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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zulukaffern; Zululand

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Zulukaffern - Zululand.

Tolbiacum (Tolbia) im Lande der Ubier. Hier wurden zu Chlodwigs Zeit die Alemannen von den Franken geschlagen; doch scheint diese Schlacht nicht identisch zu sein mit dem von Chlodwig selbst 496 erfochtenen Sieg, dessen Örtlichkeit mehr am Oberrhein zu suchen ist.

Zulukaffern, s. Zululand.

Zululand (Sululand), Gebiet in Südostafrika, begrenzt von der britischen Kolonie Natal, von der es durch den Tugelafluß getrennt wird, dem Transvaal, dem Lande der Amatonga und dem Indischen Ozean, jetzt politisch geteilt in das unter britischem Protektorat stehende Z. und die Neue Republik (s. d.) an der Grenze gegen Transvaal, im ganzen 28,682 qkm (521 QM.), wovon auf das britische Z. 21,290 qkm (387 QM.) kommen. Die Zahl der Einwohner, sämtlich Kaffern, läßt sich nicht angeben. Das Land steigt von dem schmalen, niedrigen Küstenrand in Terrassen nach dem Innern auf und ist durchweg ein Hügelland, durch welches zahlreiche Flüsse (Tugela, Umlalazi, Kwambonambi, Umvalosi) ihren Weg zum Meer nehmen. Der Mbusi bildet einen Teil der Grenze gegen die Neue Republik, der Pongola bildet die Grenze zwischen letzterer und dem Transvaal. Im NO. bildet die große Santa Lucia-Lagune zum Teil die Grenze und ergießt ihr Wasser, vereinigt mit dem des Umvalosi, in die Santa Lucia-Bai, nördlich vom Kap Santa Lucia. Die Küste ist sehr heiß und meist auch ungesund, nach dem höhern Innern zu ist das Klima aber durchaus gesund und das Land meist sehr schön und fruchtbar. Früher war der Reichtum an wilden Tieren (Löwen, Elefanten, Flußpferden, Krokodilen, Büffeln, Antilopen) ein sehr großer; jetzt sind nur Leoparden, Hyänen und Giftschlangen noch zahlreich. Die in großen Herden gehaltenen Haustiere (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde) gedeihen sehr gut. Gebaut werden Mais, Kafferkorn, Bohnen, Kürbisse, Bataten; an Mineralien findet sich Eisen vielfach, doch ist bislang über das Vorkommen von Mineralien wenig bekannt. Die Bewohner des Landes, die Zulu (Sulu, s. Tafel »Afrikanische Völker«, Fig. 14), gehören zu den Kaffern, doch sind ihre Gesichter regelmäßiger als bei ihren übrigen Stammesgenossen, die Nase ist besser entwickelt und nicht so aufgestülpt, die Stirn ist hoch, die Lippen sind stark aufgeworfen, das Gesicht jedoch häufig nur wenig prognathisch. Der Körper ist mehr proportioniert, doch fallen auch bei ihnen die Seiten der Brust senkrecht ab, eine Taille ist nicht vorhanden. Jetzt gehört aber zu den Zulu auch eine Reihe von Völkerschaften, die, ursprünglich von ihnen verschieden, nach ihrer Unterwerfung Sprache und Sitten der Sieger angenommen haben. Über die Sprache der Zulu vgl. Kaffern, S. 360. - Die Zulu, unzweifelhaft die tapfersten der Kaffern, unterwarfen sich unter ihren Königen Tschaka (bis 1828), Dingaan (1828-39), Panda (1839-72) und dessen Sohn Cetewayo oder Ketschwayo (seit 1858) das ganze Küstenland vom jetzigen Natal (das anfänglich eingeschlossen) bis zur Delagoabai. Mit den Engländern hatten die Zulu in Frieden gelebt, während sie mit den Buren, ihren erbitterten Feinden, in stetem Kampf lagen. Namentlich der Häuptling Sekokuni führte beständig Krieg gegen das Transvaal. Cetewayo war mit der Unterstützung des englischen Agenten, Sir Theophilus Shepstone, König über das ganze Z. geworden. Als derselbe aber den schon früher eingerichteten Militärdespotismus noch mehr ausbildete, ein