellkäfers (Elater noctilucus L.), die Raupe einer weißen Motte, der Bohrer genannt, ein gehörnter Käfer, vorzüglich aber die Zuckerameise (Formica saccharivora L.), die ihr Nest unter den Wurzeln