Heer von 40,000 Mann organisierte und nach wiederholten Grenzverletzungen seiner Leute die Auslieferung derselben ebenso verweigerte wie die geforderte Auflösung seines Heers, entsandte der Gouverneur der Kapkolonie, Sir Bartle Frere, im Januar 1879 ein Heer von 15,934 Mann unter Lord Chelmsford. Der Anfang war für die Engländer unglücklich; eine Abteilung von 1400 Mann mit 60 Offizieren wurde 22. Jan. bei Isandhlwana (Isandula) niedergemetzelt und die Engländer von Natal gänzlich abgeschnitten. Doch benutzte Cetewayo seinen Sieg nicht, neue Truppen wurden von England angeworben, und Lord Chelmsford rückte mit 23,000 Mann auf Cetewayos Kraal Ulundi vor, wo ihm 4. Juli Cetewayo mit 20,000 Mann entgegentrat, indes eine vollständige Niederlage erlitt und von der verfolgenden englischen Reiterei 28. Aug. in dem Kraal im Ngomewalb am Schwarzen Umvalosi gefangen wurde. Vorher war 1. Juni bei einer Rekognoszierung Prinz Napoleon von den Zulu getötet worden. Nach Chelmsfords Sieg übernahm Wolseley den Oberbefehl, erstürmte 28. Nov. den Kraal Sekokunis und nahm diesen gefangen. Z. wurde unter acht Häuptlinge, darunter auch der Engländer John Dunn, verteilt, ein britischer Resident ihnen beigegeben und ihnen verboten, ihr bisheriges Militärsystem beizubehalten, Waffen einzuführen und Krieg zu führen; zugleich wurde der Erwerb von Grundeigentum durch Weiße untersagt. Indessen bewährte sich die gegebene Organisation nicht, und das Ministerium Gladstone gab daher an Cetewayo, welchem 1882 der Besuch Englands gestattet worden war, einen Teil seines Königreichs unter gewissen Bedingungen zurück und ließ ihn 29. Jan. 1883 durch Shepstone einsetzen. Dunn und andre Häuptlinge erhoben gegen den Bruch der ihnen gemachten Versprechungen Protest, Cetewayo wurde im Juli 1883 von dem Häuptling Usibepu bei Ulundi überfallen und zur Flucht genötigt, darauf der Stamm der Abagulusi, der sich für ihn erklärte, vernichtet. Cetewayo flüchtete sich nach Ekowe auf britisches Gebiet, wo er 8. Febr. 1884 starb. Eine starke Partei erkannte nun seinen Sohn Dinizulu als Herrscher an, dieser verjagte mit Hilfe von 400 Buren Usibepu und unterwarf sich ganz Z. mit Ausnahme der englischen Reserve. Die Buren erhielten für ihre Hilfe den nördlichen Teil des Landes, wo sie die Neue Republik gründeten, aber allmählich bis zum Meer vordrangen und nun Anspruch auf die ganze Küste bis zur Santa Lucia-Bai erhoben. An dieser Bai hatte bereits 1884 der Bremer Kaufmann Lüderitz ein Gebiet von 400 qkm durch den Reisenden Einwald von Dinizulu erworben. Auf dies Gebiet erhob aber England ältere Ansprüche, und bei den Verhandlungen über die Ausdehnung der Interessensphäre Englands und Deutschlands in Afrika zog letzteres seine Ansprüche auf die Santa Lucia-Bai zurück. Es wurde 1879 eine Kommission zur Feststellung der Grenzen der Neuen Republik ernannt und 22. Okt. 1886 ein Vertrag mit dieser abgeschlossen, wodurch den Buren abermals die erstrebte Verbindung mit dem Meer abgeschnitten wurde. Zugleich wurde der ganze übrige, bei weitem größte Teil des Zululandes von England annektiert und unter Verwaltung des Gouverneurs von Natal gestellt. Vgl. Fritsch, Die Eingebornen Südafrikas (Bresl. 1872); Kranz, Natur- und Kulturleben der Zulus (Wiesb. 1880); Lucas, The Zulus and the British frontier (Lond. 1879); Jenkinson, Amazulu (das. 1882); Mitford, Through the Zulu Country (das. 1883); Ashe, Story of the Zulu campaign (das. 1880); Colenso und Durnford, History of the Zulu war (2. Aufl., das. 1881); Colenso, The ruin of Z. (das. 1885, 2 Bde.).